
PINTA – der Name dürfte vielen Freunden des polnischen Craftbiers ein Begriff sein. Für mich ist dieses Bier allerdings eine Premiere, denn bislang hatte ich noch kein Bier dieser Brauerei im Glas. Umso interessanter ist es, mit einer Berliner Weisse ausgerechnet einen Bierstil zu testen, der eigentlich ganz besonders eng mit Deutschland und vor allem mit der Hauptstadt verbunden ist.
PINTA ist keine junge Neugründung mehr. Die Geschichte der Brauerei begann 2011. Im März dieses Jahres braute PINTA die erste Charge von „Atak Chmielu“, dem nach eigenen Angaben ersten kommerziellen American IPA Polens. Die Premiere folgte im Mai 2011 beim Festival des Guten Bieres in Wrocław. Im ersten Jahr braute PINTA bereits zehn verschiedene Biere.
Die Brauerei beschreibt sich heute als erste Craft-Brauerei Polens. Gebraut wird inzwischen in der eigenen Brauerei in Wieprz bei Żywiec. Dort wurde im Juli 2019 erstmals Bier gebraut. PINTA ist längst nicht mehr nur auf hopfenbetonte amerikanische Bierstile festgelegt. Das Sortiment umfasst neben den regelmäßig gebrauten Bieren auch saisonale und klassische Bierstile sowie zahlreiche experimentelle Biere.
Und damit sind wir bei der PINTA Classics Berliner Weisse.
Eine Berliner Weisse aus Polen klingt zunächst etwas ungewöhnlich. Schließlich handelt es sich um einen Bierstil, der untrennbar mit Berlin verbunden ist. Andererseits passt gerade dieser Ausflug in eine traditionelle deutsche Bierwelt durchaus zu PINTA. Die Brauerei hat in ihrer Geschichte immer wieder unterschiedliche Bierstile aufgegriffen und neu interpretiert.
Bei meiner Verkostung präsentiert sich die Berliner Weisse golden und opalisierend im Glas. Darüber bildet sich ein sahniger, weißer Schaum, der eine erfreulich gute Standzeit besitzt. Optisch macht das Bier damit bereits einen sehr ansprechenden Eindruck.
Im Aroma dominiert zunächst helles Malz. Erst dahinter kommt eine leichte fruchtige Säure zum Vorschein. Sie ist nicht besonders kräftig ausgeprägt, sondern bleibt eher im Hintergrund.
Im Antrunk fällt zunächst eine leichte Süße auf. Dazu kommt eine angenehm dosierte Kohlensäure. Beides sorgt dafür, dass das Bier von Anfang an einen frischen und unkomplizierten Eindruck hinterlässt. Auf der Zunge zeigt sich dann die fruchtige Säure etwas deutlicher. Sie bleibt allerdings auch hier angenehm zurückhaltend und erinnert mich an grüne Äpfel. Das passt sehr gut zum Charakter des Bieres. Die PINTA Classics Berliner Weisse wirkt schlank und frisch und ist dadurch ausgesprochen erfrischend. Der Abgang fällt mild aus. Von einer aggressiven Säure, die bei manchen modernen Interpretationen einer Berliner Weisse durchaus im Vordergrund stehen kann, ist hier nichts zu spüren.
Für mich ist die PINTA Classics Berliner Weisse ein gelungener Einstieg in die Biere dieser polnischen Brauerei. Sie zeigt, dass PINTA nicht nur für hopfenbetonte Craftbiere steht, sondern sich auch an klassische Bierstile heranwagt. Besonders gefällt mir, dass die Säure nicht versucht, das gesamte Bier zu dominieren. Die leichte Fruchtigkeit mit ihrer Erinnerung an grüne Äpfel, das schlanke Mundgefühl und die angenehme Kohlensäure ergeben zusammen ein ausgesprochen frisches Bier.
Die Bezeichnung „Champagner des Nordens“ kann ich bei dieser Berliner Weisse durchaus nachvollziehen. Selbstverständlich hat das Bier mit Champagner nichts zu tun – aber die Kombination aus Leichtigkeit, Frische und einer feinen Säure macht die Bezeichnung zumindest als bildhaften Vergleich verständlich.
Und so ist die PINTA Classics Berliner Weisse für mich nicht nur eine interessante Begegnung mit einem polnischen Craftbier, sondern gleichzeitig ein angenehmer Einstieg in die Biere einer Brauerei, die ich bisher tatsächlich noch nicht verkostet hatte.
Zutaten:
Wasser; Gerstenmalz (Pilsner), Weizenmalz; Hopfen (Tettnanger), Milchsäurebakterien, Hefe (SafAle™ US-05)
Alkoholgehalt:
3,0 % Vol.
Stammwürze:
8,0° Plato
Brauerei:
Przemysłowa 4
Radziechowy-Wieprz
Polen
www.browarpinta.pl