
Wunderbräu – das klingt erst einmal nach einer eigenen Münchner Brauerei. Ist es aber nicht. Hinter der Marke steht die WunderDrinks GmbH, die von Manfred Jus und Cemal Cattaneo gegründet wurde. Die Idee dahinter ist, traditionelles Bierhandwerk mit Bio-Rohstoffen und einem möglichst nachhaltigen Konzept zu verbinden.
Gebraut werden die Biere allerdings nicht in einer eigenen Brauerei. Zumindest in der Vergangenheit wurde Wunderbräu unter anderem in der Brauerei Aldersbach und der Schlossbrauerei Stein hergestellt. Ob das heute noch genauso ist, weiß ich nicht. Aber selbst wenn: Warum sollte ein Unternehmen sein Bier nicht dort brauen lassen, wo man es besonders gut kann?
Interessanter ist ohnehin die Frage, was denn nun in meiner Flasche steckt.
Beim Landbier ist die Sache schnell erklärt. Es hat 5,0 Volumenprozent Alkohol, ist untergärig gebraut und kommt naturtrüb und unfiltriert ins Glas. „Landbier“ ist dabei allerdings kein eindeutig definierter Bierstil. Ich würde es deshalb eher als naturtrübes helles Lagerbier bezeichnen – oder, wenn man möchte, als Zwickel.
Damit wäre die Theorie auch schon erledigt. Schauen wir lieber, wie sich das Bier im Glas schlägt.
Optisch ist das Landbier zunächst ziemlich unspektakulär. Es leuchtet golden im Glas und ist leicht hefetrüb. Die Schaumkrone fällt eher klein aus und hält sich auch nicht besonders lange. Da habe ich schon üppigere Auftritte erlebt.
In der Nase sieht es dagegen gleich interessanter aus. Es duftet deutlich nach Malz und Karamell, dazu kommen würzige Noten. Kein spektakuläres Aromafeuerwerk, aber durchaus ein angenehmer Duft, der Lust auf den ersten Schluck macht.
Der Antrunk bringt eine angenehme Malzsüße mit. Gleichzeitig ist ordentlich Kohlensäure vorhanden, sodass das Bier schön spritzig wirkt. Schwer oder breit wird es jedenfalls nicht. Im weiteren Verlauf übernehmen die würzigen Noten das Kommando. Die Bittere hält sich zunächst noch etwas zurück, spielt dann aber eine wichtige Rolle. Sie unterstützt die Würzigkeit und sorgt dafür, dass das Bier nicht einfach nur süßlich-malzig daherkommt. Das Mundgefühl bleibt dabei angenehm schlank. Genau das macht das Landbier ziemlich unkompliziert. Man muss sich nicht lange mit ihm beschäftigen, sondern kann einfach den nächsten Schluck nehmen. Zum Abgang wird es trockener. Jetzt kommt auch die Bittere deutlicher zum Vorschein und bleibt eine ganze Weile erhalten. Für ein ansonsten eher schlankes Bier ist der Nachklang damit erstaunlich lang.
Das Wunderbräu Landbier ist in meinen Augen ein angenehmes Bier, das sich geradezu für eine ordentliche Brotzeit anbietet. Malzsüße, Würze und Bittere sind gut aufeinander abgestimmt, die Kohlensäure sorgt für Frische und das schlanke Mundgefühl macht es angenehm trinkbar.
Allerdings fehlt mir ein bisschen der Überraschungseffekt. Das Bier macht nichts falsch, aber es hat auch keine Ecken und Kanten. Es ist gefällig, unkompliziert und süffig – aber eben kein Bier, über das ich nach dem letzten Schluck noch lange nachdenken muss. Für eine Brotzeit würde ich es trotzdem gerne wieder ins Glas bekommen. Manchmal muss ein Bier schließlich auch einfach nur schmecken.