Hitze setzt deutschem Hopfen zu: Ernte 2026 deutlich unter Vorjahr erwartet
Die deutschen Hopfenpflanzer müssen sich 2026 auf eine deutlich kleinere Ernte einstellen. Hitze und Trockenheit haben den Pflanzen in praktisch allen Anbaugebieten zugesetzt. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit in einem der kleinsten und ungewöhnlichsten deutschen Hopfenanbaugebiete: Im rheinland-pfälzischen Holsthum rechnet der einzige Hopfenbauer des Bundeslandes mit erheblichen Einbußen beim Bitburger Siegelhopfen.
Andreas Dick baut in der Südeifel auf rund 15 Hektar Hopfen an. Nach knapp 900 Zentnern im vergangenen Jahr erwartet er diesmal lediglich 500 bis 600 Zentner. Dick hofft, dass der Rückgang letztlich auf etwa 30 Prozent begrenzt werden kann.
Ursache sind vor allem die hohen Temperaturen des Sommers. Nach Angaben des Hopfenbauern hat der Bestand erhebliche Hitzeschäden erlitten. Während der ersten Hitzeperiode Ende Juni waren die Pflanzen noch nicht vollständig in die Höhe gewachsen. Bei Temperaturen zwischen 38 und 40 Grad wurden Wachstumsspitzen geschädigt, sodass sich die Pflanzen anschließend nicht mehr vollständig entwickeln konnten.
Die Auswirkungen waren allerdings nicht überall gleich. Bestände im Schatten angrenzender Waldflächen hätten nahezu keine Ertragseinbußen gezeigt. Für Dick ist deshalb die Beschattung ein Ansatz, um die Hopfengärten künftig besser gegen extreme Hitze zu schützen. Denkbar seien beispielsweise schnell wachsende Bäume rund um die Anbaufläche.
Regen kommt für den Bitburger Siegelhopfen gerade noch rechtzeitig
Etwas Hoffnung machen die Niederschläge und niedrigeren Temperaturen der vergangenen Tage. Sie können die bereits entstandenen Schäden zwar nicht rückgängig machen, wirken sich nach Einschätzung Dicks aber noch positiv auf Doldengröße und Qualität aus.
Die Ernte soll voraussichtlich am 7. September beginnen und damit etwas später als ursprünglich geplant.
Für die Bitburger-Brauerei ist das Ergebnis unmittelbar von Bedeutung. Die komplette Ernte aus Holsthum wird von diesem Unternehmen abgenommen und als Bitburger Siegelhopfen verwendet. Das Pils der Brauerei wird mit einer Kombination aus Hopfen aus der Hallertau und dem regional angebauten Siegelhopfen gebraut.
Die kleine Anbaufläche in Holsthum nimmt innerhalb des deutschen Hopfenbaus eine Sonderstellung ein. Sie gilt als nördlichstes Hopfenanbaugebiet Deutschlands.
Deutschlandweit rund 22 Prozent weniger Hopfen erwartet
Auch die offizielle Ernteschätzung für Deutschland fällt deutlich schwächer aus als das Ergebnis des vergangenen Jahres. Ende August gingen die Experten von einer bundesweiten Erntemenge aus, die rund 22 Prozent unter der tatsächlich eingebrachten Ernte von 2025 liegen würde.
Allerdings ist dieser Vergleich nur teilweise auf das Wetter zurückzuführen. Die deutschen Hopfenpflanzer haben bereits vor der Saison ihre Anbaufläche deutlich verkleinert. 2026 werden noch knapp 17.900 Hektar bewirtschaftet – rund 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Flächenreduzierung ist eine Reaktion auf die schwierige Situation des weltweiten Hopfenmarktes. Sinkender Bierabsatz, hohe Lagerbestände und ein Überangebot haben in den vergangenen Jahren erheblichen wirtschaftlichen Druck auf die Pflanzer ausgeübt. Zur bewusst reduzierten Fläche kommt in diesem Jahr nun eine witterungsbedingt unterdurchschnittliche Ernte.
Hallertau: Hitze trifft das wichtigste deutsche Anbaugebiet
Besonders entscheidend für das deutsche Gesamtergebnis ist die Hallertau. Das bayerische Anbaugebiet ist mit Abstand die bedeutendste Hopfenregion Deutschlands und das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt.
Auch dort rechnen die Pflanzer mit einer deutlich kleineren Ernte als 2025. Nach der aktuellen Schätzung dürfte die Erntemenge in der Hallertau etwa ein Fünftel unter dem sehr guten Ergebnis des Vorjahres liegen.
Ein Teil des Rückgangs ist auch hier auf die verkleinerte Anbaufläche zurückzuführen. In der Hallertau werden 2026 rund 5,8 Prozent weniger Flächen bewirtschaftet als im vergangenen Jahr.
Hinzu kamen schwierige Wetterbedingungen. Ende Juli herrschten in den deutschen Anbaugebieten hohe Temperaturen, gleichzeitig verschärfte sich das Niederschlagsdefizit. Je nach Standort und Bodenbeschaffenheit entwickelten sich die Bestände deshalb unterschiedlich.
Die zweite Augusthälfte brachte gemäßigtere Temperaturen und kühlere Nächte. Für bereits durch Hitze und Wassermangel beeinträchtigte Pflanzen kam die Wetteränderung allerdings teilweise zu spät.
Neben der Erntemenge richtet sich der Blick nun auf die Inhaltsstoffe. Die Alphawerte dürften bei einigen Sorten unterdurchschnittlich ausfallen. Die enthaltenen Alphasäuren sind für Brauereien von besonderer Bedeutung, da sie wesentlich zur Bittere des Bieres beitragen.
Elbe-Saale: Trockenheit und sogar Spätfrost
Auch das zweitgrößte deutsche Anbaugebiet Elbe-Saale erwartet eine unterdurchschnittliche Ernte. Das Gebiet erstreckt sich über Teile Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens.
Hier kamen gleich mehrere ungünstige Faktoren zusammen. Neben Hitze und Trockenheit hatten die Pflanzen noch im Mai mit Nachtfrösten zu kämpfen. Der Austrieb zog sich dadurch ungewöhnlich lange hin. Später verhinderten hohe Temperaturen und fehlender Niederschlag eine optimale Entwicklung der Dolden. Der Geschäftsführer des Hopfenpflanzerverbandes Elbe-Saale, Andreas Kunze, rechnet deshalb mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Ernte.
Im Vergleich zum Vorjahresergebnis dürfte die Erntemenge nach der aktuellen Schätzung um etwa 20 Prozent zurückgehen.
Auch die Anbaufläche wurde reduziert. Gegenüber 2025 verschwanden rund 180 Hektar beziehungsweise ungefähr zehn Prozent der Hopfenfläche.
Für späte Sorten könnte der Regen der vergangenen Wochen noch etwas helfen. Neben der Menge bereiten den Pflanzern allerdings auch hier die Inhaltsstoffe Sorgen. Insbesondere bei den für die Bitterwirkung wichtigen Alphasäuren könnten die Werte niedriger ausfallen.
Die Ernte soll in Elbe-Saale nicht vor dem 7. September beginnen und dürfte etwa drei Wochen dauern.
Tettnang kommt etwas besser durch den schwierigen Sommer
Etwas weniger dramatisch stellt sich die Lage am Bodensee dar. Im Anbaugebiet Tettnang rechnen die Hopfenpflanzer derzeit mit einer rund 15 Prozent kleineren Ernte als im vergangenen Jahr. Auch dort waren ein ausgesprochen trockenes Frühjahr und zahlreiche Hitzetage die entscheidenden Belastungsfaktoren. Besonders ab der Blüte hemmten fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen Entwicklung und Abreife der Pflanzen.
Trotzdem präsentieren sich die Bestände nach Angaben des Hopfenpflanzerverbandes Tettnang insgesamt gesund. Teilweise nahm die Vitalität gegen Ende der Vegetationsperiode jedoch ab.
Dass Tettnang etwas besser abschneidet als andere Anbaugebiete, bedeutet deshalb nicht, dass die Region vom schwierigen Hopfenjahr verschont geblieben wäre. Das erwartete Minus von rund 15 Prozent ist auch dort erheblich.
Für die Region ist zudem nicht allein die Menge entscheidend. Tettnang ist international vor allem für seine feinen Aromahopfen bekannt. Entsprechend wichtig wird sein, welche sensorische Qualität die Dolden nach der Ernte tatsächlich erreichen.
Spalt erwartet rund 17 Prozent weniger Hopfen
Auch im fränkischen Anbaugebiet Spalt zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort fällt die aktuelle Ernteschätzung rund 17 Prozent niedriger aus als die Schätzung des vergangenen Jahres. Fehlende Niederschläge während der Vegetationsperiode und anhaltende Hitze hemmten das Wachstum. Besonders die Ausbildung der Dolden wurde beeinträchtigt. Die Schätzer befürchten, dass ein Teil der Doldenansätze nicht mehr vollständig ausreifen kann.
Immerhin hatte das trockene Wetter auch einen positiven Nebeneffekt: Der Krankheits- und Schädlingsdruck blieb gering. Die Bestände präsentieren sich deshalb äußerlich gesund und lassen eine gute äußere Qualität erwarten.
Auch in Spalt könnten die zuletzt gefallenen Niederschläge die Doldenbildung noch etwas verbessern.
Weniger Fläche trifft auf schwächere Erträge
Damit ergibt sich wenige Wochen vor Abschluss der Ernte in allen großen deutschen Anbaugebieten ein ähnliches Grundmuster: Die Hopfenfläche wurde aus wirtschaftlichen Gründen bewusst reduziert, gleichzeitig drückt das Wetter die Erträge der verbliebenen Flächen.
Bundesweit liegt die aktuelle Ernteschätzung etwa 22 Prozent unter dem Ergebnis von 2025. In der Hallertau bewegt sich das erwartete Minus ungefähr in einer ähnlichen Größenordnung. Elbe-Saale dürfte etwa 20 Prozent verlieren, Spalt rund 17 Prozent und Tettnang etwa 15 Prozent. Beim Bitburger Siegelhopfen in Holsthum könnten die Einbußen sogar rund 30 Prozent erreichen.
Diese Werte sind allerdings ausdrücklich noch keine Erntebilanz. Die Ernte läuft beziehungsweise steht in einzelnen Regionen erst unmittelbar bevor. Wetter, Erntezeitpunkt, Doldengewicht und Inhaltsstoffe können das endgültige Ergebnis noch beeinflussen. Erst nach Abschluss der Arbeiten wird sich deshalb zeigen, wie groß die Verluste tatsächlich sind.
Qualität wird mindestens so wichtig wie die Erntemenge
Für Brauereien ist ohnehin nicht allein die Zahl der geernteten Tonnen entscheidend. Mindestens ebenso wichtig sind die Inhaltsstoffe des Hopfens.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Alphasäuren. Fallen deren Werte niedrig aus, wird für die gleiche Bitterwirkung eine größere Hopfenmenge benötigt. Bei Aromahopfen kommen die für das jeweilige Aromaprofil wichtigen ätherischen Öle hinzu.
Die Ernte 2026 wird deshalb erst nach den Laboranalysen abschließend bewertet werden können.
Schon jetzt zeigt sich jedoch, dass der deutsche Hopfenbau vor einer ungewöhnlichen Kombination von Problemen steht: Ein schwacher Biermarkt und hohe Lagerbestände zwingen die Branche zur Reduzierung der Produktion, während Hitze und Trockenheit gleichzeitig die Erträge drücken.
Für Andreas Dick in der Südeifel kommt noch eine weitere Frage hinzu. Die Tatsache, dass beschattete Pflanzen den Extremsommer wesentlich besser überstanden haben, könnte Konsequenzen für die Gestaltung seiner Hopfengärten haben.
Das kleine Anbaugebiet des Bitburger Siegelhopfens zeigt damit im Maßstab von nur 15 Hektar eine Herausforderung, die auch die großen Hopfenregionen beschäftigt: Wie lässt sich der Hopfenanbau an heißere und trockenere Sommer anpassen?