Kapittel Watou Winter

Jetzt steht das Kapittel Watou Winter aus der Brouwerij van Eecke vor mir. Diese unabhängige Familienbrauerei wurde im Jahr 1629 erstmals urkundlich erwähnt, als geschrieben wurde, dass die örtliche Burg an eine Brauerei angrenzt.

Während der Französischen Revolution verbrannten die plündernden französischen Truppen das Schloss und die Brauerei. Die Adelsfamilie entkam der Guillotine, indem sie nach England flüchtete. Die Burg wurde nicht wiederaufgebaut, aber die Brauerei wurde im selben Jahr unter dem Motto „Zerstöre alles, was du willst, aber wir brauchen hier noch Bier“ wieder aufgebaut. Die Brauerei erhielt den Namen „In de Gouden Leeuw“ (Im Goldenen Löwen), ein französisches Wortspiel. Viele Landgasthöfe in Frankreich tragen den Namen „Au Lion d’Or“ (im Goldenen Löwen), aber die Aussprache ist genau die gleiche wie bei „au lit on dort“ (im Bett schläft man). Die Brauerei in Watou hatte natürlich auch eine eigene Kneipe und bot Platz für Reisende.

Durch Heirat wurde die Familie Van Eecke 1862 zum Braumeister der Brauerei und braute dort ein Landbier. Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Brauerei nur eine lokale Bedeutung. Erst als in den 1960er Jahren die authentischen lokalen Biere populär wurden, kamen die Biere der Brauerei in ganz Belgien und Nordfrankreich in den Handel und die Gastronomie. Watou ist heute eine der drei verbliebenden Städte in Belgien mit drei Brauereien. Neben der Brasserie van Eecke, existieren in Watou auch die beiden unabhängigen Familienbrauereien St. Bernard und De Bie.

Die Brasserie van Eecke bezieht ihr Wasser aus einem eigenen Brunnen unter der Brauerei. Die ursprüngliche Wasserschicht beginnt aufgrund der Umweltverschmutzung zu bestimmten Zeiten im Jahr Probleme zu bereiten, so dass neue und tiefere Bohrungen bis zu 600 Meter Tiefe geplant sind. Das Malz wird im benachbarten Nordfrankreich gekauft (die Grenze ist nur 5 Minuten entfernt), und der Hopfen wird vor Ort gekauft. Watou gehört zur Stadt Poperinge, dem letzten noch verbliebenen Gebiet Belgiens, in dem Hopfen auf örtlichen Bauernhöfen angebaut wird, und das schon seit Jahrhunderten. Die Brauerei verwendet ausschließlich eigene Hefeschnüre, die im eigenen Labor kultiviert werden. Dieselbe Hefe wird nur sieben Generationen lang verwendet. Dann beginnen sie mit aus dem Original frisch gezüchteten Hefen.

Hommel ist das lokale Wort für Hopfen. Hopfen war bis weit in die 1950er Jahre hinein die Hauptindustrie für Poperinge. Das Schuljahr begann in Poperinge erst im Oktober, denn alle, auch die Kinder, mussten vorher den Hopfen ernten. Kommen wir jetzt aber zum Bier.

Dunkel kastanienbraun ist das Kapittel Winter. Der Schaum ist recht grobporig und er fällt schnell in sich zusammen. Das finde ich schade, da auf diese Weise die Optik doch kräftig nachlässt.

Das Bier duftet nach Keksteig und Vanille, nach Schokolade mit einem Hauch Kirschen und unterstützt durch Düfte von Kreuzkümmel, Lakritz und Koriander. Die drei Kräuter gibt die Brauerei im Internet an, in der Zutatenliste auf der Flasche findet sich davon aber nichts.

Der Antrunk ist so süß, dass selbst die reichlich vorhandene und sehr feinperlige Kohlensäure keine Frische hervorzaubern kann. Das Bier macht eher einen schweren und warmen Eindruck. Schnell gesellt sich noch eine leichte Säure zur Süße, die eine angenehme Fruchtigkeit erzeugt. Im Abgang zieht sich die Süße zurück, die Säure bleibt erhalten. Beim Hopfen war die Brauerei wohl ziemlich geizig, denn die Bitterstoffe verstecken sich geschickt.

Dieses Bier kann man durchaus mögen, muss man aber nicht. Mein Fall ist es nur bedingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,8 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij van Eecke
Douvieweg 2
8978 Poperinge
Belgien
www.watou.com

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