Während sich die Mälzereibranche in Europa neu aufstellt, baut der französische Malzhersteller Malteurop seine Präsenz in China aus. Das Unternehmen hat die Mälzerei Chunlei Malting Co. in der ostchinesischen Provinz Jiangsu übernommen. Der Standort nahe der Stadt Yancheng verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 220.000 Tonnen Malz. Mit dem Zukauf will Malteurop seine Position auf dem chinesischen Markt stärken und zugleich die Versorgung von Kunden in weiteren asiatischen Ländern und auf internationalen Exportmärkten ausbauen.
Die Übernahme wurde bereits im Sommer 2026 abgeschlossen. Öffentlich bekannt gegeben und offiziell gefeiert wurde sie am 23. Oktober im Rahmen einer Einweihungsveranstaltung in Yancheng. Anwesend waren unter anderem Vertreter der chinesischen Regionalbehörden sowie der französischen Behörden, Kunden, Geschäftspartner und Beschäftigte der beteiligten Unternehmen. Über den Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.
Zweiter Produktionsstandort in China
Mit Chunlei erweitert Malteurop sein bestehendes Netzwerk in China. Das Unternehmen ist dort seit rund 30 Jahren vertreten und betreibt bereits eine Mälzerei in Baoding in der Provinz Hebei, südwestlich von Peking. Der neue Standort liegt in Jiangsu, rund 300 Kilometer nördlich von Shanghai. Die Nähe zu wichtigen Exportinfrastrukturen soll dabei helfen, Kunden in China und auf internationalen Märkten effizient zu beliefern.
Die zusätzliche Anlage verfügt über eine Kapazität von 220.000 Tonnen Malz pro Jahr. Nach Unternehmensangaben reicht diese Menge rechnerisch aus, um Malz für rund zwei Milliarden Liter Bier herzustellen. Dabei handelt es sich um eine Umrechnung der Produktionskapazität, nicht um eine Aussage darüber, wie viel Bier tatsächlich gebraut wird.
Für Malteurop ist die Übernahme ein bedeutender Schritt in einem der wichtigsten Märkte der internationalen Brauwirtschaft. China zählt zu den großen Bierproduzenten und zugleich zu den bedeutenden Exporteuren von Malz. Für die Malzherstellung importiert das Land allerdings auch große Mengen Gerste als Rohstoff. Damit ist der Markt sowohl von der heimischen Braunachfrage als auch von internationalen Warenströmen abhängig.
VIVESCIA setzt auf langfristiges Wachstum
Malteurop gehört zur französischen Agrargenossenschaft VIVESCIA und bildet deren Geschäftsbereich für die Malzproduktion. VIVESCIA erwirtschaftet nach eigenen Angaben rund drei Milliarden Euro Umsatz und vereint landwirtschaftliche Aktivitäten sowie Unternehmen entlang verschiedener Getreide- und Lebensmittelwertschöpfungsketten. Die Genossenschaft zählt etwa 9.000 landwirtschaftliche Mitglieder im Nordosten Frankreichs.
Malteurop selbst gehört zu den weltweit größten Malzherstellern. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitarbeiter und betreibt 20 Mälzereien in 14 Ländern auf vier Kontinenten. Die globale Produktionskapazität liegt bei mehr als zwei Millionen Tonnen Malz jährlich. Mit dem Kauf von Chunlei stärkt Malteurop daher nicht nur seine Präsenz in China, sondern erweitert auch sein internationales Produktionsnetzwerk.
VIVESCIA-Gruppenchef Christoph Büren bezeichnete die Übernahme als langfristiges Engagement in China und als Beitrag zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und China in der Getreidewirtschaft. Geschäftsführer Guillaume Mothe erklärte, Malteurop wolle seine internationale Expertise mit dem Wissen lokaler Partner verbinden, um eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Plattform für Kunden in China, Asien und auf weiteren Exportmärkten aufzubauen.
Die Übernahme passt zur Strategie des Konzerns, seine Präsenz in wichtigen Absatzregionen auszubauen. Laut VIVESCIA könnten weitere Investitionen folgen, um die Produktionskapazität künftig zusätzlich zu erhöhen. Konkrete Vorhaben oder Zeitpläne dafür wurden allerdings nicht genannt.
Malzproduktion mit Biomasse und erneuerbarer Energie
Ein weiterer Aspekt der Übernahme ist die Energieversorgung des Standorts. Nach Angaben von VIVESCIA kombiniert die Mälzerei Wärme aus lokal bezogener Biomasse mit erneuerbarem Strom aus Wind- und Solaranlagen. Als Biomasse kommt vor allem Reisstroh zum Einsatz. Batteriespeicher unterstützen die Stromversorgung.
Damit soll die Anlage eine vergleichsweise kohlenstoffarme Produktion ermöglichen. Gerade bei der Malzherstellung spielt Energie eine wichtige Rolle: Beim Keimen und Darren der Gerste müssen Temperatur und Feuchtigkeit präzise gesteuert werden. Vor allem der Darrenprozess benötigt Wärme und kann je nach Energieträger einen erheblichen Teil des CO₂-Fußabdrucks des Malzes verursachen.
Die Nutzung regionaler Reststoffe wie Reisstroh kann dabei helfen, fossile Energieträger zu ersetzen. Wie hoch die tatsächlichen CO₂-Einsparungen der Chunlei-Anlage ausfallen, hat VIVESCIA in der Mitteilung allerdings nicht beziffert. Eine konkrete Bewertung der Klimabilanz ist deshalb anhand der bisher veröffentlichten Angaben nicht möglich.
Gegenläufige Entwicklung zu Europa
Die Übernahme ist auch vor dem Hintergrund der jüngsten Veränderungen im europäischen Mälzereimarkt interessant. Während in Deutschland und Belgien Produktionsstandorte geschlossen oder Verlagerungen angekündigt wurden, investiert Malteurop in zusätzliche Kapazitäten in China. Daraus lässt sich allerdings nicht unmittelbar ableiten, dass Malzproduktion generell aus Europa nach Asien abwandert. Die Übernahme dient nach Unternehmensangaben vor allem dazu, den chinesischen Markt und weitere Exportmärkte besser zu bedienen.
Der Fall zeigt vielmehr, dass sich die wirtschaftlichen Perspektiven einzelner Standorte je nach Region und Kundennähe deutlich unterscheiden können. Für international tätige Hersteller ist es wichtig, dort zu produzieren, wo sie ihre Kunden zuverlässig und wettbewerbsfähig beliefern können. Eine zusätzliche Anlage in China eröffnet Malteurop die Möglichkeit, stärker auf die Anforderungen lokaler Brauereien einzugehen und zugleich Exportgeschäfte von einem Standort mit günstiger logistischer Anbindung aus zu bedienen.
Ob weitere Investitionen folgen, bleibt abzuwarten. Für die internationale Malzbranche ist die Übernahme aber ein klares Signal: Trotz des Drucks auf einzelne Märkte setzen große Hersteller weiterhin auf Wachstum – insbesondere dort, wo sie langfristiges Potenzial für Bierproduktion und Malzexporte sehen.
Quellen: Offizielle Mitteilung von VIVESCIA · Reuters-Bericht vom 23. Oktober 2026