Die Krise der europäischen Bierbranche macht auch vor den Mälzereien nicht halt. In Deutschland wurden innerhalb kurzer Zeit mehrere Produktionsstandorte geschlossen, nun folgen weitere Einschnitte in Belgien und Süddeutschland. Die traditionsreiche Mälzerei hinter der Spezialmalzmarke Castle Malting will ihre Produktion in Belgien einstellen und nach Frankreich verlagern. Die schwäbische Warthausener Malz beendet ihre Malzherstellung zum Jahresende. Hinter den Entscheidungen stehen unterschiedliche Gründe, doch sie verweisen auf gemeinsame Herausforderungen: sinkende Nachfrage, hoher Kostendruck, notwendige Investitionen und strukturelle Veränderungen auf den Absatzmärkten.
Castle Malting verlässt den historischen Produktionsstandort
Die belgische Mälzerei in Beloeil gehört zu den traditionsreichsten Betrieben des Landes. Seit 1868 wird dort Malz hergestellt. Besonders bekannt ist das Unternehmen unter der Marke Castle Malting, deren Sortiment zahlreiche Basis- und Spezialmalze umfasst. Die Produkte werden international vertrieben und kommen sowohl bei Brauereien als auch bei Brennereien zum Einsatz.
Ende 2026 soll die Produktion in Beloeil eingestellt werden. Betroffen sind nach den vorliegenden Berichten rund 35 Arbeitsplätze an den Standorten Beloeil und Ghlin. Die französische Soufflet-Malt-Gruppe, zu der das Unternehmen gehört, begründet den Schritt mit erheblichen Investitionen, die für die Fortführung und Modernisierung der Produktion notwendig wären.
Dabei handelt es sich nicht um das Ende der Marke Castle Malting. Die Herstellung der Produkte soll künftig in französischen Werken der Gruppe erfolgen. Soufflet Malt verspricht, Rezepturen, technische Spezifikationen und Qualitätsstandards beizubehalten. Auch die Versorgung der Kunden soll ohne Unterbrechung weitergehen.
Die Entscheidung ist dennoch ein Einschnitt für die belgische Brauwirtschaft. Der Standort war auf Spezialmalze ausgerichtet und belieferte zahlreiche Kunden im In- und Ausland. Für regionale Brauereien bedeutet der Wechsel, dass ein bislang regional angesiedelter Lieferant künftig durch andere Produktionsstandorte ersetzt wird.
Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens war zuletzt schwierig. Nach einem Nettogewinn von rund 16,6 Millionen Euro im Jahr 2023 sank das Ergebnis 2024 auf etwa 2,1 Millionen Euro. 2025 wurde schließlich ein Verlust von rund 2,1 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz ging im selben Jahr um ungefähr zehn Prozent auf 26,4 Millionen Euro zurück. Wie stark die wirtschaftlichen Kennzahlen neben dem Investitionsbedarf für die Entscheidung ausschlaggebend waren, ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Warthausener Malz stellt die Produktion ein
Auch in Süddeutschland verschwindet ein traditionsreicher Produktionsstandort. Warthausener Malz will die Malzherstellung zum Ende des Jahres 2026 einstellen. Die Geschichte des Betriebs reicht bis ins Jahr 1837 zurück. Seit 1989 wurde die Mälzerei von den Familien Fritz und Scharfe geführt und kontinuierlich modernisiert.
Warthausen ist Teil des Verbunds SchwabenMalz, zu dem außerdem die Malzfabrik Ludwig Zimmermann in Laupheim-Baustetten und FäserMalz in Giengen an der Brenz gehören. Die drei selbstständigen Familienbetriebe bündeln ihre Aktivitäten, um unterschiedliche Kunden und Anforderungen bedienen zu können.
Warthausener Malz hat sich unter anderem auf Weizenmalz, die sortenreine Verarbeitung ausgewählter Gerste und kundenspezifische Spezialmalzmischungen spezialisiert. Auch kleinere Liefermengen, etwa in 50-Kilogramm-Säcken, gehören zum Angebot.
Als Gründe für die Einstellung der Produktion werden schwierige Marktbedingungen und die fehlende Nachfolge innerhalb der Eigentümerfamilie genannt. Die Schließung lässt sich damit nicht allein auf den rückläufigen Bierabsatz zurückführen. Vielmehr treffen wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf die besonderen Herausforderungen eines traditionsreichen Familienbetriebs.
Die bisherigen Produktionsmengen sollen von den beiden verbleibenden SchwabenMalz-Unternehmen übernommen werden. Der Verbund bleibt also bestehen, verliert aber einen seiner drei Produktionsstandorte. Für die Kunden ist entscheidend, ob die verbleibenden Werke die bisherigen Mengen und Spezialitäten dauerhaft in vergleichbarer Qualität bereitstellen können.
Mehrere deutsche Mälzereien bereits geschlossen
Die aktuellen Fälle stehen in einer Reihe von Werksschließungen, die den deutschen Markt bereits verändert haben. Die französische Soufflet-Malt-Gruppe hat ihre deutsche Malzproduktion mit den Schließungen ihrer verbliebenen Standorte von Durst Malz beendet. Auch die Mälzerei in Salzgitter, die im Zusammenhang mit Boortmalt und Cargill betrieben wurde, stellte ihre Produktion ein. Hinzu kamen unter anderem die Schließung des BestMalz-Standorts in Wallertheim und das Ende der Malzproduktion bei Malteurop in Heidenau im Frühjahr 2026.
Nach einer Branchenübersicht von inside.beer summieren sich die bereits erfolgten Schließungen und Kapazitätsreduzierungen auf rund 350.000 Tonnen jährliche Mälzereikapazität. Das entspricht etwa 17 Prozent der zuvor verfügbaren Kapazität in Deutschland. Die genaue Einordnung hängt davon ab, welche Anlagen und Kapazitäten in die Berechnung einbezogen werden.
Ein weiterer möglicher Einschnitt wäre die Schließung von Crisp Malt in Hamburg-Eidelstedt. Darüber wurde Anfang Oktober unter Berufung auf Brancheninformationen berichtet. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens lag zum Zeitpunkt der Recherche jedoch nicht vor. Der Fall sollte deshalb nicht als bereits beschlossene Schließung gewertet werden.
Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre das ein erheblicher zusätzlicher Verlust an Kapazität. Der Standort verfügt über eine nominelle Jahreskapazität von ungefähr 110.000 Tonnen. Allerdings ist zwischen der theoretischen Kapazität einer Anlage und ihrer tatsächlichen Produktion zu unterscheiden: Wenn ein Werk nicht ausgelastet ist, fällt die reale Veränderung der verfügbaren Marktmenge geringer aus als die nominelle Kapazität vermuten lässt.
Sinkender Bierabsatz trifft die Mälzereien
Ein wesentlicher Hintergrund der Entwicklung ist der rückläufige Bierabsatz. Wenn Brauereien weniger Bier produzieren, benötigen sie entsprechend weniger Malz. Gleichzeitig sind die Produktionskosten vieler Mälzereien hoch. Energie, Personal, Transport und die Instandhaltung technischer Anlagen belasten die Wirtschaftlichkeit.
Mälzereien sind kapitalintensive Betriebe. Die Verarbeitung von Braugerste zu Malz erfordert Anlagen, die hohe Temperaturen und einen erheblichen Energieeinsatz benötigen. Gleichzeitig müssen die Betriebe auf gleichbleibende Qualität achten, denn die Eigenschaften des Malzes beeinflussen unter anderem Sudhausausbeute, Gärung, Farbe und Geschmack des späteren Bieres.
Wenn die Nachfrage sinkt und die Anlagen nicht mehr ausreichend ausgelastet sind, verteilen sich die Fixkosten auf weniger produzierte Tonnen. Das kann die Stückkosten erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern. Für international tätige Konzerne liegt es dann nahe, die Produktion auf weniger, dafür größere oder kostengünstigere Standorte zu konzentrieren.
Die Entscheidungen der Unternehmen folgen allerdings nicht alle demselben Muster. Bei großen Konzernen spielen die Auslastung des gesamten Produktionsnetzwerks und die Rendite einzelner Standorte eine wichtige Rolle. Bei familiengeführten Mälzereien können dagegen Nachfolgefragen, begrenzte finanzielle Spielräume oder anstehende Investitionen ausschlaggebend sein. Die Schließung eines Werks ist deshalb nicht automatisch ein Beleg dafür, dass der gesamte Betrieb wirtschaftlich gescheitert ist.
Auch die Whiskyindustrie beeinflusst den Malzmarkt
Der Absatz von Malz hängt nicht ausschließlich von der Bierproduktion ab. Mälzereien beliefern auch die Spirituosenindustrie, insbesondere die Whiskyherstellung. Gerade für schottische Destillerien wird ein erheblicher Teil des benötigten Gerstenmalzes in spezialisierten Mälzereien produziert.
Die Whiskybranche hat nach Jahren des Wachstums mit hohen Lagerbeständen und einer schwächeren Nachfrage zu kämpfen. Destillerien passen deshalb ihre Produktion an. Das wirkt sich auf die Nachfrage nach Malz aus und belastet Anlagen, die stark auf diesen Absatzmarkt ausgerichtet sind.
Der Fall Crisp Malt verdeutlicht, wie internationale Entwicklungen auf einzelne Standorte durchschlagen können: Die Hamburger Mälzerei soll nach Branchenberichten in erheblichem Umfang Malz für den schottischen Whiskysektor produziert haben. Ob und in welcher Form es zu einer Schließung kommt, ist bislang allerdings nicht bestätigt.
Damit wird deutlich, dass die Auslastung einer Mälzerei nicht nur von der Entwicklung des heimischen Biermarkts abhängt. Auch Veränderungen in der internationalen Spirituosenindustrie, Handelsströme und Transportkosten können die Wirtschaftlichkeit eines Standorts beeinflussen.
Konzentration bedeutet nicht automatisch Malzmangel
Die Schließung einzelner Werke führt nicht zwangsläufig zu Engpässen bei der Versorgung der Brauereien. Produktionsmengen können auf andere Anlagen übertragen werden, sofern diese über ausreichende Kapazitäten verfügen und die benötigten Malztypen herstellen können. Genau darauf setzt Soufflet Malt bei der Verlagerung der Castle-Malting-Produktion nach Frankreich. Auch bei SchwabenMalz sollen die verbleibenden Werke die bisherigen Mengen aus Warthausen übernehmen.
Allerdings ist Malz nicht in jedem Fall beliebig austauschbar. Spezialmalze, besondere Rohstoffqualitäten und kundenspezifische Mischungen können auf bestimmte Herstellungsverfahren oder Anlagen abgestimmt sein. Für kleinere Brauereien kann außerdem die Möglichkeit wichtig sein, vergleichsweise kleine Mengen zu beziehen. Ob die verbleibenden Standorte solche Anforderungen dauerhaft erfüllen können, muss sich in der Praxis zeigen.
Die Entwicklung ist deshalb weniger als unmittelbare Versorgungskrise zu verstehen, sondern als struktureller Wandel der Branche. Produktionskapazitäten verschwinden, werden verlagert oder konzentriert. Gleichzeitig müssen Mälzereien ihre Anlagen wirtschaftlich auslasten und sich auf veränderte Absatzmärkte einstellen.
Eine Branche im strukturellen Wandel
Die Fälle Castle Malting und Warthausener Malz zeigen, wie unterschiedlich der Anpassungsdruck auf Mälzereien ausfallen kann. In Belgien bleibt die Marke bestehen, während die Produktion in ein anderes Land verlagert wird. In Schwaben endet die Herstellung an einem traditionsreichen Standort, während der Unternehmensverbund weiterarbeitet. Zusammen mit den bereits erfolgten Schließungen in Deutschland ergibt sich das Bild einer Branche, die ihre Produktionsstrukturen an eine veränderte Nachfrage anpassen muss.
Wie weit diese Entwicklung noch reicht, ist offen. Der Rückgang des Bierabsatzes, hohe Kosten und die schwächere Nachfrage aus Teilen der Spirituosenindustrie sprechen dafür, dass der Druck auf die Mälzereien anhält. Gleichzeitig bleibt Malz ein unverzichtbarer Rohstoff für Bier und zahlreiche Spirituosen. Entscheidend wird daher sein, welche Standorte künftig ausreichend ausgelastet sind, Investitionen stemmen können und die Anforderungen ihrer Kunden zuverlässig erfüllen.
Für Brauereien bedeutet die Entwicklung, dass sie ihre Lieferketten und Bezugsquellen im Blick behalten müssen. Für die Mälzereien selbst geht es um mehr als die Frage, welche Fabrik weiterproduziert: Sie müssen ihre Position in einem Markt behaupten, in dem sinkende Nachfrage und hohe Fixkosten zunehmend aufeinanderprallen.