Tschechien gehört zu den traditionsreichsten Biernationen Europas. Doch die Zutaten für seine bekannten Lagerbiere geraten zunehmend unter Druck. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen des Sommers 2026 haben sowohl die Hopfenernte als auch den Anbau von Braugerste beeinträchtigt. Besonders betroffen ist der für tschechisches Bier wichtige Saazer Hopfen: Seine Erträge liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, zugleich sind die Alpha-Werte ungewöhnlich niedrig. Auch bei der Braugerste gibt es Qualitätsprobleme.
Saazer Hopfen besonders stark betroffen
Nach Angaben des tschechischen Hopfenbauernverbands wird die diesjährige Hopfenernte voraussichtlich rund 5.300 Tonnen erreichen. Das wären etwa 20 bis 25 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Die wichtigste Sorte des Landes, Saaz, ist besonders betroffen. Für sie meldet der Hopfenhändler BarthHaas einen durchschnittlichen Ertrag von rund 925 Kilogramm je Hektar. Damit liegt die Erntemenge je Fläche etwa 23 Prozent unter dem langjährigen Mittel.
Verantwortlich dafür sind die Witterungsbedingungen während der Vegetationsperiode. Bereits im Winter fehlte es vielerorts an Niederschlag. Im März und April setzte sich die Trockenheit fort, bevor Ende Juni Rekordtemperaturen und eine weitere längere Hitzephase zum Übergang von Juli auf August die Pflanzen zusätzlich belasteten.
Die Folgen zeigen sich nicht nur bei der Menge. Auch der Gehalt an Alpha-Säuren ist ungewöhnlich niedrig. Diese Inhaltsstoffe sind entscheidend für das Bitterpotenzial des Hopfens und damit für die Berechnung der Hopfengaben beim Brauen. Nach Angaben des tschechischen Hopfenbauernverbands deuten die ersten Analysen darauf hin, dass die Alpha-Werte des Saazer Hopfens zu den niedrigsten der dokumentierten Geschichte gehören könnten.
Für die Hopfenpflanzer bedeutet die Kombination aus geringeren Erträgen und niedrigen Alpha-Werten einen wirtschaftlichen Rückschlag. Gleichzeitig sind die Kosten für Dünger, Treibstoff und Arbeitskräfte gestiegen. Da ein großer Teil der Hopfenverkäufe über längerfristige Verträge abgewickelt wird, lassen sich die Auswirkungen einer schwachen Ernte nicht ohne Weiteres über kurzfristige Preisanpassungen auffangen.
Auch die Braugerste leidet unter der Trockenheit
Die Probleme beschränken sich nicht auf den Hopfen. Auch die tschechische Braugerste ist von den Witterungsextremen betroffen. Nach einem Bericht von Expats.cz weist die diesjährige Ernte teilweise höhere Eiweißgehalte auf, als Brauereien idealerweise benötigen. Ein hoher Eiweißanteil bedeutet grundsätzlich, dass weniger Stärke im Korn enthalten sein kann. Das kann die Menge an vergärbarem Extrakt verringern, die beim Mälzen und Brauen gewonnen wird.
Hinzu kommt, dass die Anbaufläche für Gerste langfristig zurückgeht. Nach Angaben der tschechischen Agrarkammer wurde die Kultur 2026 auf ungefähr 288.000 Hektar angebaut – rund 40.000 Hektar weniger als noch vor zehn Jahren.
Allerdings ist zwischen Erntemenge und Brauqualität zu unterscheiden. Eine kleinere Ernte bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte verfügbare Gerste für die Mälzerei ungeeignet wäre. Entscheidend sind die jeweiligen Qualitätsparameter und die Eignung der einzelnen Partien für die Malzherstellung.
Keine unmittelbare Versorgungslücke erwartet
Trotz der schwierigen Ernte rechnen die tschechischen Branchenvertreter derzeit nicht mit einer akuten Unterversorgung der Brauereien. Beim Hopfen können Lagerbestände aus früheren Jahren helfen, die geringere Ernte auszugleichen. Auch bei den übrigen Braurohstoffen sehen die Experten bislang keine unmittelbare Gefahr für die Bierproduktion.
Zudem können Mälzereien und Brauereien auf Schwankungen bei der Rohstoffqualität reagieren. Durch angepasste Verarbeitung und Rezepturen lassen sich Unterschiede teilweise ausgleichen. Das bedeutet allerdings zusätzlichen Aufwand und beseitigt nicht die wirtschaftlichen Probleme der landwirtschaftlichen Betriebe.
Für Biertrinker gibt es daher vorerst keinen Anlass, eine unmittelbare Knappheit tschechischer Biere zu erwarten. Die diesjährige Ernte zeigt jedoch, wie eng die Herstellung hochwertiger Rohstoffe mit den Wetterbedingungen verbunden ist.
Bewässerung und widerstandsfähige Sorten werden wichtiger
Die schwierige Saison verschärft die Diskussion darüber, wie sich der Hopfenanbau an häufigere Hitze- und Trockenperioden anpassen kann. In Tschechien verfügen nach Angaben des Hopfenpflanzerverbands rund 25 Prozent der Hopfenflächen über eine Bewässerungsinfrastruktur. Doch selbst vorhandene Anlagen helfen nur begrenzt, wenn Wasser knapp ist oder die Entnahme aus Flüssen eingeschränkt werden muss.
Die Branche setzt deshalb auch auf die Züchtung widerstandsfähigerer Sorten. Am Hopfenforschungsinstitut in Žatec wird daran gearbeitet, Hopfenpflanzen besser gegen Trockenheit und hohe Temperaturen zu wappnen. Dabei geht es auch darum, die Eigenschaften traditioneller Sorten wie Saaz möglichst zu bewahren.
Darüber hinaus plant die tschechische Regierung nach Angaben von Radio Prague International Investitionen in die Forschung und in die Wasserversorgung der Hopfenanbaugebiete. Vorgesehen sind unter anderem neue Speicherbecken, deren Fertigstellung allerdings erst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erwartet wird.
Ein Problem für die gesamte europäische Bierbranche
Die Entwicklung in Tschechien steht nicht allein. Auch andere europäische Hopfenanbaugebiete verzeichneten 2026 deutliche Ertragseinbußen. Der deutsche Hopfenhändler BarthHaas beschreibt die diesjährige Saison insgesamt als außergewöhnlich schwieriges Jahr für den europäischen Hopfenanbau. Neben Tschechien sind demnach unter anderem Slowenien und Polen von niedrigeren Erträgen und unterdurchschnittlichen Alpha-Werten betroffen.
Damit wächst der Anpassungsdruck entlang der gesamten Lieferkette – von den landwirtschaftlichen Betrieben über Mälzereien und Hopfenhändler bis zu den Brauereien. Die Ernte 2026 führt vor Augen, dass selbst traditionsreiche Anbauregionen nicht vor den Folgen extremer Witterung geschützt sind. Noch ist die Versorgung mit Hopfen und Braugerste gesichert. Sollten sich solche Wetterlagen jedoch häufen, werden widerstandsfähigere Sorten, eine bessere Wasserversorgung und eine flexible Rohstoffplanung für die Bierbranche weiter an Bedeutung gewinnen.
Quellen:
· Tschechischer Hopfenbauernverband: Ernte und Alpha-Werte 2026 – Angaben des Branchenverbands zu Wetter, Ertrag und Bewässerung.
· BarthHaas: Hop Update September 2026 – Ertragsschätzung für Tschechien und Vergleich mit weiteren europäischen Anbaugebieten.
· Expats.cz: Is Czech beer at risk? – ergänzende Informationen zu Braugerste und zur Einschätzung der Versorgungslage.