Der Hopfen aus dem österreichischen Mühlviertel überzeugt auch 2026 durch seine hohe Qualität. Bei der jährlichen Bonitierung wurden 98,6 Prozent der geernteten Menge in die höchste Qualitätsklasse eingestuft. Gleichzeitig mussten die Hopfenbauern eines der schwierigsten Anbaujahre der vergangenen Jahrzehnte bewältigen: Spätfrost, extreme Trockenheit und Sommerhitze ließen die Ernte auf 193 Tonnen schrumpfen. Auch die für das Bitterpotenzial des Hopfens entscheidenden Alpha-Werte gingen deutlich zurück.
98,6 Prozent erreichen Qualitätsklasse 1
Die jährliche Hopfenbonitierung liefert wichtige Informationen über die Qualität der Ernte. Eine unabhängige Kommission beurteilt die Hopfenchargen unter anderem nach Aussehen, Reifegrad, Gesundheit der Dolden und Verarbeitung. Für die Brauereien ist die Bewertung ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Auswahl ihrer Rohstoffe.
Im Mühlviertel fiel das Ergebnis 2026 trotz der schwierigen Witterung bemerkenswert gut aus: 98,6 Prozent des geernteten Hopfens erhielten die Qualitätsklasse 1. Damit bestätigten die regionalen Hopfenbauern erneut ihre Fähigkeit, hochwertige Rohstoffe für die Bierproduktion zu erzeugen – selbst unter außergewöhnlich ungünstigen Bedingungen.
Nur 193 Tonnen Hopfen geerntet
Bei der Erntemenge zeigt sich allerdings ein deutlich anderes Bild. Nach Angaben der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft wurden 2026 lediglich 193 Tonnen Hopfen eingebracht. Im Vorjahr waren es noch rund 302 Tonnen gewesen. Die diesjährige Menge liegt damit rund 36 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nur 2015 sei die Ernte noch geringer ausgefallen.
Die Ursachen reichen bis ins Frühjahr zurück. Spätfröste beeinträchtigten zunächst die Entwicklung der Pflanzen. Anschließend folgte das trockenste Frühjahr seit 169 Jahren. Ein heißer und niederschlagsarmer Sommer verschärfte die Situation zusätzlich.
Dabei sahen die Bestände zunächst vielerorts vielversprechend aus. „Mitte Juli sahen die Bestände vielerorts noch vielversprechend aus. Die anhaltende Hitze in den entscheidenden Wochen führte jedoch dazu, dass sich die Dolden nicht mehr optimal entwickeln konnten“, berichtet die Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft.
Die Pflanzen bildeten zwar zahlreiche Dolden aus, doch diese blieben aufgrund der anhaltenden Hitze teilweise zu klein. Der Aufwand für Pflege und Bewirtschaftung fiel weiterhin an, während die Erntemenge deutlich zurückging. In einzelnen Fällen war der Anbau wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll: Erstmals wurden rund 1,5 Hektar Hopfenfläche überhaupt nicht abgeerntet.
Alpha-Werte sinken um bis zu 50 Prozent
Neben den Ertragsverlusten macht den Hopfenbauern die Entwicklung der Alpha-Säuren zu schaffen. Ihr Gehalt bestimmt maßgeblich das Bitterpotenzial des Hopfens und spielt damit eine wichtige Rolle für die Rezeptur und Herstellung von Bier.
Je nach Sorte lagen die Alpha-Werte 2026 um 30 bis 50 Prozent unter den langjährigen Durchschnittswerten. Für die Brauereien ist das eine zusätzliche Herausforderung, denn neben der verfügbaren Hopfenmenge ist auch der Alpha-Gehalt für die Planung des Rohstoffeinsatzes relevant.
Die Kombination aus geringerer Ernte und niedrigeren Alpha-Werten zeigt, wie stark sich extreme Witterungsbedingungen auf den Hopfenanbau auswirken können. Eine hohe Qualitätsbewertung der geernteten Dolden bedeutet deshalb nicht, dass auch die Erntemenge oder die Inhaltsstoffwerte auf einem üblichen Niveau liegen.
Hopfenanbau muss sich an den Klimawandel anpassen
Die Erfahrungen des Jahres 2026 verstärken den Druck, den Hopfenanbau langfristig widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit zu machen. Nach Angaben der Genossenschaft reagierten ältere Sorten und langjährig bestehende Anlagen besonders empfindlich auf den Hitzestress. Neuere Sorten hätten sich dagegen widerstandsfähiger gezeigt.
Eine Konsequenz daraus ist der geplante stärkere Ausbau der Aromasorte Akoya. Darüber hinaus rückt die Bewässerung in den Mittelpunkt. Derzeit werden im Mühlviertel lediglich rund 20 Prozent der Hopfenflächen künstlich bewässert. Moderne Bewässerungssysteme könnten künftig dazu beitragen, die Versorgung der Pflanzen in längeren Trockenperioden besser abzusichern. Entsprechende Investitionen werden damit für die Zukunft des regionalen Hopfenbaus wichtiger.
Versorgung der Brauereien bleibt gesichert
Trotz der schwachen Ernte müssen österreichische Brauereien vorerst keine Versorgungslücke beim Mühlviertler Hopfen befürchten. Lagerbestände aus früheren Erntejahren sollen dazu beitragen, die geringere aktuelle Produktion auszugleichen.
Die Hopfenbaugenossenschaft umfasst insgesamt 38 Mitglieder mit einer Anbaufläche von 173 Hektar. Davon entfallen 33 Betriebe mit zusammen 160 Hektar auf das Mühlviertel. Fünf weitere Betriebe bewirtschaften im Waldviertel insgesamt 13 Hektar. Neun Betriebe im Mühlviertel bauen Hopfen auf 32 Hektar kontrolliert biologisch an. Damit stammen rund 20 Prozent des Mühlviertler Hopfens aus biologischem Anbau.
Die Ernte 2026 verdeutlicht somit zwei Entwicklungen: Die Hopfenbauern können auch unter widrigen Bedingungen eine außergewöhnlich hohe Qualität erzielen. Zugleich werden die wirtschaftlichen Risiken durch zunehmende Wetterextreme immer deutlicher. Wie widerstandsfähig der Hopfenanbau künftig sein wird, hängt daher nicht allein von der Arbeit auf den Feldern ab, sondern auch von der Wahl geeigneter Sorten und der Anpassung der Anbaubedingungen.
Weitere Informationenfinden Sie unter Hopfenbaugenossenschaft eGen.