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Einbecker und Bergbräu: Zwei Brauereien, zwei Wege durch die Krise – Bierzirkus

Einbecker und Bergbräu: Zwei Brauereien, zwei Wege durch die Krise

Einbecker rechnet trotz schwieriger Marktlage mit einem kleinen Gewinn, Bergbräu beendet nach 158 Jahren den Braubetrieb. Zwei Entwicklungen aus dem Landkreis Northeim.

Es sind nur wenige Kilometer Luftlinie, doch die Nachrichten, die in diesen Tagen aus dem Landkreis Northeim in Südniedersachsen kommen, könnten kaum unterschiedlicher sein. Während das Einbecker Brauhaus seine Ergebnisprognose für 2026 überraschend nach oben korrigiert hat und inzwischen mit einem ausgeglichenen bis leicht positiven Ergebnis rechnet, endet in Uslar eine 158-jährige Brautradition.

Die Brauerei Bergbräu hat am 30. September ihren Braubetrieb eingestellt. Damit ist die Produktion in der traditionsreichen Uslarer Brauerei zunächst Geschichte. Gleichzeitig gibt es zumindest noch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Bereits im September war von einem Interessenten die Rede, der eine Übernahme der Bierproduktion und der Marke prüft.

Die beiden Entwicklungen zeigen sehr eindrücklich, wie unterschiedlich Brauereien auf denselben schwierigen Markt reagieren können.

Einbecker überrascht mit kleiner Kehrtwende

Beginnen wir mit der positiven Nachricht. Das Einbecker Brauhaus hatte im Juni noch mit einem negativen Ergebnis für das Geschäftsjahr 2026 gerechnet. Erwartet wurde ein Verlust im unteren bis mittleren sechsstelligen Bereich.

Ende September änderte sich die Einschätzung deutlich. Nach einem besser als erwarteten ersten Halbjahr geht das Unternehmen nun von einem ausgeglichenen bis leicht positiven Jahresergebnis im unteren sechsstelligen Bereich aus. Dabei ist bemerkenswert, dass diese Verbesserung nicht mit steigenden Absatzmengen einhergeht.

Auch Einbecker bekommt die schwierige Situation auf dem deutschen Biermarkt zu spüren. Der Gesamtabsatz der Brauerei lag im ersten Halbjahr 2026 um 4,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Umsatzerlöse gingen ebenfalls um 4,6 Prozent auf 16,564 Millionen Euro zurück. Trotzdem erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Überschuss von rund 60.000 Euro. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von 854.000 Euro in den Büchern gestanden.

Der Grund liegt unter anderem in der veränderten Kostenstruktur. Der Materialaufwand ging überproportional zurück, während die im vierten Quartal 2025 gestarteten Transformationsmaßnahmen zunehmend kostensenkend wirkten. Einbecker verkauft also nicht plötzlich mehr Bier. Das Unternehmen versucht vielmehr, mit weniger Absatz wirtschaftlich besser zurechtzukommen.

Die Brauerei verändert ihren Kurs

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Das Einbecker Brauhaus hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Veränderungsprozess eingeleitet. 2025 musste das Unternehmen einen Fehlbetrag von rund 1,7 Millionen Euro verkraften. Rund 700.000 Euro davon entfielen auf Restrukturierungsmaßnahmen.

Gleichzeitig war der Absatz der Eigenmarken um rund acht Prozent zurückgegangen. Einschließlich des Lohnproduktionsgeschäfts lag das Minus sogar bei 8,6 Prozent. Die Reaktion bestand unter anderem darin, sich von Geschäften zu trennen, die nicht mehr kostendeckend waren, Kosten zu reduzieren und das Sortiment weiterzuentwickeln.

Auch alkoholfreie Produkte spielen dabei eine Rolle. Einbecker hat beispielsweise sein alkoholfreies Bockbier „Null Bock“ zusätzlich in der Dose auf den Markt gebracht. Damit reagiert die Brauerei auf einen der wenigen Bereiche des Biermarktes, die weiterhin wachsen. Alkoholfreies Bier hat in Deutschland inzwischen einen erheblichen Marktanteil erreicht. Die Einbecker Brauhaus AG nennt für 2025 rund elf Prozent.

Ob die Strategie langfristig aufgeht, ist noch offen. Aber zumindest die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Umbau bislang besser läuft als noch im Sommer erwartet.

Wenige Kilometer weiter endet eine Brauereigeschichte

Ganz anders ist die Situation in Uslar. Dort hat die Bergbräu GmbH & Co. KG am 30. September nach 158 Jahren ihren Braubetrieb eingestellt.

Die Geschichte der Brauerei reicht bis ins Jahr 1868 zurück. Damals gründeten Friedrich Wilhelm Haffner und sein Geschäftspartner Fetköter die Brauerei Haffner. Gebraut wurde zunächst in einem Gebäude an der Graft. Der Betrieb entwickelte sich schnell. Bereits 1873 zog die Brauerei an die Rosenstraße, wo ein Lagerkeller und ein Eiskeller errichtet wurden. 1887 folgte dort ein neues Brauhaus. Damit war der Standort für viele Jahrzehnte eng mit der Uslarer Stadtgeschichte verbunden.

Die heutige Bergbräu ist damit nicht einfach irgendeine mittelständische Brauerei, die nach einigen Jahren vom Markt verschwindet. Sie steht am Ende einer Entwicklung, deren Wurzeln weit in das 19. Jahrhundert zurückreichen.

Vom Familienbetrieb zur Bergbräu

Über lange Zeit blieb die Brauerei in Familienhand. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie den schwierigen Nachkriegsjahren wurde das Unternehmen über mehrere Generationen von der Familie Haffner geführt. 1978 übernahm Hinrich Haffner die Leitung.

Auch technisch entwickelte sich die Brauerei weiter. 1989 entstand ein neues Sudhaus, mit dem die Kapazität auf 50.000 Hektoliter verdoppelt wurde. Anfang der 1990er-Jahre folgten weitere Investitionen, unter anderem in die Abfüllung und die Produktionsanlagen. Doch die Zeiten großer Produktionsmengen sollten nicht dauerhaft zurückkehren.

2013 wechselte die Brauerei nach 145 Jahren Familienbesitz den Eigentümer. Aus der Privatbrauerei Haffner wurde später die Bergbräu GmbH & Co. KG.

Ein weiterer großer Schritt folgte 2022: Die Produktion wurde vollständig von der Rosenstraße an den neueren Standort an der Haffnerstraße verlagert. Damit sollten unter anderem Energiekosten gespart und innerbetriebliche Wege verkürzt werden. Es war ein Versuch, den traditionsreichen Betrieb technisch und wirtschaftlich für die Zukunft aufzustellen.

Eine Brauerei mit regionalem Sortiment

Bergbräu war dabei nie eine Marke mit überregionalem Anspruch. Das Kerngebiet der Brauerei lag in Südniedersachsen und Nordhessen. Die Biere waren in Gaststätten und im regionalen Getränkehandel zu finden, aber auch bei großen Handelsketten.

Zum Sortiment gehörten unter anderem Pils, Hefeweizen, Altstadt Dunkel, Sollinger Landbier Hell, Malzbier sowie saisonale Bockbiere. Mit dem Altstadt Dunkel besaß die Brauerei außerdem ein Bier, das eng mit der Geschichte Uslars verbunden war.

Gerade solche regionalen Marken haben für kleine Brauereien eine besondere Bedeutung. Sie können nicht mit den Werbebudgets großer Konzerne konkurrieren. Ihre Stärke liegt vielmehr in der Verbindung zwischen Produkt, Ort und Menschen. Bei Bergbräu war diese Verbindung besonders eng.

Das Logo der Brauerei trägt das Uslarsche Stadtwappen. Nach Angaben des NDR war Bergbräu das einzige Unternehmen, dem die Stadt diese Verwendung gestattet hatte. Damit wurde aus der Brauerei weit mehr als ein Produktionsbetrieb.

„Ein Stück Uslar“

Als im Juli die Liquidation angekündigt wurde, beschrieb die Geschäftsführung Bergbräu selbst als einen Ort der Begegnung und einen festen Bestandteil der regionalen Identität. Auch Uslars Bürgermeister Torsten Bauer bezeichnete die Schließung als schweren Schlag für die Stadt. Die wirtschaftlichen Gründe sind allerdings nüchtern.

Anhaltend hoher Preisdruck, gestiegene Kosten für Rohstoffe, Verpackungen, Energie und Personal sowie der rückläufige Bierabsatz machten nach Angaben der Geschäftsführung einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb unmöglich.

Beim Genussscheintag im September erklärte Bergbräu-Gesellschafter Andreas Papp außerdem, dass sich die Energiekosten verdoppelt hätten. Zusammen mit dem schrumpfenden Absatz habe dadurch das Geld für eine Fortführung des Betriebs gefehlt.

Genau hier wird sichtbar, wie die allgemeine Krise der deutschen Brauwirtschaft bei einem kleinen regionalen Betrieb ankommt. Es reicht nicht, ein gutes Bier zu brauen. Eine Brauerei muss ihre Anlagen betreiben, Energie bezahlen, Personal beschäftigen, Flaschen und Verpackungen finanzieren und gleichzeitig gegen den Preiswettbewerb im Handel bestehen. Wenn die verkauften Mengen zurückgehen, wird diese Rechnung irgendwann schwierig.

Nach 158 Jahren ist trotzdem noch nicht jede Hoffnung verschwunden

Ganz endgültig ist die Geschichte allerdings noch nicht. Bereits Mitte September berichtete die HNA über einen Interessenten, der prüft, ob er die Bierproduktion und die Marke Bergbräu in Uslar übernehmen könnte. Die Geschäftsleitung bestätigte damals, dass die Liquidation unabhängig davon weitergeführt werde. Der Name des Interessenten wurde wegen einer Vertraulichkeitsvereinbarung nicht genannt. Die Prüfung sollte mehrere Wochen dauern.

Das bedeutet: Mit dem Ende des Braubetriebs am 30. September ist die bisherige Produktion zunächst beendet. Ob daraus auch das endgültige Ende der Marke und des Braustandorts wird, stand zuletzt noch nicht abschließend fest. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Die Nachricht lautet deshalb nicht zwingend „Bergbräu ist endgültig verschwunden“. Sicher ist zunächst: Nach 158 Jahren wird dort nicht mehr wie bisher gebraut.

Zwei Brauereien, ein schwieriger Markt

Und damit sind wir wieder bei Einbecker.

Die beiden Brauereien trennen nur wenige Kilometer, ihre aktuelle Situation könnte aber kaum unterschiedlicher sein.

Einbecker kämpft ebenfalls mit sinkendem Absatz, Preisdruck und einem veränderten Konsumverhalten. Die Brauerei musste 2025 einen erheblichen Verlust verkraften und hat darauf mit einem tiefgreifenden Umbau reagiert.

Bergbräu stand vor denselben grundsätzlichen Problemen, verfügte aber offenbar nicht mehr über die wirtschaftlichen Möglichkeiten, den Betrieb dauerhaft weiterzuführen.

Einbecker hat sich damit zumindest vorerst etwas Luft verschafft. Bergbräu hat am 30. September den Braubetrieb eingestellt.

Das bedeutet nicht, dass Einbecker damit automatisch auf der sicheren Seite wäre. Auch dort bleibt der Markt schwierig. Für das zweite Halbjahr erwartet das Unternehmen weiterhin ein leicht negatives bis ausgeglichenes Ergebnis. Erst am Jahresende wird sich zeigen, ob die Prognose eines kleinen Gewinns tatsächlich erreicht wird. Aber genau darin liegt der interessante Unterschied.

Das Ende einer Brauerei ist nicht das Ende der Bierkultur

Die Geschichte von Bergbräu zeigt zugleich, was beim aktuellen Brauereisterben verloren geht. Wenn eine Produktionsstätte schließt, verschwindet nicht nur ein Unternehmen. Es verschwinden Arbeitsplätze, regionale Vertriebsstrukturen, Wissen und ein Stück lokaler Geschichte.

Bei Bergbräu endet eine Brautradition, die 1868 mit Friedrich Wilhelm Haffner begann und über mehr als anderthalb Jahrhunderte hinweg verschiedene Generationen, Eigentümer und technische Veränderungen überstanden hat.

Gleichzeitig zeigt Einbecker, dass Tradition und wirtschaftliche Anpassung kein Widerspruch sein müssen. Das Brauhaus versucht, seine Marke und seine Bierkompetenz zu erhalten und sich gleichzeitig auf einen Markt einzustellen, in dem alkoholfreie Produkte, veränderte Konsumgewohnheiten und ein hoher Preisdruck eine immer größere Rolle spielen.

Ob dieser Weg erfolgreich sein wird, ist noch nicht entschieden.

Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus den beiden Geschichten: Das Brauereisterben folgt keinem einfachen Muster. Manche Betriebe finden einen Weg, ihre Strukturen an den veränderten Markt anzupassen. Andere schaffen diesen Wandel nicht.

In Uslar endet deshalb nach 158 Jahren zunächst eine Brautradition. In Einbeck beginnt dagegen der Versuch, eine ähnlich lange Tradition durch einen tiefgreifenden Wandel zu führen.

Zwei Brauereien, zwei Wege – und beide erzählen viel darüber, wie schwierig die Zukunft des deutschen Bieres geworden ist.

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