Vom 6. bis 9. September 2026 trifft sich die europäische Brauwirtschaft in Rotterdam zum European Brewery Convention Congress (EBC Congress). Die Veranstaltung gilt seit Jahrzehnten als eines der bedeutendsten Foren für wissenschaftliche und technische Fragen rund um das Brauen. Im Vorfeld des diesjährigen Kongresses macht der langjährige EBC-Funktionär John Brauer allerdings auf eine Entwicklung aufmerksam, die Fragen über die Veränderungen innerhalb der Branche aufwirft.

Nach seiner Beobachtung ist die Beteiligung großer internationaler Brauereikonzerne an den Veranstaltungen der European Brewery Convention im Laufe der Jahre zurückgegangen. Waren Vertreter der großen Brauereigruppen früher regelmäßig und zahlreich präsent, seien sie inzwischen deutlich seltener anzutreffen.

EBC Congress als Treffpunkt von Wissenschaft und Brauwirtschaft

Der EBC Congress dient traditionell dem Austausch zwischen Brauereien, Zulieferern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Brautechnologie, Rohstoffforschung, Mikrobiologie oder Qualitätsmanagement treffen dort auf praktische Erfahrungen aus den Betrieben.

Gerade dieser Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg gehörte lange zu den Stärken der European Brewery Convention. Forschungsergebnisse und technische Entwicklungen konnten diskutiert und Kontakte zwischen Wissenschaft und Brauwirtschaft geknüpft werden.

Umso bemerkenswerter ist die von Brauer beschriebene rückläufige Präsenz der großen internationalen Brauereigruppen.

Verlagert sich der Wissensaustausch?

Über die Ursachen lässt sich aus Brauers Beobachtung allein noch keine eindeutige Aussage ableiten. Denkbar ist jedoch, dass sich Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei den großen Konzernen zunehmend in unternehmenseigene Strukturen verlagert hat. Internationale Brauereigruppen verfügen heute teilweise über eigene Forschungsabteilungen, Innovationszentren und interne Netzwerke, über die Wissen innerhalb des Konzerns ausgetauscht werden kann.

Auch die Zahl spezialisierter Konferenzen und anderer Veranstaltungsformate hat zugenommen. Für Unternehmen stellt sich deshalb stärker als früher die Frage, welche Veranstaltungen für die eigenen Forschungs- und Entwicklungsziele besonders relevant sind.

Ob diese Faktoren tatsächlich für die geringere Beteiligung verantwortlich sind, lässt sich aus der Feststellung Brauers allerdings nicht ableiten. Seine Beobachtung liefert vielmehr einen interessanten Ausgangspunkt für die Frage, wie sich der wissenschaftlich-technische Austausch innerhalb der internationalen Brauwirtschaft verändert hat.

Welche Rolle spielen unabhängige Plattformen künftig?

Damit berührt die Entwicklung zugleich eine grundsätzliche Frage: Welche Bedeutung werden branchenweite und unabhängige Plattformen wie die European Brewery Convention künftig für den Wissenstransfer besitzen?

Gerade die Begegnung von großen und kleinen Brauereien, Wissenschaftlern, Rohstofflieferanten und Anlagenherstellern kann einen Austausch ermöglichen, der innerhalb geschlossener Unternehmensstrukturen kaum in gleicher Weise stattfindet. Neue Erkenntnisse werden diskutiert, unterschiedliche Erfahrungen miteinander verglichen und Entwicklungen für einen größeren Teil der Branche zugänglich.

Der EBC Congress in Rotterdam dürfte deshalb nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Beiträge interessant werden. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmer zeigt, wie sich die europäische Brauwirtschaft und ihr Umgang mit Forschung, Innovation und Wissenstransfer verändern.

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