Belgien gilt weltweit als Bierland. Doch auch dort kämpfen die Brauereien mit sinkendem Konsum und schwächeren Exporten. Zwar gewinnen alkoholfreie Biere zunehmend an Bedeutung, insgesamt befindet sich der Markt jedoch weiterhin im Rückwärtsgang.
Wie aus dem aktuellen Jahresbericht des belgischen Brauerverbandes hervorgeht, sank der Bierkonsum im Inland 2025 um 3,2 Prozent auf 6,2 Millionen Hektoliter. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort: In den vergangenen 20 Jahren ist der Bierkonsum in Belgien um 34 Prozent zurückgegangen, allein in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent.
Weniger Bier in Gastronomie und Handel
Die rückläufige Nachfrage betrifft nahezu alle Absatzkanäle. Besonders deutlich fiel der Rückgang in der Gastronomie aus, wo Cafés und Restaurants 4,1 Prozent weniger Bier verkauften als im Vorjahr. Im Groß- und Einzelhandel lag das Minus bei 2,6 Prozent.
Für viele Brauereien kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Steigende Kosten, ein verändertes Konsumverhalten und eine allgemein zurückhaltende Wirtschaftslage belasten die Branche zusätzlich.
Export schwächelt ebenfalls
Traditionell ist Belgien stark vom Bierexport abhängig. Doch auch hier zeigen die Zahlen nach unten. Im Jahr 2025 wurden 14,4 Millionen Hektoliter belgisches Bier exportiert. Besonders deutlich brach die Nachfrage außerhalb der Europäischen Union ein.
Die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder gingen um 14 Prozent auf 1,8 Millionen Hektoliter zurück. Nach Einschätzung des Brauerverbandes spielen dabei geopolitische Unsicherheiten eine wichtige Rolle. Märkte wie die USA, China und Russland bestellen weniger belgisches Bier als noch vor wenigen Jahren.
Besonders auffällig ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Dort haben sich die Importmengen belgischen Bieres innerhalb von fünf Jahren drastisch reduziert. 2025 wurden nur noch 183.000 Hektoliter eingeführt. Ein Grund dafür ist die zunehmende lokale Produktion international bekannter belgischer Marken auf dem amerikanischen Markt.
Innerhalb der Europäischen Union verlief die Entwicklung weniger dramatisch. Die Importmengen belgischen Bieres sanken dort um 3,4 Prozent. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Spanien: Das Land steigerte seine Einfuhren um zehn Prozent auf 2,2 Millionen Hektoliter und zählt damit weiterhin zu den wichtigsten Absatzmärkten.
Alkoholfreie Biere auf Wachstumskurs
Trotz der insgesamt schwierigen Lage gibt es für die belgischen Brauer auch positive Nachrichten. Besonders stark wächst weiterhin das Segment alkoholfreier Biere.
Die Verkaufsmenge von Bieren mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol stieg 2025 um beeindruckende 32 Prozent. Zusammen mit den schwach alkoholischen Bieren bis 3,5 Prozent erreichte dieses Marktsegment ein Wachstum von 17 Prozent und hält inzwischen einen Marktanteil von 6,5 Prozent.
Von den rund 1.600 verschiedenen belgischen Bieren sind mittlerweile etwa 120 alkoholfrei. Die Brauereien investieren verstärkt in die Entwicklung neuer alkoholfreier Produkte und reagieren damit auf veränderte Verbraucherwünsche.
Diskussion um neue Warnhinweise
Kritisch sehen die belgischen Brauer hingegen geplante Änderungen bei den gesundheitlichen Warnhinweisen auf alkoholischen Getränken. Ein Entwurf eines Königlichen Erlasses sieht vor, den bisherigen Hinweis „Alkoholmissbrauch schadet der Gesundheit“ durch die Formulierung „Alkohol schadet der Gesundheit“ zu ersetzen.
Der Brauerverband befürchtet, dass damit nicht mehr der Missbrauch von Alkohol, sondern bereits der maßvolle Konsum pauschal negativ dargestellt werde. Die Diskussion zeigt, dass die gesellschaftliche Debatte über Alkohol und Gesundheit auch in Belgien an Bedeutung gewinnt.
Trotz Schwierigkeiten wird weiter investiert
Obwohl mehrere Brauereien in den vergangenen Monaten ihren Betrieb einstellen mussten, zählt Belgien weiterhin 395 aktive Brauereien. Bemerkenswert ist dabei die hohe Investitionsbereitschaft der Branche.
2025 investierten die Brauereien insgesamt 213 Millionen Euro – deutlich mehr als die 178 Millionen Euro des Vorjahres. Ein Großteil der Mittel floss in Nachhaltigkeitsprojekte zur Reduzierung von Wasser- und Energieverbrauch sowie in Innovationen, insbesondere bei alkoholfreien und entalkoholisierten Bieren.
Der belgische Biersektor bleibt damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und trägt weiterhin rund ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.
Zehn Jahre UNESCO-Anerkennung
Trotz aller Herausforderungen gibt es 2026 auch einen Grund zum Feiern. Die belgische Bierkultur wurde vor zehn Jahren von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Dieses Jubiläum soll mit verschiedenen Veranstaltungen gewürdigt werden. Einer der Höhepunkte wird das Belgian Beer Weekend Anfang September auf dem Brüsseler Grand-Place sein, bei dem die Vielfalt der belgischen Bierkultur erneut im Mittelpunkt steht.