
Wenn ich ein Bier aus Belgien vor mir stehen habe, erwarte ich eigentlich schon etwas Besonderes. Bei einem Quadrupel erst recht. Und wenn dieses Bier dann auch noch aus der Achelse Kluis stammt, kommt eine ziemlich bewegte Geschichte dazu.
Die Geschichte der De Achelse Kluis im belgischen Hamont-Achel reicht bis ins Jahr 1656 zurück. 1846 ließen sich dort Trappisten aus Westmalle nieder, 1871 wurde die Gemeinschaft zur Abtei erhoben. Bier wurde in Achel nachweislich bereits ab 1850 gebraut. Nach einem zwischenzeitlichen Ende der Brautradition und der Demontage der Brauanlage im Ersten Weltkrieg wurde erst 1998 wieder Bier gebraut. Lange Zeit war Achel eine der bekannten belgischen Trappistenbrauereien. Doch 2020 verließen die letzten beiden Mönche die Abtei. Damit war auch die Voraussetzung für das Siegel „Authentic Trappist Product“ nicht mehr gegeben. Heute wird in der Achelse Kluis weiterhin Bier gebraut, allerdings als Achel-Abteibier und nicht mehr als Trappistenbier.
Und genau so ein Bier steht jetzt vor mir: das Achel Quadrupel Dark. Zeit also, die Geschichte einmal beiseitezuschieben und zu schauen, was im Glas passiert.
Schon beim Einschenken fällt die dunkle braune Farbe auf. Das Bier ist gefiltert und bildet zunächst eine überraschend große beige Schaumkrone. Die verschwindet zwar relativ schnell, aber ganz verabschieden möchte sich der Schaum dann doch nicht. Ein Rest bleibt erstaunlich lange auf dem Bier stehen.
Beim ersten Riechen wird sofort klar, wohin die Reise geht. Dunkle Schokolade und Karamell steigen aus dem Glas. Dazu kommt eine ganz leichte rauchige Note. Nicht so stark, dass ich sofort an ein Rauchbier denken würde, sondern eher ein kleiner Akzent im Hintergrund, der dem Aroma etwas mehr Tiefe gibt.
Der erste Schluck fällt süß und gleichzeitig spritzig aus. Eine interessante Kombination, denn eigentlich könnte man bei einem dunklen Quadrupel dieser Art einen eher schweren und wuchtigen Antrunk erwarten. Das Achel Quadrupel Dark macht aber zunächst einen deutlich lebendigeren Eindruck. Die Süße bleibt auch im weiteren Verlauf erhalten. Jetzt kommen Röstaromen und wieder die dunkle Schokolade zum Tragen. Der Geschmack wird intensiver, ohne dass das Bier dadurch unangenehm schwer wird. Im Gegenteil: Das Mundgefühl ist angenehm sämig, aber das Quadrupel bleibt trotzdem erstaunlich gut zugänglich. Je länger ich es im Mund habe, desto mehr entdecke ich. Neben der Schokolade und den Röstaromen zeigen sich würzige Noten, die gut zur dunklen Grundausrichtung passen. Das Bier wirkt dadurch nicht eindimensional süß, sondern bekommt immer wieder neue kleine Akzente. Und dann ist da natürlich der Alkohol. Bei einem Quadrupel gehört er einfach dazu. Hier gefällt mir besonders, wie gut er eingebunden ist. Ich nehme ihn durchaus wahr, aber er schiebt sich nicht unangenehm in den Vordergrund. Stattdessen sorgt er eher dafür, dass das Bier mit zunehmender Verkostung immer etwas wärmer und kräftiger wirkt. Im Abgang passiert dann noch einmal etwas anderes. Die Süße ist weiterhin da, bekommt aber kurz Gesellschaft von einer fruchtigen Säure. Danach kommt die Wärme des Alkohols stärker zum Vorschein. Vor allem aber bleibt die dunkle Schokolade lange erhalten. Genau das gefällt mir an diesem Abgang: Das Bier verabschiedet sich nicht einfach, sondern hinterlässt noch eine ganze Weile seinen Geschmack.
Das Achel Quadrupel Dark ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie abwechslungsreich ein dunkles belgisches Starkbier sein kann. Natürlich bringt es die erwartbare Süße und ordentlich Geschmack mit. Dazu kommen aber Röstaromen, dunkle Schokolade, Karamell und würzige Noten, die immer wieder neue Eindrücke liefern.
Besonders gelungen finde ich die Balance. Das Bier ist intensiv und sämig, aber nicht schwer. Es ist süß, aber nicht ausschließlich süß. Und obwohl der Alkohol spürbar ist und im Abgang für eine angenehme Wärme sorgt, wirkt er sehr gut eingebunden. Am Ende bleibt vor allem die dunkle Schokolade lange im Gedächtnis. Für mich ist das Achel Quadrupel Dark damit ein kräftiges, charaktervolles Abteibier, bei dem sich ein genauer Blick ins Glas und ein wenig Zeit für die Verkostung durchaus lohnen.
Alkoholgehalt:
9,5 % Vol.
Farbe:
30 EBC
Brauerei:
De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be