World Beer Seal 2026: Solnice 12 gewinnt höchste Auszeichnung

Der 36. Internationale Bierfestival in Litoměřice hat seinen öffentlichen Höhepunkt erlebt. Am 15. August konnten Besucher auf dem Tyršovo-Platz Biere und Spezialitäten verschiedener Brauereien verkosten und mit deren Vertretern ins Gespräch kommen. Die wichtigsten Entscheidungen des angeschlossenen Bierwettbewerbs waren allerdings bereits einige Monate zuvor gefallen: Vom 2. bis 6. März hatten Fachjuroren auf dem Messegelände Zahrada Čech die eingereichten Biere bewertet.

Die Dimensionen des Wettbewerbs können sich sehen lassen. Insgesamt gingen 1.089 Proben von 169 Brauereien ins Rennen, darunter zwölf ausländische Betriebe. Bewertet wurde in 41 Kategorien. Nach Angaben der Veranstalter waren täglich rund 70 Fachverkoster im Einsatz, wobei die Zusammensetzung der einzelnen Jurys regelmäßig wechselte. Die Verkostungen standen zudem unter der fachlichen Aufsicht unabhängiger Zertifizierungsorganisationen.

Aus den erfolgreichen Bieren der einzelnen Kategorien wurden anschließend die Finalisten für die wichtigste Auszeichnung des Festivals bestimmt: den World Beer Seal 2026. Ganz oben landete in diesem Jahr ein klassischer tschechischer Lagerstil.

Solnice 12 gewinnt den World Beer Seal 2026

Den ersten Platz und damit die höchste Auszeichnung erhielt die Solnice 12 aus dem Pivovar Solnice in České Budějovice. Auf Platz zwei folgte das Maják von Pioneer Beer aus Žatec. Den dritten Rang sicherte sich mit dem Solnice Stout ein weiteres Bier des Gesamtsiegers.

Bemerkenswert ist dabei die stilistische Bandbreite des Podiums. Mit zwei hellen tschechischen Lagerbieren und einem kräftigen Stout stehen dort Biere, die geschmacklich kaum unterschiedlicher sein könnten.

Platz 1: Solnice 12 – klassischer Lager mit kräftiger Bittere

Die Solnice 12 ist ein traditionelles tschechisches helles Lager mit 5,0 Prozent Alkohol. Die Brauerei gibt eine Bittere von 44 Bittereinheiten an und beschreibt das Bier als deutlich bitterer als ihre leichteren Lagerbiere. Es wird nicht pasteurisiert; grundsätzlich werden die Biere des Pivovar Solnice zudem ungefiltert angeboten.

Seinen Weg ins Finale hatte das Bier über die Kategorie der ungefilterten Biere genommen, die es gewann. Interessanterweise startete die Solnice 12 außerdem in der Wertung für helle Lager aus Minibrauereien und belegte dort den zweiten Rang hinter dem New Kalich ležák. Anschließend setzte sie sich im großen Finale gegen die Sieger und Medaillengewinner der übrigen Kategorien durch.

Für Pivovar Solnice ist das Ergebnis gleich doppelt bemerkenswert: Nicht nur der Gesamtsieg ging nach České Budějovice, sondern auch Platz drei.

Platz 2: Maják – moderner tschechischer Lager aus Žatec

Silber beim World Beer Seal ging an Pioneer Beer aus der traditionsreichen Hopfenstadt Žatec. Das Maják ist ebenfalls ein helles Lager mit 5,0 Prozent Alkohol, nähert sich dem klassischen Stil aber mit einer deutlich hopfenbetonten Interpretation. Die Brauerei beziffert die Bittere mit 40 IBU.

Zum Einsatz kommen unter anderem die tschechischen Hopfensorten Vital und Saaz Shine. Vital ist für die Bittergabe zuständig, während Saaz Shine mehrfach im späteren Verlauf des Brauprozesses einschließlich des Whirlpools verwendet wird und vor allem zum Hopfenaroma beiträgt. Das Bier wird ungefiltert und unpasteurisiert abgefüllt.

Pioneer Beer wurde 2018 in Žatec eröffnet. Dass ausgerechnet eine Brauerei aus einer der berühmtesten Hopfenregionen Europas mit einem hopfenbetonten Lager auf dem zweiten Platz landet, passt daher durchaus ins Bild.

Maják hatte zuvor bereits seine eigene Kategorie gewonnen: Bei den Premium-Lagerbieren aus Minibrauereien setzte es sich gegen die Slavkovská dvanáctka und den Tišnovan 12 durch.

Platz 3: Solnice Stout – dunkler Gegenpol zu den Lagerbieren

Mit dem Solnice Stout gelang es Pivovar Solnice, noch ein zweites Bier unter den besten drei zu platzieren. Stilistisch könnte der Abstand zur siegreichen Solnice 12 kaum größer sein.

Das Stout besitzt eine Stammwürze von 16 Grad Plato und 6,1 Prozent Alkohol. Die Bittere wird mit 30 IBU angegeben, die Farbe mit 61 EBC. Gebraut wird unter anderem mit Hafer, englischen Hopfensorten und einer obergärigen Hefe irischen Ursprungs. Durch die gerösteten Malze entstehen nach Beschreibung der Brauerei Aromen und Geschmacksnoten, die an Karamell, Schokolade und Kaffee erinnern. Der Hafer soll dem vergleichsweise kräftigen Bier zusätzliche Geschmeidigkeit verleihen.

Kurioserweise hatte das Solnice Stout seine eigentliche Stilwertung gar nicht gewonnen. In der Kategorie Stout erreichte es hinter dem Velikonoční speciál 14° des Biskupský pivovar U sv. Štěpána den zweiten Platz. Im abschließenden World-Beer-Seal-Finale reichte es dennoch für Rang drei.

Zwei neue Auszeichnungen beim Festival

Der Wettbewerb erhielt 2026 außerdem zwei neue beziehungsweise neu integrierte Sonderwertungen.

Erstmals wurde das „Pivo Aloise Srba“ vergeben. Die Auszeichnung erinnert an Alois Srb, den langjährigen Organisator und prägenden Kopf des Internationalen Bierfestivals. Zugelassen sind untergärige Biere zwischen 10 und 12 Grad Plato – jene Bierklasse, die Srb selbst besonders schätzte.

Die Premiere gewann die Slavkovská dvanáctka des Slavkovský pivovar. Dahinter folgten Kutná Hora Zlatá 12 und Pepinova desítka aus dem Pivovar Nymburk.

Die Slavkovská dvanáctka ist ein klassischer heller tschechischer Lager mit zwölf Grad Stammwürze und 5,0 Prozent Alkohol. Der Slavkovský pivovar braut ihn mit einer Zweimaisch-Dekoktion und beschreibt ihn als vollmundigen Lager mit ausgeprägtem Hopfencharakter und länger anhaltender Bittere.

Neu in das Festivalprogramm aufgenommen wurde außerdem die Wahl zum „Pivo Ústeckého kraje“, also zum Bier der Region Ústí. Sie richtet sich ausschließlich an Minibrauereien aus der Region. Sieger wurde der Velikonoční speciál 14° des Biskupský pivovar U sv. Štěpána aus Litoměřice.

Dabei handelt es sich um ein 14-grädiges, untergäriges Spezialbier. Das Bier war auch in der regulären Stout-Wertung erfolgreich – dort belegte der gleichnamige beziehungsweise als Velikonoční speciál 14° gemeldete Wettbewerbseintrag den ersten Platz vor dem Solnice Stout.

Von alkoholfrei bis Imperial IPA

Ein Blick auf die übrigen Gewinner zeigt, dass der Internationale Bierfestival längst weit über klassische tschechische Lager hinausgeht. So gewann Lost in Strata von Vik Brewery in der Kategorie American-IPA, während der Pivovar Volt mit dem 18° Zkrat bei den Imperial IPAs erfolgreich war. Black IPA ging an die Brauerei Zlatá Kráva, die Sour-Wertung gewann das mit Mandarine und Calamansi interpretierte Sour Ale des Pivovar Opatovický poklad. Dessen Juicy NEIPA setzte sich außerdem bei den New England IPAs durch.

Auch alkoholfreies Bier besitzt eine eigene Kategorie. Hier gewann 2026 die Nealko IPA Free der Brauerei Nachmelená Opice vor dem kaltgehopften Bakalář nealko und Krušovice hořké nealko.

Bei den traditionelleren tschechischen Kategorien gingen ebenfalls zahlreiche bekannte Namen als Sieger hervor. Die Svijanská desítka gewann bei den hellen Schankbieren, Černá Hora Ležák bei den hellen Lagerbieren und Bernard Černý ležák 12 bei den dunklen Lagerbieren. Bei den starken hellen Bieren setzte sich der Svijanský Baron 15 durch.

Öffentlicher Festivalteil erstmals im Sommer

Eine Besonderheit des diesjährigen Festivals war die deutliche zeitliche Trennung zwischen Wettbewerb und Publikumstag. Während die professionelle Verkostung bereits Anfang März stattfand, wurde der öffentliche Teil auf den 15. August gelegt. Schauplatz war nicht das Messegelände, sondern der Tyršovo-Platz im Zentrum von Litoměřice. Dort standen Verkostungen, Begegnungen mit Brauereien, Gastronomie und ein begleitendes Programm im Mittelpunkt.

Nach Angaben der Veranstalter sollte der Wechsel in den Sommer dem öffentlichen Festival einen offeneren Charakter geben und Bierverkostung stärker mit einem Aufenthalt in der Stadt verbinden. Der eigentliche Wettbewerb bleibt dagegen eine Fachveranstaltung.

Damit vereint der Internationale Bierfestival zwei recht unterschiedliche Seiten der Bierkultur: eine umfangreiche professionelle Verkostung mit mehr als tausend eingereichten Bieren und einige Monate später ein öffentliches Bierfest.

Für den Pivovar Solnice dürfte der Jahrgang 2026 allerdings unabhängig vom Veranstaltungsformat in Erinnerung bleiben. Mit der Solnice 12 auf Platz eins und dem Solnice Stout auf Rang drei stellte die kleine Brauerei aus České Budějovice gleich zwei der drei höchstbewerteten Biere des gesamten Wettbewerbs. Dazwischen behauptete sich mit dem hopfenbetonten Maják von Pioneer Beer aus Žatec ein weiterer Vertreter der tschechischen Minibrauerei-Szene.

Der Termin für den nächsten Fachwettbewerb steht bereits fest: Der 37. Internationale Bierfestival soll vom 1. bis 5. März 2027 stattfinden.

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