Britische Brauereien: Zahl der Schließungen geht im ersten Halbjahr 2026 deutlich zurück
Nach einem besonders schwierigen Jahr 2025 hat sich die Lage für die britische Brauereibranche im ersten Halbjahr 2026 etwas entspannt. Nach Angaben des aktuellen UK Brewery Tracker der Society of Independent Brewers and Associates (SIBA) lag die Zahl der Nettoschließungen von Januar bis Juni bei 16 Brauereien. Im gesamten Jahr 2025 war die Zahl der Brauereien dagegen netto um 137 zurückgegangen.
Damit lag die durchschnittliche Nettoschließungsrate im ersten Halbjahr 2026 bei weniger als einer Brauerei pro Woche. 2025 waren es im Durchschnitt fast drei Brauereien pro Woche gewesen. Für SIBA ist diese Entwicklung ein vorsichtig positives Signal. Von einer Entwarnung für die Branche könne allerdings noch keine Rede sein.
„Die heute veröffentlichten Zahlen sind ein Zeichen dafür, dass sich die Zahl der Brauereischließungen nach besonders schwierigen Jahren möglicherweise stabilisiert – aber für die meisten Brauereien liegen die Probleme noch nicht vorbei. Brauereibetriebe, die den Sturm überstanden haben, verzeichnen eine starke Nachfrage nach unabhängigem Bier, doch die Rentabilität ist weiterhin ein Problem, da der Zugang zu Pubs, hohe Steuern und hohe Produktionskosten die Brauereien treffen“, erklärt SIBA-Geschäftsführer Andy Slee.
Hohe Kosten und Corona-Schulden belasten weiterhin
Das Jahr 2025 hatte der britischen Brauereibranche eine Rekordzahl an Schließungen gebracht. Neben stark gestiegenen Produktionskosten belasteten viele Unternehmen weiterhin Schulden aus der Corona-Zeit. SIBA fordert deshalb weitere politische Unterstützung für kleinere und unabhängige Brauereien. Unter anderem setzt sich der Verband für eine stärkere steuerliche Entlastung von Fassbier ein. Dabei geht es um Bier, das vor allem in Pubs ausgeschenkt wird.
Darüber hinaus drängt SIBA die britische Regierung zu einer Entscheidung bei der angekündigten Überprüfung des Marktzugangs. Untersucht werden soll dabei, wie kleinere unabhängige Brauereien einen besseren Zugang zu Pubs erhalten können. Gerade hier sieht der Verband eines der größten Probleme der Branche. Nach Angaben von SIBA können unabhängige Brauereien durchschnittlich 62 Prozent der Pubs in ihrem eigenen regionalen Markt nicht beliefern.
„Die Verbrauchernachfrage nach Indie-Bier bleibt sehr stark, aber Biere an die Bar zu bekommen ist schwieriger denn je, da Brauer im Durchschnitt keinen Zugang zu 62 % der Pubs in ihrem lokalen Markt haben. Unabhängiges Bier bietet Qualität, Vielfalt und eine Vielzahl von Stilen und Geschmacksrichtungen – aber Bars werden von einer Handvoll Mega-Marken dominiert“, so Slee.
Vier Regionen verzeichnen wieder mehr Brauereien
Regional fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. In vier der neun von SIBA betrachteten Regionen stieg die Zahl der Brauereien im ersten Halbjahr sogar wieder. Am besten entwickelten sich der Nordwesten Englands, der Südosten und Wales. In allen drei Regionen nahm die Zahl der Brauereien netto um jeweils drei Betriebe zu. Im Südwesten kam eine Brauerei hinzu.
Deutlich schlechter sieht es dagegen in Schottland aus. Dort sank die Zahl der Brauereien im ersten Halbjahr netto um neun. Im Nordosten Englands wurden acht Betriebe weniger gezählt. Die Midlands und Nordirland verloren jeweils vier Brauereien, im Osten Englands ging die Zahl um einen Betrieb zurück.
„Es ist ermutigend zu sehen, dass vier Regionen Großbritanniens in der ersten Hälfte des Jahres 2026 ihre Zahl an Brauereien erhöhen – hoffen wir, dass dies das Zeichen für das ist, was noch kommt“, sagt Andy Slee.
Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Die Zahlen lassen damit zumindest erkennen, dass sich die massive Schließungswelle des vergangenen Jahres abgeschwächt hat. Von einer Erholung der britischen Brauereibranche zu sprechen, wäre jedoch verfrüht. Noch immer verschwinden mehr Brauereien vom Markt als neu hinzukommen.
Vor allem hohe Produktionskosten, Steuern und der schwierige Zugang zum wichtigen Pub-Markt setzen unabhängige Betriebe weiterhin unter Druck. Dass gleichzeitig in mehreren Regionen erstmals wieder ein Wachstum der Brauereizahlen zu beobachten ist, dürfte der Branche dennoch etwas Hoffnung geben.