Während in Deutschland immer wieder über höhere Steuern auf alkoholische Getränke diskutiert wird, hat Österreich bereits Fakten geschaffen. Mit dem neuen Budgetbegleitgesetz wird die Alkoholsteuer zum 1. Januar 2027 um 30 Prozent angehoben. Die Entscheidung sorgt nicht nur bei Herstellern von Spirituosen für Kritik, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Führen höhere Alkoholsteuern tatsächlich zu höheren Staatseinnahmen oder könnten die Folgen am Ende sogar das Gegenteil bewirken?
Österreich erwartet Millionen-Einnahmen
Die österreichische Regierung erhöht die Steuer auf Alkohol von bislang 1.200 Euro auf 1.560 Euro je 100 Liter reinen Alkohols. Das Finanzministerium rechnet dadurch mit zusätzlichen Einnahmen von 35 Millionen Euro im Jahr 2027 und sogar 45 Millionen Euro pro Jahr ab 2028.
Doch genau diese Prognosen werden von Vertretern der Lebensmittel- und Spirituosenbranche angezweifelt.
Blick in die Vergangenheit
Der Fachverband der Lebensmittelindustrie verweist auf die letzte Erhöhung der Alkoholsteuer im Jahr 2014. Damals wurde die Steuer um 20 Prozent angehoben. Die tatsächlichen Mehreinnahmen blieben nach Angaben des Verbandes deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Gleichzeitig sank der Absatz von Spirituosen spürbar. Erst viele Jahre später erreichte der Markt wieder das frühere Niveau. Aus Sicht der Branche spricht daher wenig dafür, dass eine noch stärkere Steuererhöhung diesmal die erhofften Ergebnisse liefern wird.
Einkaufstourismus als Risiko
Ein Argument der Kritiker betrifft die geografische Lage Österreichs. Mehrere Nachbarländer erheben niedrigere Alkoholsteuern. Dadurch könnten Verbraucher verstärkt im Ausland einkaufen.
Gerade in Grenzregionen ist dieses Phänomen nicht neu. Wer größere Preisunterschiede vorfindet, kombiniert den Einkauf von Spirituosen häufig mit weiteren Besorgungen im Nachbarland. Dadurch gehen nicht nur Steuereinnahmen verloren, sondern auch Umsätze im heimischen Handel.
Ein ähnliches Szenario wäre grundsätzlich auch für Deutschland denkbar. Je nach Region könnten Verbraucher auf Angebote in Polen, Tschechien, Luxemburg oder anderen Nachbarstaaten ausweichen.
Auswirkungen auf Gastronomie und Handel
Die Diskussion beschränkt sich nicht allein auf die Alkoholsteuer selbst. Kritiker weisen darauf hin, dass geringere Verkäufe auch andere Bereiche der Wirtschaft treffen könnten.
Sinkende Umsätze in Gastronomie und Einzelhandel würden automatisch niedrigere Mehrwertsteuereinnahmen bedeuten. Hinzu kommen mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produzenten über Großhändler bis hin zur Gastronomie.
Nach Einschätzung des österreichischen Fachverbandes könnte die Gesamtbilanz für den Staat deshalb sogar negativ ausfallen. Während das Finanzministerium mit einem Plus von 45 Millionen Euro rechnet, sehen Branchenvertreter langfristig eher die Gefahr von Steuerausfällen.
Spirituosen besonders betroffen
Die geplante Steuererhöhung betrifft vor allem Spirituosenhersteller. Nach Angaben des Fachverbandes stammen bereits heute rund 45 Prozent der Steuereinnahmen aus alkoholischen Getränken aus diesem Segment, obwohl Spirituosen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil am gesamten Alkoholkonsum ausmachen.
Die Branche argumentiert daher, dass sie bereits überproportional belastet werde. Gleichzeitig verweist sie auf ihre wirtschaftliche Bedeutung für Österreich mit tausenden Arbeitsplätzen und einer erheblichen Wertschöpfung.
Eine Debatte, die auch Deutschland betrifft
Auch wenn die aktuellen Zahlen aus Österreich stammen, ist die Diskussion für Deutschland durchaus interessant. Die grundlegenden Fragen sind auf beiden Seiten der Grenze dieselben:
Wie stark beeinflussen Steuererhöhungen das Konsumverhalten? Ab welchem Punkt weichen Verbraucher auf andere Produkte oder Einkaufsmöglichkeiten aus? Und wie hoch sind die tatsächlichen Mehreinnahmen, wenn alle wirtschaftlichen Folgen berücksichtigt werden?
Klare Antworten darauf gibt es bislang nicht. Fest steht jedoch, dass die Auswirkungen der österreichischen Steuerreform in den kommenden Jahren aufmerksam beobachtet werden dürften – nicht zuletzt von Politikern und Branchenvertretern in anderen europäischen Ländern.
Zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaft
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie schwierig die Balance zwischen gesundheitspolitischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen sein kann. Während Befürworter höherer Alkoholsteuern auf mögliche Lenkungseffekte verweisen, warnen Kritiker vor negativen Folgen für Unternehmen, Arbeitsplätze und Staatseinnahmen.
Ob die österreichische Regierung mit ihren Prognosen richtig liegt oder ob die Skepsis der Branche berechtigt ist, wird sich spätestens nach Inkrafttreten der neuen Regelung zeigen.