
Wer sich mit belgischen Lambics beschäftigt, stößt früher oder später auf Hanssens Artisanaal. Die traditionsreiche Geuzestecherei blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1896 reicht. Heute führt bereits die dritte Generation den Betrieb fort – mit einer klaren Leidenschaft für traditionelle Lambic-Stile und spontane Gärung. Das Cassis verbindet diese Tradition mit schwarzen Johannisbeeren und verspricht damit eine ungewöhnliche Mischung aus Frucht, Säure und Reife.
Im Glas zeigt sich das Bier in einer Farbe, die eher an hellen Rotwein erinnert als an klassische Bierstile. Kristallklar und praktisch ohne Schaum wirkt das Erscheinungsbild fast elegant – und gleichzeitig ungewöhnlich.
In der Nase übernimmt sofort die Lambic-Säure die Kontrolle. Die schwarzen Johannisbeeren, immerhin mit beachtlichen 400 Gramm pro Liter eingesetzt, treten überraschend zurück und bleiben zunächst eher Andeutung als Hauptdarsteller. Wer einen fruchtbetonten Auftritt erwartet, wird hier bereits merken: Dieses Bier folgt eigenen Regeln.
Der Antrunk überrascht dann deutlich. Statt kompromissloser Säure erscheint zunächst eine angenehme Süße, begleitet von fruchtigen Eindrücken. Kohlensäure spielt praktisch keine Rolle, was dem Bier einen ruhigen, beinahe weinartigen Charakter verleiht. Im weiteren Verlauf verändert sich das Bild spürbar. Die Süße weicht einer trockenen Struktur, während die typische Lambic-Säure zunehmend in den Vordergrund tritt. Die Frucht wird dabei fast überlagert und bleibt eher Begleiterscheinung. Trotz der intensiven Aromen wirkt das Mundgefühl schlank und leicht. Im Abgang zeigt das Cassis schließlich seine wilde Seite. Die Säure bleibt präsent und wird von einem Hauch Weinessig ergänzt. Was bei weniger gelungenen Sauerbieren schnell störend wirken könnte, fügt sich hier erstaunlich harmonisch ein und sorgt für einen langen, eigenständigen Eindruck.
Kurz gesagt: Das Hanssens Artisanaal Cassis ist kein Fruchtbier für unkomplizierte Erfrischung. Schwarze Johannisbeeren liefern zwar den Ausgangspunkt, doch im Mittelpunkt stehen die trockene Säure und die typische Lambic-Charakteristik. Das Ergebnis erinnert streckenweise eher an Naturwein als an Bier – spannend, ungewöhnlich und definitiv nichts für Freunde klassischer Süße.
Zutaten:
Wasser, Schwarze Johannisbeeren (40 %), Gerstenmalz, Hefe, Hopfen
Alkoholgehalt:
6,0 % Vol.
Brauerei:
Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 15
1653 Beersel
Belgien
https://www.hanssens-artisanaal.be/