Alkoholfreies Bier soll künftig nicht mehr nur dann ins Glas kommen, wenn man auf Alkohol verzichten möchte. Heineken will vielmehr neue Gelegenheiten schaffen, bei denen ein alkoholfreies Getränk ganz selbstverständlich dazugehört. Ob zum Mittagessen, nach dem Sport oder als Aperitif am Abend: Der niederländische Braukonzern erweitert sein Angebot und setzt dabei verstärkt auf neue Geschmacksrichtungen und Getränkekonzepte.
Wie das niederländische Algemeen Dagblad berichtet, sieht Heineken im alkoholfreien Segment noch erhebliches Potenzial. Das Unternehmen möchte die bisherigen Konsumgewohnheiten verändern und alkoholfreie Getränke stärker in den Alltag integrieren. Marketingdirektor Jan Bosselaers verweist dabei auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. Seit der Einführung von Heineken 0.0 hat sich alkoholfreies Bier zunehmend vom Nischenprodukt zu einer etablierten Alternative entwickelt.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, eine alkoholfreie Version eines bekannten Bieres anzubieten. Heineken experimentiert intensiv mit neuen Aromen und Getränkekategorien. So kommen in den Niederlanden Heineken-0.0-Varianten mit Limette und Zitronengras sowie mit Nektarine und Wacholder zunächst testweise in die Regale von Albert Heijn. Die Geschmacksrichtungen waren zuvor bereits in anderen Märkten eingeführt worden. Mit dem Test möchte der Konzern herausfinden, wie die niederländischen Verbraucher auf die neuen Kreationen reagieren.
Neue alkoholfreie Spezialitäten von Texels und Affligem
Auch die zum Konzern gehörenden Spezialitätenmarken sollen von der Entwicklung profitieren. Die Brauerei Texels bringt mit Texels Geheim eine alkoholarme Variante auf den Markt. Das Spezialbier enthält nur wenig Alkohol und wird durch Limette und Queller ergänzt. Letzteres ist eine salzige Küstenpflanze, die auch als Meeresspargel bekannt ist.
Bei Affligem steht ebenfalls eine alkoholfreie Neuheit an. Mit Affligem Dubbel 0.0 erhält die belgische Marke eine alkoholfreie Variante ihres dunklen Doppelbiers. Das Produkt soll in den Niederlanden im Handel erhältlich sein. Auch Amstel erweitert sein Angebot: Der Radler bekommt fruchtige Varianten mit Mango und Passionsfrucht beziehungsweise Mango und Pfirsich. Diese sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Ein Bier für nach dem Sport
Besonders weit geht Heineken mit einer neuen Marke namens Outdoor. Das alkoholfreie Getränk richtet sich gezielt an Menschen, die nach körperlicher Aktivität eine Erfrischung suchen. Es ist glutenfrei, kalorienarm und enthält Elektrolyte sowie zusätzliches Vitamin C und Magnesium. Ein fruchtiger Geschmack soll das Konzept abrunden. Damit bewegt sich das Produkt an der Schnittstelle zwischen alkoholfreiem Bier und funktionalen Erfrischungsgetränken.
Auch bei den Aperitifs möchte Heineken neue Zielgruppen erreichen. Unter dem Namen Club Canette kommen alkoholfreie Getränke mit Grapefruit-, Feigen- und Beerenaromen auf den Markt. Die Marke orientiert sich an der Beliebtheit fruchtiger Dosengetränke und soll insbesondere jüngere Konsumenten ansprechen.
Innovation statt Festhalten an alten Vorstellungen
Die Entwicklung der neuen Getränke ist das Ergebnis umfangreicher Experimente im Heineken-Entwicklungszentrum im niederländischen Zoeterwoude sowie bei der Texels-Brauerei. Nach Angaben des Unternehmens wurden die Produkte von Braumeistern und Verkostungsteams geprüft, bevor sie auf den Markt kommen sollten.
Dass ein Konzern mit einer so langen Biertradition inzwischen einen erheblichen Teil seiner Innovationsarbeit auf alkoholfreie Getränke konzentriert, wäre früher vielleicht überraschend gewesen. Doch Heineken sieht darin offenbar keinen Widerspruch zur eigenen Geschichte. Forschungs- und Entwicklungsdirektor Hubert te Braake verweist gegenüber dem Algemeen Dagblad darauf, dass Innovation und neue wissenschaftliche Erkenntnisse schon immer eine wichtige Rolle im Unternehmen gespielt hätten.
Die Botschaft ist klar: Heineken möchte alkoholfreie Getränke nicht länger nur als Alternative für Menschen positionieren, die gerade keinen Alkohol trinken wollen. Vielmehr sollen sie zu einer eigenständigen Kategorie werden, die zu unterschiedlichen Tageszeiten und Anlässen passt. Das klassische Bier bleibt damit zwar Teil des Sortiments, bekommt aber zunehmend Gesellschaft aus einer Produktwelt, die weit über das bisherige Verständnis von alkoholfreiem Bier hinausgeht.