Es ist eine Nachricht, wie sie in der deutschen Brauereilandschaft inzwischen leider selten geworden ist: Eine traditionsreiche Brauerei muss nicht schließen, sondern bekommt eine neue Zukunft. Die Bergbräu im niedersächsischen Uslar hat einen Investor gefunden. Damit ist der Fortbestand der Marke und des Brauereistandorts gesichert. Noch im Sommer hatte es so ausgesehen, als würde nach 158 Jahren endgültig Schluss sein. Jetzt kann die Geschichte der Brauerei weitergeschrieben werden.
Wie die Tagesschau am 29. Oktober berichtete, teilte das Unternehmen mit, dass ein Investor von der Geschichte, den Produkten und dem Potenzial der Brauerei überzeugt werden konnte. Dieser steigt zum 1. November als stiller Gesellschafter ein. Das Bier soll auch künftig in Uslar gebraut werden. Damit ist zumindest die wichtigste Nachricht für die Region bestätigt: Die Brautradition am Standort wird fortgesetzt.
Neustart statt Fortführung der bisherigen Gesellschaft
Hinter der Rettung steckt allerdings mehr als ein gewöhnlicher Einstieg eines Geldgebers. Wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) am 29. Oktober berichtet, wird die bisherige Bergbräu GmbH & Co. KG ihre bereits eingeleitete Auflösung wie geplant fortsetzen. Für den Neustart wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die den Markennamen Bergbräu übernommen hat.
Die neue Unternehmensstruktur bedeutet also, dass nicht einfach die bisherige Gesellschaft mit zusätzlichem Kapital weitergeführt wird. Vielmehr soll eine neue Firma den Brauereibetrieb und die Marke in die Zukunft führen. Der Investor wird dabei als stiller Gesellschafter beteiligt sein. Wer sich hinter ihm verbirgt und wie hoch sein finanzieller Beitrag ausfällt, wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Auch das StadtRadio Göttingen bestätigte am 29. Oktober die wesentlichen Eckpunkte der Mitteilung: Die Marke und der Standort bleiben erhalten, der Investor steigt zum 1. November ein und ein Teil der bisherigen Belegschaft wird weiterbeschäftigt. Gleichzeitig sucht die Brauerei nach neuen Mitarbeitern.
Ein Teil der Arbeitsplätze bleibt erhalten
Für die Beschäftigten ist die Nachricht ebenfalls eine Erleichterung. Nach Angaben der HNA erklärte Thomas Koch aus der Geschäftsleitung, dass ein Teil der bisherigen Arbeitsplätze erhalten werden könne. Allerdings haben sich einige Mitarbeiter inzwischen beruflich neu orientiert. Die neue Gesellschaft muss deshalb nicht nur den Braubetrieb organisieren, sondern auch Personal für den Neustart gewinnen.
Die Brauerei will mit einer reduzierten Belegschaft weitermachen. Wie viele Arbeitsplätze konkret erhalten bleiben und wie viele neue Mitarbeiter benötigt werden, ist bislang nicht näher beziffert. Klar ist aber, dass die Rettung nicht bedeutet, dass der Betrieb einfach in seiner bisherigen Größe weiterläuft.
Vom angekündigten Ende zur überraschenden Wende
Dabei hatte die Zukunft der Bergbräu noch vor wenigen Monaten ausgesprochen düster ausgesehen. Ende Juli hatte die Geschäftsführung angekündigt, den Brauereibetrieb nach 158 Jahren einzustellen. Als Gründe wurden der hohe Preisdruck im Biermarkt sowie deutlich gestiegene Kosten für Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Energie und Personal genannt. Eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung sei unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich.
Die reguläre Liquidation der bisherigen Gesellschaft wurde eingeleitet. Das geplante Ende der Produktion sollte bis zum 30. September abgeschlossen sein. Wie die HNA damals berichtete, waren zu diesem Zeitpunkt 16 Mitarbeiter beschäftigt, die bereits über die Schließung informiert worden waren.
Ganz aufgegeben hatte die Geschäftsleitung die Hoffnung auf eine Rettung allerdings nicht. Bereits am 23. September berichtete die HNA über einen Interessenten, der eine Übernahme der Bierproduktion und der Marke prüfte. Thomas Koch bezeichnete das damals noch als Zukunftsmusik. Eine Entscheidung wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Aussicht gestellt.
Nun ist aus dieser Hoffnung eine konkrete Vereinbarung geworden. Dass die Produktion Ende September zunächst eingestellt wurde, macht den Neustart umso bemerkenswerter.
158 Jahre Brautradition in Uslar
Die Geschichte der Brauerei reicht bis ins Jahr 1868 zurück. Damals braute Friedrich Wilhelm Haffner sein erstes Bier in Uslar. Der Erfolg ermöglichte bereits 1873 den Umzug an die Rosenstraße, wo mehr Platz für Lager und Eiskeller zur Verfügung stand. 1887 entstand ein neues Brauhaus. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus die heutige Bergbräu, die fest mit der Stadt und der Region verbunden ist. Die HNA hat die wechselvolle Unternehmensgeschichte in ihrer Berichterstattung zur angekündigten Schließung und zur jetzigen Rettung noch einmal aufgegriffen.
2013 endete die lange Zugehörigkeit zur Familie Haffner mit dem Verkauf der Brauerei. Nun steht erneut ein grundlegender Wechsel der Unternehmensstruktur bevor. Der Markenname bleibt erhalten, und auch künftig soll in Uslar gebraut werden. Damit bleibt der Region ein Stück ihrer Brauereigeschichte erhalten.
Wie tragfähig ist der Neustart?
So erfreulich die Nachricht ist, einige wichtige Fragen sind noch offen. Der Investor ist bislang nicht öffentlich bekannt. Auch über die Höhe der Einlage, die geplanten Produktionsmengen und die langfristige wirtschaftliche Ausrichtung der neuen Gesellschaft gibt es noch keine detaillierten Angaben.
Die Bergbräu muss sich weiterhin in einem schwierigen Markt behaupten. Der Neustart mit einer kleineren Belegschaft dürfte deshalb auch mit einer Anpassung der betrieblichen Strukturen verbunden sein. Ob die neue Gesellschaft dauerhaft wirtschaftlich arbeiten kann, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Trotz dieser offenen Punkte ist die Entwicklung ein positives Signal. Noch vor wenigen Wochen schien das Ende einer 158 Jahre alten Brautradition besiegelt. Jetzt gibt es wieder eine Perspektive für die Marke, den Standort und zumindest einen Teil der Beschäftigten. In einer Zeit, in der zahlreiche Brauereien ihre Produktion einstellen oder ihre Standorte aufgeben müssen, ist das eine Nachricht, über die man sich wirklich freuen kann.