Alkoholfreies Bier hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern vom Nischenprodukt zu einer ernst zu nehmenden Alternative entwickelt. Doch nicht überall war dieser Wandel gleichermaßen einfach. Gerade in Belgien, der Heimat großer Brauereien und einer ausgeprägten Bierkultur, hatten alkoholfreie Biere lange einen schweren Stand. Umso bemerkenswerter ist eine aktuelle Meldung des weltgrößten Brauereikonzerns AB InBev: Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz mit alkoholfreiem Bier um 35 Prozent.
Die Zahlen stammen aus dem am 29. Oktober veröffentlichten Quartalsbericht des Konzerns. Während die Bierabsätze insgesamt nahezu stagnierten und im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar leicht um 0,1 Prozent zurückgingen, entwickelte sich das Geschäft mit alkoholfreiem Bier ausgesprochen dynamisch. Der Umsatz dieser Sparte legte um 35 Prozent zu. Das gesamte Portfolio der sogenannten „Balanced Choices“, zu dem neben alkoholfreien auch weitere Biere mit besonderen Eigenschaften zählen, wuchs um 19 Prozent.
Financial Times sieht veränderte Trinkgewohnheiten
Auch die Financial Times widmete sich in ihrer Berichterstattung vom 30. Oktober der Entwicklung. Unter der Überschrift „AB InBev and Carlsberg boosted by zero-alcohol beers and soft drinks“ ordnet die britische Wirtschaftszeitung die Zahlen in einen größeren internationalen Trend ein: Immer mehr Verbraucher achten auf ihren Alkoholkonsum und greifen häufiger zu alkoholfreien Alternativen.
Dabei ist AB InBev nicht allein. Auch beim dänischen Carlsberg-Konzern gingen die Biermengen im dritten Quartal zurück, während alkoholfreie Getränke und Softdrinks zulegen konnten. Carlsberg verzeichnete bei seinen Nicht-Bier-Produkten ein Mengenwachstum von 8,5 Prozent. Die Financial Times sieht darin einen Hinweis darauf, dass sich die Nachfrage innerhalb der Getränkebranche zunehmend verschiebt.
Ein bemerkenswerter Wandel für die belgische Bierkultur
Besonders interessant ist die Entwicklung mit Blick auf Belgien. Das Land ist international für seine vielfältige Bierkultur bekannt. Lange Zeit standen dabei vor allem traditionelle, häufig alkoholstarke Spezialitäten im Mittelpunkt. Alkoholfreie Biere hatten es entsprechend schwer, sich einen vergleichbaren Platz zu erobern. Inzwischen scheint sich auch dort die Einstellung zu verändern. Der Erfolg alkoholfreier Angebote bei einem Konzern wie AB InBev passt jedenfalls in das Bild eines Marktes, in dem die Nachfrage nach Alternativen wächst.
Allerdings lassen die veröffentlichten Konzernzahlen keine Rückschlüsse darauf zu, welche Länder besonders stark zum Wachstum beigetragen haben. Die 35 Prozent sind ein weltweiter Wert und dürfen deshalb nicht als belgisches Marktwachstum verstanden werden.
Für AB InBev kommt die Entwicklung zur rechten Zeit. Denn das Unternehmen kann mit seinen alkoholfreien Marken ein Geschäftsfeld ausbauen, das sich deutlich besser entwickelt als das klassische Biergeschäft. Die Zahlen zeigen zugleich, dass alkoholfreies Bier für die großen internationalen Braukonzerne längst mehr ist als eine Ergänzung ihres Sortiments. Es wird zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Wachstumsstrategie.