Vom 10. bis 12. November 2026 wird Nürnberg wieder zum Treffpunkt der europäischen Getränkebranche. Auf der BrauBeviale präsentieren 769 Aussteller aus 34 Ländern ihre Produkte, Anlagen und Verfahren. Rund die Hälfte der Aussteller kommt aus dem Ausland. In acht Hallen reicht das Angebot von der Prozess- und Produktionstechnik über Abfüllung und Verpackung bis zur Logistik.
Dabei geht es nach Angaben der Veranstalter weniger um abstrakte Zukunftsvisionen als um konkrete Aufgaben, vor denen Getränkehersteller heute stehen. Bier, Wein und alkoholfreie Getränke sind dabei gleichermaßen vertreten.
„Viele Lösungen auf der BrauBeviale setzen nicht bei abstrakten Zukunftsvisionen an, sondern bei konkreten Aufgaben im Betrieb“, sagt Markus Kosak, Executive Director der YONTEX GmbH. Entscheidend sei unter anderem, Produktionsanlagen flexibel genug zu gestalten, damit neue Produktvarianten wirtschaftlich hergestellt werden können.
Bestehende Anlagen für neue Produkte nutzen
Eine Möglichkeit dafür ist die Nutzung vorhandener Brauereiinfrastruktur für weitere fermentative Lebensmittel. Brauereien verfügen bereits über Tanks, technische Anlagen und Personal mit Erfahrung in biologischen Prozessen. Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Ressourcen auch für andere Produkte genutzt werden.
Eine auf der Messe vorgestellte modulare Bypass-Lösung soll bestehende Tanks dafür um zusätzliche Prozessfunktionen erweitern. Eine externe Einheit übernimmt unter anderem sterile Belüftung, Dosierung sowie die Regelung von pH-Wert und Temperatur. Hinzu kommen Inline-Messungen und die automatisierte Erfassung von Prozessdaten.
Der Vorteil des Konzepts liegt darin, dass geeignete Tanks flexibel angebunden werden können. Eine aufwendige technische Nachrüstung jedes einzelnen Behälters soll dadurch vermieden werden.
Alkoholfrei bleibt ein wichtiges Thema
Auch die Herstellung alkoholfreier Getränke gehört zu den Schwerpunkten der BrauBeviale. Eine vorgestellte Anlage kombiniert Nanofiltration mit fraktionierter Vakuumdestillation, um den Alkoholgehalt fermentierter Getränke zu reduzieren.
Bei der Nanofiltration werden Wasser und Ethanol von komplexeren Bestandteilen wie Zucker, Säuren, Polyphenolen und Aromen getrennt. Anschließend wird der ethanolreiche Anteil unter Vakuum destilliert. Wasser und flüchtige Aromen können anschließend wieder in das Produkt zurückgeführt werden.
Das Verfahren lässt sich unter anderem bei Bier, Wein und Cider einsetzen und ermöglicht laut Anbieter Alkoholgehalte von unter 0,5 Volumenprozent.
Nicht nur die Herstellung, sondern auch der Ausschank alkoholfreier Biere stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Eine weitere Lösung setzt deshalb auf eine Getränkeleitung, die bei jedem Fasswechsel ausgetauscht wird. Dadurch soll die klassische Reinigung der Leitung entfallen und gleichzeitig das Risiko einer bakteriellen Kontamination reduziert werden.
Wasser gezielter wiederverwenden
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Wasser. In Getränke- und Lebensmittelbetrieben entstehen Wasserströme mit unterschiedlichen Belastungen. Ein vorgestelltes Kreislaufkonzept trennt diese Ströme und bereitet sie gezielt für eine erneute Nutzung auf.
Dafür werden unter anderem biologische Verfahren, Ultrafiltration und Umkehrosmose miteinander kombiniert. Je nach Standort und Anforderungen kann das aufbereitete Wasser beispielsweise für Kühltürme, die Kesselnachspeisung oder bestimmte Spül- und Reinigungsaufgaben verwendet werden.
Damit lässt sich der Frischwasserbedarf eines Betriebs reduzieren. Welche Anwendungen tatsächlich möglich sind, hängt allerdings von den jeweiligen betrieblichen Anforderungen und der entsprechenden Validierung ab.
Reinigung soll sicherer und sparsamer werden
Auch bei der Tankreinigung gibt es Ansätze, um Ressourcen einzusparen und gleichzeitig die Prozesssicherheit zu erhöhen. Rotierende Schwallreiniger benötigen gegenüber statischen Systemen weniger Zeit und Reinigungsmittel. Problematisch kann allerdings sein, dass ein Ausfall der Rotation während des Reinigungsprozesses bislang unbemerkt bleiben kann.
Eine patentierte Sensorlösung soll dieses Problem lösen. Mehr als 1.000 optische Messungen pro Minute erfassen berührungslos, ob sich der Reinigungsschwall tatsächlich bewegt.
Damit soll sich die Technik auch in Bereichen einsetzen lassen, in denen bislang aus Gründen der Prozess- und Produktsicherheit auf statische Reinigungssysteme gesetzt wurde.
Leichtere Mehrwegflaschen
Auch die Verpackung bietet Möglichkeiten, Ressourcen und Transportaufwand einzusparen. Auf der BrauBeviale werden unter anderem thermisch gehärtete Mehrwegflaschen aus Leichtglas gezeigt. Nach Angaben des Herstellers sind diese bis zu 30 Prozent leichter als herkömmliche Mehrwegflaschen.
Gleichzeitig soll die höhere Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb für eine längere Lebensdauer sorgen. Weniger Gewicht bedeutet außerdem einen geringeren Aufwand beim Transport. Die Technologie steht nach Angaben der Veranstalter inzwischen vor dem Übergang in die serielle Großproduktion.
Wie groß die möglichen Einsparungen durch Leichtglas sein können, zeigt ein weiteres Beispiel aus dem Weinbereich. Eine klassische 0,75-Liter-Rheinweinflasche wurde bei unveränderten Abmessungen auf 350 Gramm reduziert. Rund 80 Prozent des verwendeten Materials bestehen aus Recyclingglas.
Arbeitsmesse statt Zukunftsschau
Die Beispiele zeigen, in welche Richtung sich die BrauBeviale 2026 bewegt: Bestehende Anlagen sollen flexibler genutzt, Wasser und Reinigungsmittel sparsamer eingesetzt und Produktionsprozesse sicherer werden. Gleichzeitig geht es um neue Möglichkeiten bei alkoholfreien Getränken und um leichtere Verpackungen.
Die BrauBeviale versteht sich damit vor allem als Arbeitsmesse. Vom 10. bis 12. November können Getränkehersteller im Nürnberger Messezentrum Anlagen und Verfahren vergleichen und prüfen, welche Lösungen sich für den eigenen Betrieb eignen.
Neben Brauereien richtet sich die Messe ausdrücklich auch an Weinproduzenten sowie Hersteller alkoholfreier Getränke. Die gesamte Getränkewirtschaft soll damit entlang der Wertschöpfungskette zusammengebracht werden.