Bergbräu stellt Brauereibetrieb ein – Nach 158 Jahren endet eine Brautradition in Uslar

Nach mehr als anderthalb Jahrhunderten endet ein weiteres Kapitel deutscher Brauereigeschichte: Die Bergbräu GmbH & Co. KG aus Uslar stellt ihren Brauereibetrieb ein. Die Geschäftsführung hat die Liquidation des Unternehmens eingeleitet und den entsprechenden Antrag beim Handelsregister gestellt. Damit verliert Südniedersachsen nicht nur einen traditionsreichen Bierhersteller, sondern auch ein Stück regionaler Identität.

Bis zum 30. September 2026 soll die Produktion noch fortgeführt werden, um bestehende Aufträge zu erfüllen. Anschließend beginnt der Abverkauf der verbliebenen Bierbestände. Der Hofladen an der Rosenstraße soll nach aktuellem Stand noch bis Ende Oktober geöffnet bleiben. Die Belieferung der Kunden wird bis dahin sichergestellt.

Eine Geschichte, die 1868 begann

Die Wurzeln der Brauerei reichen bis ins Jahr 1868 zurück. Damals legte Friedrich Wilhelm Haffner den Grundstein für das Unternehmen, das über Generationen hinweg eng mit der Stadt Uslar verbunden blieb. Aus der einstigen Privatbrauerei entwickelte sich ein regional bedeutender Hersteller, dessen Biere weit über den Solling hinaus erhältlich waren.

Besonders bekannt wurde Bergbräu durch klassische Bierspezialitäten wie das Altstadt Dunkel, Hefeweizen oder das Sollinger Landbier Hell. Die Brauerei setzte dabei stets auf Regionalität und handwerkliche Herstellung – Werte, die bei vielen Bierfreunden großen Anklang fanden.

Moderne Technik konnte den Markt nicht aufhalten

Umso überraschender kommt das Ende. Noch vor wenigen Jahren investierte das Unternehmen erhebliche Summen in die Zukunft des Standorts. 2022 nahm Bergbräu eine neue, energieeffiziente Produktionsanlage in Betrieb. Die sogenannte „Smart Factory“ sollte kürzere Wege, geringeren Energieverbrauch und wirtschaftlichere Abläufe ermöglichen.

Doch selbst diese Investitionen konnten die schwierigen Rahmenbedingungen nicht ausgleichen. Nach Angaben der Geschäftsführung führten vor allem der anhaltende Preisdruck im Biermarkt sowie stark gestiegene Kosten für Rohstoffe, Verpackungen, Energie und Personal dazu, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich war.

16 Arbeitsplätze betroffen

Von der Schließung sind 16 Mitarbeiter betroffen. Sie wurden im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert und erhielten ihre Kündigungen. Für die Beschäftigten endet damit nicht nur ein Arbeitsverhältnis, sondern häufig auch eine jahrzehntelange Verbundenheit mit einem Unternehmen, das Generationen von Familien in der Region geprägt hat.

Ein weiteres Warnsignal für Regionalbrauereien

Das Aus von Bergbräu reiht sich in eine Entwicklung ein, die die deutsche Brauwirtschaft seit Jahren beschäftigt. Sinkender Bierkonsum, steigende Produktionskosten, ein intensiver Preiswettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel und die wachsende Marktmacht großer Brauereigruppen setzen insbesondere kleinere und mittelständische Privatbrauereien zunehmend unter Druck.

Der Fall Bergbräu zeigt dabei besonders deutlich, dass selbst moderne Produktionsanlagen und erhebliche Investitionen keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg mehr sind. Wenn selbst ein technisch modernisierter Betrieb mit langer Tradition keine Perspektive mehr sieht, verdeutlicht das die Herausforderungen, vor denen viele Regionalbrauereien heute stehen.

Wie geht es weiter?

Ob Marke, Gebäude oder Brauanlagen künftig einen neuen Eigentümer finden werden, ist derzeit offen. Bislang wurden keine konkreten Pläne für eine Fortführung des Brauereistandorts oder einen Verkauf einzelner Unternehmensteile bekannt gegeben. Fest steht lediglich, dass mit dem Produktionsende Ende September eine 158-jährige Brautradition in Uslar zu Ende geht.

Für Bierliebhaber bleibt noch eine letzte Gelegenheit: Solange der Vorrat reicht, werden die verbliebenen Biere nach Produktionsende direkt über den Hofladen verkauft. Danach verschwindet mit Bergbräu eine weitere traditionsreiche Regionalbrauerei von der deutschen Bierlandkarte.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.