Europas Biermarkt schrumpft – alkoholfreie Sorten wachsen weiter
Die europäische Brauwirtschaft bleibt unter Druck. Im Jahr 2025 wurden in der Europäischen Union erneut weniger Biere produziert und verkauft. Gleichzeitig gewinnt alkoholfreies Bier weiter an Bedeutung. Das geht aus dem Branchenbericht „European Beer Trends 2026“ des europäischen Brauereiverbandes The Brewers of Europe hervor.
Demnach verringerte sich die Bierproduktion in der EU gegenüber 2024 um 2,9 Prozent. Beim Konsum fiel der Rückgang mit 3,2 Prozent noch etwas stärker aus. Als Ursachen nennt der Bericht unter anderem die wirtschaftliche Unsicherheit und die daraus resultierende Zurückhaltung vieler Verbraucher.
Die Entwicklung ist nicht auf ein einzelnes Jahr beschränkt. Seit 2019 ist die produzierte Biermenge in der Europäischen Union um 8,6 Prozent gesunken. Der Konsum ging im gleichen Zeitraum um 9,2 Prozent zurück. Hinzu kommt ein schwächeres Exportgeschäft: Die europäischen Bierausfuhren erreichten 2025 den niedrigsten Stand seit 2014.
Alkoholfreies Bier legt um knapp sechs Prozent zu
Während der klassische Biermarkt schrumpft, wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Varianten weiter. Deren Absatzmenge erhöhte sich 2025 um 5,87 Prozent. Seit 2020 beträgt das Wachstum nach Angaben des Verbandes mehr als 38 Prozent.
Mittlerweile enthält jedes zwölfte in der Europäischen Union konsumierte Bier keinen Alkohol. Damit entwickelt sich das alkoholfreie Segment zunehmend von einer Ergänzung zu einem festen Bestandteil des Marktes.
Die Brauereien reagieren damit auf ein verändertes Konsumverhalten. Viele Verbraucher achten stärker auf ihre Gesundheit, möchten ihren Alkoholkonsum reduzieren oder suchen nach Getränken, die sich auch bei alltäglichen Gelegenheiten trinken lassen. Gleichzeitig haben zahlreiche Hersteller in den vergangenen Jahren in neue Brauverfahren, Rezepturen und Geschmacksprofile investiert.
Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, sieht das Wachstum alkoholfreier Biere als Beleg für die Anpassungsfähigkeit der Branche. Brauereien erweiterten ihr Angebot und schafften mehr Möglichkeiten für einen maßvollen Konsum. Zugleich verwies sie auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Bieres für Landwirtschaft, Gastronomie und regionale Gemeinschaften.
Gastronomieanteil stabilisiert sich
Eine vorsichtig positive Entwicklung zeigt sich in der Gastronomie. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Verkaufsanteilen stabilisierte sich 2025 die Bedeutung von Pubs, Bars, Cafés und Restaurants für den Bierabsatz.
Damit könnte die Verlagerung des Konsums vom Gastronomiebetrieb in den privaten Bereich vorerst gebremst sein. Allerdings bestehen laut Bericht weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Ländern.
Für Brauereien ist der Ausschank in der Gastronomie besonders wichtig. Fassbier und Spezialitäten erzielen dort häufig eine höhere Wertschöpfung als im Lebensmittelhandel. Gleichzeitig sind Biergärten, Bars und Restaurants bedeutende Absatzorte für kleinere und regionale Brauereien.
Rund 10.000 Brauereien in Europa
Trotz rückläufiger Produktions- und Verbrauchszahlen bleibt die Brauwirtschaft ein bedeutender Teil der europäischen Lebensmittelindustrie. Rund 10.000 Brauereien sind nach Angaben des Verbandes auf dem Kontinent tätig.
Direkt und indirekt hängen etwa zwei Millionen Arbeitsplätze von der Branche ab. Dazu zählen nicht nur Beschäftigte in den Brauereien, sondern auch Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, im Maschinenbau, in der Verpackungsindustrie, im Transportwesen, im Handel, in der Gastronomie und im Tourismus.
Die jährliche Wertschöpfung der europäischen Brauwirtschaft beziffert der Bericht auf rund 52 Milliarden Euro. Besonders für den Anbau von Braugerste und Hopfen sowie für regionale Gastronomie- und Tourismusangebote spielt die Branche weiterhin eine wichtige Rolle.
Struktureller Wandel statt kurzfristiger Schwäche
Die aktuellen Zahlen zeigen einen Biermarkt im Umbruch. Der allgemeine Verbrauch geht zurück, während sich die Nachfrage innerhalb des Marktes verschiebt. Alkoholfreie Produkte, kleinere Gebinde und bewusster ausgewählte Bierspezialitäten gewinnen an Bedeutung.
Für die Brauereien dürfte es daher künftig weniger darum gehen, möglichst große Mengen abzusetzen. Wichtiger werden eine breitere Produktauswahl, eine klare Positionierung und Angebote für unterschiedliche Konsumsituationen.
Das Wachstum alkoholfreier Biere kann den Rückgang des Gesamtmarktes bislang nicht vollständig ausgleichen. Es zeigt jedoch, dass weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Entscheidend wird sein, wie erfolgreich es den Brauereien gelingt, neue Verbraucherwünsche aufzugreifen und dabei auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.