Abschied nach 23 Jahren: Belgische Brauerei Alvinne kündigt Schließung an
Die belgische Brauerei Alvinne steht vor dem Aus. Nach 23 Jahren hat Gründer Glenn Castelein angekündigt, den Betrieb dauerhaft zu beenden. Eine kurzfristige Unterbrechung oder vorübergehende Produktionspause ist damit nicht gemeint. Bis der endgültige Schlussstrich gezogen wird, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.
In einer persönlichen Mitteilung spricht Castelein vom „Ende einer Ära“ und von der letzten Reise der Brauerei. Das Gebäude von Alvinne wurde bereits zum Verkauf angeboten. Auch das Sudhaus, die Abfüllanlage, die hölzernen Foeder und die Marke sollen in den kommenden Monaten neue Eigentümer finden. Ob Alvinne unter einem anderen Besitzer weitergeführt werden könnte, ist derzeit nicht bekannt.
Schließung erfolgt nicht von heute auf morgen
Obwohl die Entscheidung endgültig gefallen ist, hat Alvinne den laufenden Betrieb noch nicht vollständig eingestellt. In den Holzfässern der Brauerei lagern weiterhin Biere, die reifen und zu einem späteren Zeitpunkt abgefüllt werden sollen. Auch im Lager befinden sich noch Bestände, die über den Webshop und den Bierfachhandel verkauft werden.
Zudem ist eine letzte Ausgabe der Alvinne Fellowship vorgesehen. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaft besonders engagierter Anhänger der Brauerei, die regelmäßig exklusive Bierpakete und besondere Abfüllungen erhielten. Von den insgesamt 250 Sets der letzten Ausgabe waren zum Zeitpunkt der Ankündigung noch weniger als 100 erhältlich.
Auch von der Festivalszene verabschiedet sich Alvinne nicht sofort. Geplant sind noch Auftritte bei mehreren Veranstaltungen, darunter das Zwevegems Streekbierfestival, das Borefts Bierfestival und Billie’s Craft Beer Fest. Die kommenden Monate sollen somit nicht nur der Abwicklung dienen, sondern auch Gelegenheit für einen gemeinsamen Abschied bieten.
Wann die Brauerei ihre Türen endgültig schließen wird, steht noch nicht fest. Nach Angaben Castелеins hängt der genaue Zeitpunkt vor allem davon ab, wann das Brauereigebäude verkauft werden kann.
Schwierige Jahre liegen hinter der Brauerei
Als Gründe für die Entscheidung nennt Castelein mehrere Belastungen, mit denen Alvinne im Laufe der vergangenen Jahre konfrontiert war. Dazu zählen die Energiekrise, Schwierigkeiten im Bankensektor und die Folgen der Corona-Pandemie. Besonders schwer habe jedoch eine interne Krise gewogen, die die Zukunft der Brauerei über einen Zeitraum von sechs Jahren belastet habe.
Castelein betont, dass er lange versucht habe, das Unternehmen durch diese schwierige Phase zu führen. Nun sei jedoch der Zeitpunkt gekommen, das Kapitel Alvinne zu beenden.
Pionier der europäischen Craft-Bier-Szene
Alvinne wurde vor 23 Jahren gegründet und entwickelte sich zu einer der international bekanntesten belgischen Brauereien für Sauerbiere und fassgereifte Spezialitäten. Das Unternehmen gehörte nach eigener Darstellung zu den frühen Akteuren der europäischen Craft-Bier-Bewegung.
Neben dem Brauen eigener Biere importierte Alvinne ausländische Craft-Biere, bildete Brauer aus und organisierte ein Bierfestival, das als Vorbild für weitere Veranstaltungen diente. Rund um die Brauerei entstand außerdem die Alvinne Fellowship, die weit mehr als ein gewöhnlicher Kundenclub sein sollte.
Eine besondere Rolle spielte die hauseigene Morpheus-Hefe. Sie wurde sowohl für saure als auch für nicht saure Biere eingesetzt und prägte den unverwechselbaren Charakter vieler Alvinne-Spezialitäten. Hinzu kamen lange Reifezeiten in alten Foedern und ausgewählten Wein- und Spirituosenfässern. Für die Fruchtbiere verwendete die Brauerei nach eigenen Angaben ausschließlich echte Früchte statt Sirup oder Fruchtkonzentrat.
Glenn Castelein bleibt der Bierwelt erhalten
Für Glenn Castelein bedeutet die Schließung offenbar keinen vollständigen Abschied von der Bierbranche. Er will weiterhin unterrichten und seine Tätigkeit als freiberuflicher Berater für andere Brauereien ausbauen. Gleichzeitig möchte er sich künftig wieder mehr Zeit für sein Privatleben nehmen.
Seine Leidenschaft für Bier und Fermentation sei weiterhin ungebrochen. Welche Aufgaben er nach dem Ende von Alvinne übernehmen wird, lässt Castelein jedoch zunächst offen.
Für Freunde belgischer Sauerbiere endet damit die Geschichte einer Brauerei, die über zwei Jahrzehnte hinweg mit ungewöhnlichen Hefen, Früchten und Fassreifungen experimentierte. Noch sind die letzten Biere erhältlich, und auch einige Begegnungen auf Festivals stehen bevor. Die grundsätzliche Entscheidung ist aber gefallen: Alvinne befindet sich nicht nur in einer vorläufigen Pause, sondern in seiner endgültigen Abschieds- und Abwicklungsphase.