Der Prozess um das bekömmliche Bier

Um 10:07 war es so weit: der Prozess des „Verband Sozialer Wettbewerb e.V.“ begann. Richter Gerhard Ruf begann die Verhandlung mit dem launischen Spruch: „Es geht um eine wirklich spannende Frage. Das Bier von Härle kann ich allerdings nicht beurteilen, das habe ich noch nicht getrunken“. Aber nur elf Minuten später führt er aus: „Aus unserer Sicht nach der Vorberatung kann man mit Blick auf EuGH-Spruch nur so entscheiden wie das Landgericht Ravensburg“. Das hatte ja dem VSW Recht gegeben, und Härle die Nutzung von „bekömmlich“ untersagt. Ich habe dieses Urteil damals schon nicht verstanden. Der Begriff „bekömmlich“ verspricht für sich schließlich noch keine Verbesserung der Gesundheit, sondern sagt lediglich aus, dass es dem Konsumenten nach dem Genuss nicht schlechter geht. Auch der Duden, der bekanntlich eine gewisse Deutungshoheit im Bereich der deutschen Sprache innehat, sieht das wie ich.

Eine gesundheitliche Aussage wäre nach meiner Ansicht etwas wie „der Genuss dieses Bieres hilft gegen Verstopfung“. Das hat aber niemand behauptet. Betrachten wir die Sache doch einmal andersrum: wenn ein Bier nicht als bekömmlich beworben werden darf, muss ich als Konsument wohl davon ausgehen, dass es unbekömmlich ist. Aber darf in Deutschland ein unbekömmliches Lebensmittel überhaupt auf den Markt kommen? Hoffentlich nicht. Bekömmlichkeit ist bei Lebens- und Genussmitteln eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Um 10:41 Uhr veröffentlicht Frau Korf von schwaebische.de einen Ausspruch von Richter Ruf: „Wer bekömmlich liest, denkt vielleicht: Von dem Bier bekomme ich nicht schon nach drei Halben Kopfweh, sondern erst nach fünf“. Mit Verlaub Herr Richter Ruf: fünf halbe Liter sind nun wirklich kein bestimmungsgemäßer Konsum von Bier, das ist bereits an der Grenze zum Missbrauch. Und dass ein Missbrauch nicht bekömmlich ist gilt auch für andere Produkte, die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch gesundheitsfördernd sind.

Auffällig ist, dass sich der VSW eine kleine Brauerei für ihre Abmahnung ausgesucht hat. Weshalb wurde keine Großbrauerei wie Augustiner abgemahnt? Vermutlich weil der Verband davon ausgegangen ist, dass eine kleine Brauerei nicht den Mut und/oder die Mittel hat, sich gegen diesen Unsinn zu wehren.

Im Moment hat das Gericht die Verhandlung für zehn Minuten unterbrochen.

Nach der Unterbrechung erklärt Härle, dass er seine Berufung nicht zurückruft. Er bittet um ein Urteil und darum, dass eine Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen wird. Anders ausgedrückt rechnet er mit einer Niederlage und will sich weiter wehren. Das Gericht wird das Urteil am 3. November verkünden.

Zum Abschluss möchte ich noch www.schwaebische.de für den Liveblog danken, aus dem ich die Informationen für diesen Artikel genommen habe.

Ähnliche Beiträge

  • Schroll Bräu – Nankendorfer Helles

    Die Traditionsbrauerei Schroll liegt inmitten der fränkischen Schweiz und braut mit dem Nankendorfer Hell einen Vertreter des süddeutschen Bierstiles, der in den letzten Jahren auch in Norddeutschland zunehmend seine Freunde findet. Braumeister Georg Schroll braut das Helle ganzjährig, selbstverständlich in Handarbeit bis zur Flaschenabfüllung. Jetzt steht eine Flasche vor mir und wartet auf ihre Verkostung….

  • Flensburger – Dark Amber

    Bereits seit 1888 braut die heute noch inhabergeführte Flensburger Brauerei Biere und hält sich dabei natürlich an das deutsche Reinheitsgebot. Heute zählt die unabhängige und nördlichste Brauerei Deutschlands zu einer der weltweit erfolgreichsten Anbieter im Segment der Bügelverschlussflaschen. Teil des Erfolgs ist wohl auch das typische „Plop“ bei ersten Öffnen der Flasche. Lange Zeit kam…

  • Feldschlößchen – Maibock

    Aus Sachsen, genauer gesagt aus Dresden, stammt der Maibock der Brauerei Feldschlößchen, der jetzt vor mir steht. Wie kommt es eigentlich, dass ich die Feldschlößchen-Brauerei immer mit Braunschweig in Verbindung bringe? Aber egal, jetzt wird die Flasche geöffnet und das Bier eingeschenkt, damit ich mit der Verkostung beginnen kann. Intensiv bernsteinfarben und gefiltert präsentiert sich…

  • Bauhöfers Oktobergold

    Mitten im Herzen der Ortenau liegt die Heimat der Familienbrauerei Bauhöfer. Badische Lebensfreude und die herrliche Landschaft prägen die Region – und zu den vielen kulinarischen Höhepunkten gehört auch das Bier aus dem idyllischen Örtchen Ulm, nicht zu verwechseln mit dem Ulm an der Baden-Württembergisch-Bayerischen Grenze. Zwischen Schwarzwaldhöhen und Rheinebene wird seit mehr als 160…

  • Die Beste Geuze kommt von Boon

    Die Geuze der Brouwerij Boon wurde erneut zur „Besten Geuze der Welt“ gekürt. Die in Lembeek ansässige Brauerei gewann beim renommierten European Beer Star in München drei Medaillen: Gold für Oude Geuze Boon, Silber für Framboise Boon in der Kategorie Fruchtbier und Silber für Oude Geuze Boon Black Label N°10. „Wir versuchen einfach jeden Tag,…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.