Schlagwort-Archiv: Porter

Riedenburger – Dolden Dark

Nun befasse ich mich mal wieder mit einem Bier aus Bayern, das Dolden Dark aus dem Riedenburger Brauhaus. Es handelt sich um ein handwerklich gebrautes Porter. Eine Besonderheit dieses biologischen Bieres aus dem Altmühltal ist die Verwendung von Emmermalz. Emmer ist eine alte Getreidesorte, die zwischenzeitlich nahezu ausgestorben war. Erst in den letzten Jahren gewinnt sie langsam wieder etwas an Bedeutung. Aber wenden wir uns dem Bier zu.

Ein Blick auf das Etikett zeigt bereits eine Besonderheit. Da die Rohstoffe für diese Bierspezialität vermutlich nicht in beliebigen Mengen vorhanden sind und sich die Brauer daher nicht sicher sein können, beim nächsten Mal das exakt gleiche Ergebnis zu erzielen, ist auf dem Etikett die Nummer des Suds vermerkt. In diesem Fall ist es der Sud 11.

Absolut schwarz und blickdicht ist das Bier, darüber ein nussbrauner gemischtporiger Schaum, der allerdings recht flott verschwindet. Lediglich ein kleiner Rest des Schaums bleibt dauerhaft erhalten.

Das Aroma ist durch Röstaromen geprägt, das Bier duftet nach Kaffee und Schokolade. Der Hopfen kommt hier nicht in den Vordergrund.

Der Antrunk ist leicht süß und hier kommt erstmals die sehr feinperlige Kohlensäure zum Vorschein. Zu sehen war sie nicht, da das Bier so konzentriert ist, dass wirklich kein Licht in es eindringt.

Der Körper ist ausgewogen, ich schmecke bittere Schokolade gemischt mit Kaffee, dazu eine leichte Säure. An so ein Bier könnte ich mich doch glatt gewöhnen. Der Abgang ist anfangs wie eine gute Bitterschokolade, die etwas Säure mit sich bringt. Dann wandelt sich der Geschmack und es kommen die Kaffeetöne zum Vorschein. Der Geschmack bleibt auch einige Zeit erhalten, bevor er langsam verklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Emmermalz, Hopfen, Hefe

Mit Ausnahme des Wassers und der Hefe stammen alle Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau.

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
http://www.riedenburger.de

BierSelect

Giesinger – Baltic Rye Porter

Giesinger ist im Münchener Stadtteil Giesingen beheimatet und hält die Tradition der Stadtteilbrauerei aufrecht. Die Biere werden handwerklich hergestellt und sind weder filtriert noch thermisch behandelt. Die im Bier vorhandenen Trübstoffe sorgen für den vollen Geschmack. Da Brautradition bei Giesinger Bräu großgeschrieben wird, greift man bei der Herstellung auf vier große und offene Gärbottiche für die Hauptgärung der einzelnen obergärigen Biere zurück. Jetzt steht das Baltic Rye Porter vor mir. Die Brauerei verspricht auf dem Etikett, dass es sich um ein röstiges, süßes, dunkles und komplexes Baltic Porter mit vollmundigem Geschmack und brotigen Aromen handelt. An dieser Aussage werde ich das Bier messen.

Blickdicht schwarz und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Es wird von einer feinporigen hellbraunen Schaumschicht bedeckt, die lange erhalten bleibt. An der Optik gibt es schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Kaffee, Pumpernickel und dunkle Schokolade, begleitet durch die Süße und Fruchtigkeit von Sultanas. Der Duft ist wirklich einladend. Die Brauerei hat auf dem Etikett nicht zu viel versprochen.

Der Antrunk ist nicht so süß wie ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Er ist angenehm und spritzig. Schnell kommt noch etwas Säure dazu. Jetzt dominiert der Schokoladengeschmack. Das Bier ist ausgesprochen vollmundig und süffig. Die immerhin 6,7 Volumenprozent Alkohol sind gut eingebettet, ich könnte auch sagen, sie sind versteckt. Im Abgang kommt zusammen mit einem leichten Hopfenbitter noch eine subtile Fruchtigkeit dazu. Das Bitter klingt recht kurz nach, aber der Geschmack der Schokolade bleibt noch lange erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Münchner Malz, dunkles Caramelmalz), Roggenmalz (dunkles Roggenmalz), Roggencaramelmalz, Roggenröstmalz, Hopfen (Spalter Select), Hefe (Ale-Hefe)

Alkoholgehalt:

6,7 %

Stammwürze:

17° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Giesinger Biermanufaktur & Spezialitätenbraugesellschaft mbH
Martin-Luther-Str. 2
81539 München
www.giesinger-braeu.de

Baltika 6

Das Bier, das jetzt vor mir steht, stammt aus Russland, genauer gesagt aus St. Petersburg. Das Baltika 6 ist ein Porter und gehört mit seinen 7,0 Volumenprozenten Alkohol zu den stärkeren Vertretern der Biere der Brauerei, die zum Carlsberg-Konzern gehört. Die Brauerei wurde erst im Jahr 1990 gegründet und wurde schnell zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor im Baltikum. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt mir aber bereits, dass ich an dieses Bier keine allzu hohen Ansprüche stellen darf. Es wurde nicht nur ohne Hopfen gebraut, sondern lediglich mit Hopfenextrakt; zusätzlich wurde auch Malzextrakt verwendet. Damit ist das Bier bereits enttäuschend. Aber eventuell macht es sich ja im Glas und in der Kehle besser.

Fast blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine durchschnittliche Krone aus sahnigem hellbraunem Schaum, die recht lange erhalten bleibt. Die Optik ist damit schon mal nicht schlecht.

Das Aroma der Röststoffe steigt mir in die Nase. Düfte nach Espresso und Rübensirup reichen mir allein aber nicht aus. Bei einem Porter erwarte ich eigentlich eine höhere Komplexität.

Der erste Kontakt mit der Zunge zeigt neben einer leichten Süße, dass das Bier eine sehr feinperlige Kohlensäure enthält. Auf der Zunge dominieren die Röststoffe, der Geschmack bleibt aber recht eindimensional und so schlank, wie ich es bei einem Porter wirklich nicht erwartet hätte. Nun kann das Bier wirklich nicht mehr überzeugen. Auch im Nachtrunk mit seinem kurzen Nachklang bleiben die Röststoffe sehr einsam.

Nein, beim nächsten Mal lasse ich das Baltika 6 wirklich im Regal stehen.

Zutaten:

Wasser, Karamellmalz, Röstmalz, Malzextrakt (Gerste, Weizen), Malzextrakt

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Brauerei:

Baltika Breweries
6.TH Verkhny Per
19492 St. Petersburg
Russland
www.baltika.ru

Labieratorium – Schwarze Pumpe

Die Biernation Deutschland hat eine sehr lange Brautradition und zählt nach wie vor zu den großen Biernationen der Welt. Wühlt man in den uralten Aufzeichnungen der Stadt Cottbus, so stößt man u.a. auf die Erkenntnis, dass auch hier bereits im Jahre 1385 Bier gebraut wurde. Doch im Zuge der Industrialisierung und der Tatsache, dass die Großkonzerne den kleinen Brauereien das Leben immer schwerer machten, war irgendwann dann auch in Cottbus Schluss mit dem „Bierbrauen“.

Dies will Biersommelier und Brauer Olaf Wirths mit seinem Team vom LaBieratorium wieder ändern. Ihr Antrieb ist neben der Überzeugung leckeres Bier kreieren, vor allem der Wunsch, in Cottbus endlich wieder Bier zu brauen und diese lange Tradition zurück in diese wunderschöne Stadt zu bringen. Zunächst waren Olaf Wirths und sein Team als Gypsy-Brauer unterwegs und nutzten dabei die freien Kapazitäten anderer, mittelständischer Brauereien, um dort ihre Biere herzustellen. Seit Juli 2017 brauen sie in Cottbus in eigener Brauerei.

Mit dem LaBieratorium haben Sie sich eine Welt geschaffen, in welcher Sie Ihrer Kreativität, Ihrem Wissen zum Genussmittel Bier und Ihrer Liebe zur Arbeit freien Lauf lassen können. Ihr Ansatz ist dabei, dass Sie unter der Berücksichtigung der historischen Wurzeln der Bierherstellung versuchen, teils vergessene Bierstile wieder zum Leben zu erwecken oder zeitgemäß und modern zu interpretieren. Dabei entsteht Bier mit Charakter, Bier mit Ecken und Kanten aber vor allem Bier, welches mit viel Leidenschaft und Herzblut gebraut wurde. Alle Biere vom LaBieratorium werden mit wertvollen Zutaten, handwerklich sowie zuverlässig gebraut und sind dabei stets in gleichbleibender und hoher Qualität wiederzufinden.

Die Schwarze Pumpe trägt ihren Namen zu Recht. Das Bier ist wirklich blickdicht schwarz mit viel hellbraunem cremigem Schaum, der lange erhalten bleibt. Wow, was für eine Optik.

Düfte nach Schokolade und Espresso steigen mir in die Nase, unterstützt durch Noten nach Lakritze und roten Beeren. Ich meine auch, ein leichtes Raucharoma festzustellen. So soll ein Porter sein.

Der Antrunk ist recht süß, er wird aber durch sehr viel sehr feinperlige Kohlensäure angenehm gemacht. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu und der Geschmack nach Schokolade bildet sich auf der Zunge. Das Mundgefühl ist weich und rund, fast cremig. Im Abgang kommt der Geschmack nach Espresso zum Vorschein und das Bitter lässt nach. Während des langen Nachklangs kommt auch der Geschmack nach Lakritze hervor.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Karamellmalz Rot, Röstmalz), Weizenmalz, Hopfen (ADHA-527, Northern Brewer), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Stammwürze:

15,9° Plato

Bittereinheiten:

45 IBU

Brauerei:

LaBieratorium GmbH
Finsterwalder Straße 41a
03048 Cottbus
www.labieratorium.de

Zywiec Porter

Es ist schon merkwürdig – bei diversen Aufenthalten in Polen habe ich das Porter von Zywiec nicht gesehen – andernfalls hätte ich es sicher zur Verkostung mitgebracht. Und dann sehe ich es in einem kleinen polnischen Laden in Essen. Und prompt stellt sich mir eine andere Frage: kann eine so große Brauerei wie die im schlesischen Zywiec, nahe dem Dreiländereck Polen-Tschechien-Slowakei gelegen, überhaupt ein trinkbares Porter brauen? Die besten Porter stammen in der Regel aus kleinen Brauereien. Aber das werde ich ja gleich feststellen.

Vorher habe ich aber noch eine Internetrecherche durchgeführt und tatsächlich – das Bier wird nicht in Zywiec gebraut, sondern in der zum gleichen Konzern gehörenden Schlossbrauerei Bracki in Cieszyn. Dort wird das Zywiec Porter in absolut traditioneller Brauweise und in offener Gärung gebraut. Das macht mich jetzt richtig neugierig auf das Bier und ich will auch nicht länger mit dem Test warten.

Die Optik ist bestechend. Das Bier ist tiefschwarz und blickdicht. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse Krone aus einem sahnigen hellbraunen Schaum, deren Haltbarkeit mir wirklich gefällt. Insbesondere aufgrund der satten 9,5 Volumenprozente Alkohol hatte ich eigentlich angenommen, dass sich nur wenig Schaum bilden würde.

Bei dieser Farbe ist es klar, dass das Aroma des Zywiec Porter durch die Röststoffe dominiert wird. Ich rieche jede Menge Karamell, das durch den Duft dunkler Schokolade sowie einem Hauch Espresso unterstützt wird. Der Hopfen hält sich hier diskret im Hintergrund. Dadurch wirkt das Aroma bei aller Intensität etwas flach und nicht so komplex wie bei anderen Bieren dieses Stils.

Der Antrunk ist weich und süß, dabei sehr intensiv. Die Süße steht dabei in einem guten Verhältnis mit der feinperligen Kohlensäure. Die Intensität steigert sich noch, als sich das Bier auf der Zunge verteilt. Hier spiegelt sich das Aromaprofil im Geschmack wider. Ich schmecke Espresso und dunkle Schokolade, wobei der Geschmack nach Espresso jetzt mehr im Vordergrund steht. Süß, bitter und sauer sind ausgewogen. Im Abgang halten sich Bitter und Süß die Waage und sie klingen sehr lange nach.

Bei einem Wettbewerb wie dem European Beer Star wird dieses Zywiec Porter mit Sicherheit keine Platinmedaille gewinnen, aber wenn wir uns einmal das Preis-/Leistungsverhältnis ansehen, steigt das Zywiec Porter ganz an die Spitze. Schließlich habe ich weniger als einen Euro für den halben Liter bezahlt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Brauerei:

Cieszyn
ul. Dojazdowa 2
43-400 Śląskie
www.grupazywiec.pl/

Kees – Export Porter 1750

Kees Bubberman ist einer der renommiertesten Brauer der Niederlande. Vor einigen Jahren begann er als Hausbrauer und er gewann innerhalb von zweieinhalb Jahren jeden Wettbewerb, an dem er teilgenommen hatte. Die Emelisse Brauerei ernannte Kees im Jahr 2007 zum Braumeister. Sieben Jahre lang war Kees Emelisse Braumeister, und sein Bier hat es verdient, in die Ratebeers‘ Worlds Top 100 Breweries im Jahr 2014 aufgenommen zu werden.

Dann erfüllte sich Kees seinen Traum von einer eigenen Brauerei und Anfang 2015 nahm die Brauerei Brouwerij Kees die Arbeit auf.

Das Export Porter 1750 basiert auf einem englischen Originalrezept von 1750 für ein russisches Imperial Stout – dem berühmten Stil, den Katharina die Große damals bevorzugte.

Und wirklich, das Export Porter ist schwarz, absolut blickdicht schwarz. Es bildet nur wenig mittelbraunen feinporigen Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist so, wie ich es erwartet habe. Düfte nach Espresso, Schokolade und dunklen Früchten steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Er erste Kontakt des Export Porter 1750 mit der Zunge ist vor allem süß, beinahe klebrig und fast schon dickflüssig. Aber dieses Bier kann gleich beim ersten Mundkontakt auch überraschen: Obwohl die sehr feinperlige Kohlensäure extrem knapp dosiert ist, wirkt Bier trotzdem frisch. Das Mundgefühl ist cremig und durch die reichlich vorhandene Malzsüße und die Röstaromen des Malzes wirkt das Bier sehr rund. Auch im Abgang dominieren die Röststoffe und die Süße, wobei beide Eindrücke nicht lange nachklingen.

Zutaten:

Wasser, Malz (Pale Ale, Caramel, Carafa 1), Hopfen (Fuggles, Sorachi Ace)

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Bittereinheiten:

108 IBU

Brauerei:

Brouwerij Kees!
Voltaweg 16
4338 PS Middelburg
Niederlande
www.brouwerijkees.nl

Samuel Smith – Taddy Porter

Craft Beer aus Großbritannien hat bei mir einen guten Ruf. Bislang hatte ich noch kein Bier von der Insel, von dem ich sagen würde, dass es mir nicht schmeckt. Nun habe ich mal wieder ein Porter vor mir stehen und ich bin gespannt, ob sich dieser Eindruck auch hier bestätigt.

Tiefschwarz und blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas, darüber eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner Schaum, der sich für meinen Geschmack ruhig etwas langsamer auflösen könnte. Aber gut, die etwas kräftigeren dunklen Biere haben ja meist keinen Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist komplex: ich stelle Karamell, Röstaromen, Kaffee, Schokolade und Kräuter fest. Mehr kann ich wirklich nicht erwarten.

Aber kommen wir zum ersten Schluck. Er ist recht süß, wäre nicht reichlich die feinperlige milde Kohlensäure vorhanden, wäre der Antrunk für mich wohl zu süß. Aber durch die Kohlensäure wirkt er doch sehr angenehm. Aber das ist erst der Anfang. Das Bier verteilt sich im Mund und jetzt kommt die Intensität des Geschmacks voll zum Ausdruck. Röstnoten und Schokolade bestimmen den Geschmack, das aber gut ausgewogen mit der Süße des Bieres und leichter Säure, die sich jetzt auch meldet. Intensiv, vollmundig und ausgeglichen charakterisiert dieses Porter vermutlich am besten. So gut, wie das Bier schmeckt, will ich es eigentlich gar nicht runterschlucken. Bei der Intensität des Körpers wird sicherlich ein kräftiger bitterer Geschmack im Abgang folgen. Aber nein. Der Abgang ist überraschend mild und enthält wenige Bitterstoffe, dafür aber auch einen leichten Röstgeschmack, der überraschend lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstetes Malz, Rohrzucker, Hopfen, Hefe, Klärmittel: Seegras, Kohlendioxid

Alkoholgehalt:

5 % Vol.

Brauerei:

Samuel Smith
The Old Brewery
Tadcaster
N Yorks LS24 9SB
Großbritannien
www.samuelsmithsbrewery.co.uk

Kehrwieder – Tallinn Baltic Porter

Vermutlich kann niemand ein Bier so gut beschreien wie der Brauer selbst, zumindest weiß niemand besser als er, was er sich bei der Entwicklung des Bieres vorgestellt hat. Lassen wir also am Beginn dieser Bierverkostung Oliver Wesseloh selbst zu Wort kommen: „Unser Tallinn Baltic Porter ist der Grund sich auf ungemütliches Wetter zu freuen. Die Gischt wütet, der Wind tobt, Regen prasselt ans Fenster und drinnen sorgt unser malzbetontes, dunkles Tallinn für ein wohliges Gefühl, ob mit Kamin oder ohne. Unser Tallinn Baltic Porter war eigentlich als saisonales Bier gedacht. Aber dann hat es uns und Euch so gut geschmeckt, dass wir es in unser Standardportfolio aufgenommen haben. Denn bei uns in Norddeutschland gibt es ja nicht nur im Winter einmal ungemütliche Tage.“

Na gut, dann weiß ich ja schon mal, auf was ich mich einzustellen habe und hoffe nur noch, dass das Bier meine Erwartungen auch erfüllt. Aber bislang haben die Biere von Oliver mich ja noch nie enttäuscht.

Die Optik stimmt jedenfalls schon mal. Blickdicht schwarz ist das Tallinn Porter. Zwar bildet sich nur relativ wenig gemischtporiger hellbrauner Schaum, aber der bleibt lange erhalten.

Und auch das Aroma hat es in sich. Dass das Bier nach Schokolade und Kaffee duften würde, habe ich ja erwartet. Der Duft nach Rosinen ist aber genau wie die Intensität des Aromas eine Überraschung. Da kann ich es kaum abwarten, den ersten Schluck zu probieren.

Der erste Eindruck auf der Zunge ist Süße, und das nicht zu knapp. Aber da kommt bei mir eine Frage auf: wenn Oliver beim Malz so großzügig war – weshalb wird er bei der Kohlensäure geizig? Aber dafür ist die Kohlensäure wunderbar sanft und feinperlig. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt lässt die Süße nach; der Geschmack dunkler Schokolade kommt in den Vordergrund und bringt auch einen leichten Hauch von Espresso mit. Dabei entsteht ein volles und beinahe cremiges Mundgefühl. Jetzt bin ich mit der wenigen Kohlensäure ausgesöhnt. Im Abgang lässt der Schokoladengeschmack nach und der Espressogeschmack kommt mit seinem freundlichen Bitter in den Vordergrund, das auch lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (dunkles böhmisches Tennenmalz, Caramelmalz, Röstmalz), Hopfen (Ella), Hefe

Alkoholgehalt

6,3 % Vol.

Stammwürze

15,6° Plato

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
Oliver Wesseloh
Sinstorfer Kirchweg 74-92
21077 Hamburg
www.kehrwieder.beer

Eibauer – Porter

Wieder einmal steht ein Bier aus der Privatbrauerei in Eibau vor mir, diesmal das Eibauer Porter. Mir leuchtet nicht so recht ein, was mir der Junge auf dem Etikett sagen soll, trotzdem wirkt das Etikett durchaus edel und ich hoffe, dass diese Eigenschaft auch auf das Bier abfärbt. Also schenke ich mir das Bier mal ein.

Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas, nicht wie ich es bei einem Porter erwarte in tiefem Schwarz. Darüber bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die bis auf einen Rest schnell in sich zusammenfällt. Der Rest bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Das Aroma ist malzbetont, auch wenn ich erst einmal überraschend wenige Röstaromen feststelle. Stattdessen steigen mir Kraramelldüfte in die Nase, die durch den Duft nach Pflaumen und Feigen ergänzt werden.

Der Antrunk offenbart nur geringe Süße, aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure wirkt das Bier recht frisch. Auf der Zunge kommt der Geschmack der Trockenfrüchte in den Vordergrund, die ich auch bereits in der Nase wahrgenommen habe. Obwohl das Porter mit nur 3,5 Volumenprozenten recht leicht ist, schmeckt der Alkohol doch deutlich durch. Aber das passt recht gut zum Geschmack der Trockenfrüchte. Die Fruchtigkeit dominiert auch im Abgang, wo sie lange nachklingt.

Ich mag dieses Bier, auch wenn es für ein Porter absolut ungewöhnlich ist. Hätte ich nicht gelesen, dass es um ein Porter handelt, hätte ich es für eine Lightversion eines Barley Wine gehalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Eibau i.Sa. GmbH
Neueibauer Straße 9
02739 Eibau
www.eibauer.de

Klosterbrauerei Neuzelle – Stout Beer

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle vor mir. Das Etikett unterscheidet sich deutlich von den Etiketten der anderen Biere, gefällt mir von der Optik her erst einmal richtig gut. Lediglich die Beschriftung verwundert mich. Einerseits ist als Bierstil Stout vermerkt, weiter unten dagegen Imperial Porter. Angeboten wird das Bier von der Brauerei als Imperial Porter, weshalb ich annehme, dass dies der korrekte Bierstil ist und dementsprechend werde ich das Bier jetzt auch testen.

Schwarz und fast blickdicht steht das Bier im Glas. Nur wenn ich es gegen das Licht halte, schimmert etwas rubinrot durch. Dazu kommt eine voluminöse hellbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Jetzt hoffe ich nur, dass der Geschmack so gut ist wie die Optik.

Das Aroma wird eindeutig durch die Röststoffe dominiert. Das Bier duftet nach dunkler Schokolade. So einen würzigen Duft würde ich mir häufiger wünschen.

Der Antrunk ist recht süß, wobei die Süße gut mit der sehr schön feinperligen Kohlensäure korrespondiert. Zusammen sorgen sie für eine ungeheure Spritzigkeit. Aber richtig überraschend ist das Bier erst, als es sich im Mund verteilt hat. Es sorgt für ein samtiges Mundgefühl und während im Aroma die Schokoladennoten im Vordergrund standen zeigt sich jetzt ein kräftiger Espressogeschmack. Dazu kommt ein angenehmes Bitter, so dass der Geschmack gut ausgewogen ist. Der Abgang ist leicht bitter, er klingt aber lange nach.

Das Imperial Porter gehört mit Sicherheit zu meinen Lieblingsbieren aus Neuzelle. Es passt gut zu sahnigen Desserts.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com