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Berlin per Rad entdecken: Industriekultur trifft auf Braugeschichte

Berlin lässt sich auf viele Arten entdecken – doch diese neue Fahrradroute verbindet gleich mehrere spannende Themen: Industriegeschichte, Stadtentwicklung und Braukultur. Pünktlich zum Start der Fahrradsaison ist die Themenroute „Warmes Licht und kühles Bier“ nun vollständig ausgeschildert und lädt dazu ein, die Hauptstadt aus einer neuen Perspektive zu erleben.

25 Kilometer Zeitreise durch Berlin

Die rund 25 Kilometer lange Strecke führt durch Kreuzberg, Mitte, Wedding, Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Entlang komfortabler Wege – von Radwegen über Nebenstraßen bis hin zu Uferwegen – erleben Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt 18 Stationen der Berliner Industriekultur, von denen der Großteil unter Denkmalschutz steht.

Start- und Zielpunkt ist das Deutsches Technikmuseum, das selbst bereits ein zentraler Ort der Industriegeschichte ist. Der Weg ist klar markiert: Ein weißer Blitz auf rotem Hintergrund weist an über 80 Wegweisern und zahlreichen Plaketten zuverlässig die Richtung.

Zwischen Elektrizität und Braukunst

Thematisch schlägt die Route eine Brücke zwischen zwei prägenden Industriezweigen der Stadt: der Elektroindustrie und der Berliner Brauereigeschichte. Besonders im Prenzlauer Berg wird sichtbar, wie eng Bierproduktion und Stadtentwicklung miteinander verbunden waren.

Neben historischen Fabrikgebäuden und technischen Anlagen stehen auch ehemalige Brauereien auf dem Programm – Orte, an denen einst das „kühle Bier“ für die wachsende Metropole produziert wurde.

Entspannt entdecken – mit Pausen

Die Route richtet sich bewusst an ein breites Publikum und gilt als leicht zu bewältigen. Unterwegs laden mehrere Gaststätten an historischen Standorten zu Pausen ein – ideal, um die Eindrücke sacken zu lassen oder einfach ein Bier zu genießen.

Alle wichtigen Informationen zur Strecke sind flexibel verfügbar: als Flyer, PDF, GPX-Track oder über Navigations-Apps wie komoot.

Industriekultur neu erleben

Hinter dem Projekt steht das Berliner Zentrum Industriekultur in Zusammenarbeit mit Partnern wie infraVelo, dem Berliner Senat und visitBerlin. Ziel ist es, die oft übersehenen Spuren der Industrialisierung sichtbar und erlebbar zu machen.

Joseph Hoppe vom bzi bringt es auf den Punkt: Die beeindruckenden Gebäude seien zwar im Stadtbild präsent, ihre Geschichten jedoch oft verborgen. Erst durch die Verbindung der Orte zu einer Route werde das Gesamtbild verständlich.

Neben dem kulturellen Mehrwert steht auch der Gedanke des nachhaltigen Tourismus im Fokus. Die Route verläuft bewusst abseits klassischer Touristenpfade und bietet so neue Einblicke in die Stadt.

„Warmes Licht und kühles Bier“ ist mehr als nur eine Fahrradroute. Sie ist eine Einladung, Berlin neu zu entdecken – zwischen Backstein, Braukesseln und bewegter Geschichte. Wer sich für Bier, Stadtentwicklung oder Industriekultur interessiert, findet hier eine außergewöhnliche Tour, die Wissen, Bewegung und Genuss miteinander verbindet.

Das Ende einer Brautradition: Die Geschichte der Braunschweiger Mumme und das Aus der Brauerei Nettelbeck

Mit der Schließung der Brauerei Nettelbeck endet ein bedeutendes Kapitel deutscher Biergeschichte. Die Brauerei war die letzte, die noch die traditionsreiche Braunschweiger Mumme herstellte – ein Getränk mit Wurzeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Damit verschwindet nicht nur ein Produkt vom Markt, sondern ein Stück gelebter Braukultur.

Vom Export-Schlager zur Legende

Die Braunschweiger Mumme wurde erstmals im späten 14. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Exportgüter der Stadt. Als Mitglied der Hanse nutzte Braunschweig seine hervorragenden Handelswege, um das kräftige Bier über Hamburg und Bremen in weite Teile Europas und sogar bis nach Übersee zu verschiffen.

Besonders gefragt war die sogenannte „Schiffsmumme“, ein Bier mit extrem hoher Stammwürze und außergewöhnlicher Haltbarkeit. Diese Eigenschaften machten es ideal für lange Seereisen – selbst in tropischen Regionen blieb es genießbar.

Aufstieg und Fall einer Handelsikone

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Mumme jedoch auch Rückschläge. Handelskonflikte, politische Umbrüche und insbesondere der Dreißigjährige Krieg führten zu einem massiven Einbruch des Bierexports. Mit dem Niedergang der Hanse verlor auch die Mumme zunehmend an Bedeutung.

Ab dem 18. und spätestens im 19. Jahrhundert wandelte sich das Produkt grundlegend: Aus dem einstigen Starkbier wurde ein alkoholfreier Malzextrakt. Der Fokus verlagerte sich von Genuss hin zu gesundheitlichen Aspekten. Mumme galt fortan als stärkendes Nahrungsmittel und wurde sogar medizinisch empfohlen.

Die Brauerei Nettelbeck: Eine wechselvolle Geschichte

Die Geschichte der Brauerei Nettelbeck ist eng mit der Mumme verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte sie zu den wenigen Betrieben, die dieses besondere Getränk herstellten. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, interne Konflikte und Eigentumsstreitigkeiten prägten die Entwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte.

Nach der Jahrhundertwende kam es zu Auseinandersetzungen um Markenrechte und Besitzverhältnisse. Trotz Rückschlägen gelang es der Familie, den Namen und das Rezept zu sichern und die Produktion fortzuführen.

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg markierte einen dramatischen Einschnitt. Rohstoffknappheit schränkte die Produktion stark ein, und 1944 wurde das Geschäftshaus bei einem Luftangriff vollständig zerstört.

Nach Kriegsende kämpften die Erbinnen Elsa und Margarethe Nettelbeck vergeblich um einen Wiederaufbau am ursprünglichen Standort. Schließlich verkauften sie das Unternehmen 1947 an Leo Basilius, der eine neue Produktionsstätte in Braunschweig errichtete. Bereits 1949 wurde dort wieder Mumme gebraut.

Bis zum Schluss wurde die Braunschweiger Mumme von der Familie Basilius produziert und weitergeführt.

Das endgültige Aus

Mit der Einstellung des Betriebs der Brauerei Nettelbeck endet nun endgültig die Geschichte der letzten Mumme-Brauerei. Bereits zuvor waren andere Produzenten verschwunden – nun schließt auch der letzte Betrieb, der diese historische Spezialität noch hergestellt hat.

Damit verliert die deutsche Bierlandschaft ein einzigartiges Kulturgut. Die Mumme war mehr als nur ein Getränk: Sie war Handelsware, Nahrungsmittel, Medizin und Identitätsträger einer ganzen Region. Aktuell werden noch vorhandene Restbestände über den Webshop des Unternehmens verkauft.

Ein Stück Biergeschichte verschwindet

Die Geschichte der Braunschweiger Mumme zeigt eindrucksvoll, wie eng Bier mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen verknüpft ist. Vom Exporterfolg der Hansezeit über medizinische Nutzung bis hin zum Nischenprodukt der Moderne – kaum ein anderes Bier hat eine vergleichbare Wandlung durchlaufen.

Mit dem Ende der Brauerei Nettelbeck bleibt die Mumme vor allem eines: ein faszinierendes Kapitel der Biergeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Das richtige Bierglas: Warum Form, Material und Details den Geschmack verändern

Wer glaubt, Bier schmecke immer gleich – unabhängig vom Glas – sollte sich selbst testen. Zwei Biere, mehrere Gläser, und plötzlich eröffnet sich eine völlig neue Geschmackswelt. Der Einfluss des richtigen Glases auf das Genusserlebnis ist enorm – oft sogar größer als beim Wein.

Selbsttest: Ein Bier, viele Eindrücke

Für den Versuch reichen zwei unterschiedliche Biere, etwa ein aromatisches Starkbier und ein schlankes Pils. Diese werden in verschiedene Glasformen eingeschenkt – idealerweise in einen Willibecher, eine Pilsstange, ein dickwandiges Henkelglas und ein feines Degustationsglas.

Das Ergebnis überrascht: Dasselbe Bier wirkt je nach Glas mal frischer, mal aromatischer, mal schwerer oder schlanker. Grund dafür ist das Zusammenspiel aus Form, Material und Haptik.

Der Trinkrand: Fein oder grob

Ein dünner Trinkrand sorgt für ein eleganteres Mundgefühl und lässt besonders feine Biere deutlich besser zur Geltung kommen. Dicke Ränder hingegen wirken grob und beeinflussen die Wahrnehmung negativ – oft, ohne dass es bewusst auffällt.

Glasstärke und Haptik

Dünnwandige Gläser lassen Bier filigraner erscheinen. Dickwandige Gläser üben hingegen Druck auf die Lippen aus und vermitteln ein schwereres, weniger feines Gefühl – noch bevor das Bier überhaupt den Mund erreicht.

Form entscheidet über Aroma

Die Glasform beeinflusst maßgeblich, wie sich Aromen entfalten. Kugelige Gläser bündeln Duftstoffe und halten sie länger im Glas – ideal für intensive Biere. Schlanke Gläser hingegen betonen Frische und Klarheit, was besonders bei hellen Bieren wie Pils oder Hellem zur Geltung kommt.

Kohlensäure und Frische

Die Höhe des Glases spielt eine entscheidende Rolle für die Frische. In hohen Gläsern – etwa bei Weißbier – muss die Kohlensäure einen längeren Weg zurücklegen, was das Bier länger lebendig hält.

Zusätzliche Effekte entstehen durch die Glasoberfläche: Mikroskopisch kleine Unebenheiten fördern die Bildung von Kohlensäurebläschen. Ein sogenannter Moussierpunkt am Glasboden verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Stilgerecht genießen

Ein universelles Bierglas gibt es nicht. Jeder Bierstil stellt andere Anforderungen:

  • Aromatische, starke Biere profitieren von bauchigen Gläsern
  • Helle, klare Biere wirken in schlanken Gläsern eleganter
  • Kräftige Biere werden in kleineren Mengen und entsprechend kleineren Gläsern serviert
  • Hefetrübe Weißbiere benötigen hohe, schlanke Gläser für optimale Frische

Auch die Frage, ob ein Glas einen Stiel hat, ist relevant: Ein Stiel verhindert das Erwärmen durch die Hand und sorgt für ein saubereres Erscheinungsbild.

Schaum als Geschmacksträger

Die Schaumkrone beeinflusst den ersten Eindruck stärker als gedacht. Je nachdem, wie viel Schaum vorhanden ist und welchen Weg das Bier durch ihn nimmt, verändert sich die Wahrnehmung deutlich.

Auch Zapfstile spielen hier eine Rolle: Vom „Schnitt“ in München bis zu tschechischen Varianten wie „Kross“ oder „Milchig“ – unterschiedliche Schaumanteile erzeugen unterschiedliche Geschmackserlebnisse.

Das Bierglas ist weit mehr als nur ein Gefäß. Form, Material, Wandstärke und sogar kleinste Details beeinflussen Aroma, Mundgefühl und Gesamteindruck erheblich. Wer Bier bewusst genießen möchte, sollte dem Glas genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Inhalt.

„Know Your Beer“: Mehr Transparenz für Biertrinker in Europa

Wissen Sie eigentlich genau, was in Ihrem Bier steckt? Zutaten, Herkunft, Alkoholgehalt oder Frische – all das sind Informationen, die oft auf dem Etikett stehen, aber nicht immer leicht zu verstehen sind. Genau hier setzt das neue europäische Portal „Know Your Beer“ an, das kürzlich im italienischen Parlament in Rom vorgestellt wurde.

Hinter der Initiative steht die European Beer Consumers‘ Union, die sich für mehr Transparenz und Verbraucherrechte im europäischen Biermarkt einsetzt. Ziel der Plattform ist es, Biertrinkerinnen und Biertrinkern verständliche, zugängliche und überprüfbare Informationen an die Hand zu geben und so das Bewusstsein für Qualität und Herkunft zu stärken.

Ein digitales Werkzeug für mehr Durchblick

Vorgestellt wurde das Portal im Rahmen der Pressekonferenz „Know Your Beer: EBCU and Unionbirrai, the new frontier of transparency“, die gleichzeitig den Auftakt zum 73. Delegiertentreffen der EBCU bildete. Gastgeber war die Unionbirrai, der Verband unabhängiger italienischer Craft-Brauereien.

Das Portal versteht sich als praktisches Werkzeug für Verbraucher. Es hilft dabei, Bieretiketten besser zu lesen und vermittelt Wissen zu sechs zentralen Themen: Alkoholgehalt und Bierstile, Zutaten und Allergene, Hersteller und Herkunft, Zertifizierungen, Frische und Rückverfolgbarkeit sowie die richtige Lagerung.

Unterstützung aus Politik und Branche

Auch politisch stößt das Thema auf breite Zustimmung. Vittorio Ferraris betonte die Rolle von Unionbirrai als Brücke zwischen Produzenten und Konsumenten und erklärte: „Heute verzeichnen wir ein Klima großer Harmonie zwischen Institutionen und Interessengruppen im Sektor: Ein geschlossenes Team wurde geschaffen, das das Wachstum des Sektors endlich mit angemessenen und modernen Vorschriften begleiten kann.“

Luca De Carlo hob insbesondere die regionale Verankerung hervor: „Die Bierlieferkette, insbesondere Craftbier, ist nicht nur wegen der Transparenz wichtig, sondern auch, weil sie tief in den Herkunftsgebieten verwurzelt ist. Nach mehr als sechzig Jahren brauchen wir moderne Gesetzgebung, die das Wachstum des Sektors begleitet und neue Möglichkeiten wie Gastfreundschaft und Biertourismus stärkt, damit vor allem kleinere Produzenten ihre Geschichte besser erzählen können.“

Auch Giorgio Salvitti unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung: „Der Biersektor ist ein strategischer Bereich für die nationale Wirtschaft. Klarheit bei Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Qualitätsmerkmalen zu gewährleisten, ist eine Verpflichtung gegenüber Verbrauchern und Markt. Wir arbeiten an neuen gesetzlichen Regelungen, die einen klaren Rahmen schaffen und die Entwicklung des Sektors fördern – auch durch die Chancen des Biertourismus.“

Zwischen Innovation und Regulierung

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Lücke zwischen digitaler Innovation und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Während Plattformen wie „Know Your Beer“ bereits moderne Lösungen für mehr Transparenz bieten, hinkt die Regulierung in vielen Bereichen noch hinterher.

Genau hier setzt das Projekt an: Es verbindet Verbraucherinteresse, digitale Möglichkeiten und politische Entwicklungen. Ziel ist es, Bier nicht nur besser zugänglich zu machen, sondern auch bewusster erlebbar.

Die 1990 in Brügge gegründete European Beer Consumers’ Union versteht sich dabei als unabhängige Stimme der Konsumenten und setzt sich für Vielfalt, Transparenz und faire Marktbedingungen im europäischen Biersektor ein.

Wenn Stammwürze zur Grillwürze wird: Bier erobert den Grill

Sobald die Tage länger werden und der Duft von Holzkohle in der Luft liegt, beginnt sie wieder: die Grillsaison. Und während Bier traditionell als Begleiter zum Grillabend fest dazugehört, entdeckt man es zunehmend auch als Zutat direkt auf dem Rost – oder besser gesagt: davor, in der Marinade.

Der Baden-Württembergischer Brauerbund zeigt, wie vielseitig Bier in der Küche eingesetzt werden kann. Denn was viele unterschätzen: Die Aromenvielfalt von Bier – von malzig über würzig bis feinherb – macht es zu einem echten Geheimtipp für raffinierte Grillgerichte.

„Bier kann viel mehr, als nur den Durst löschen“, erklärt Geschäftsführer Hans-Walter Janitz. „Unsere Brauerinnen und Brauer bringen seit Generationen höchste Qualität ins Glas – und genau diese Aromenvielfalt macht Bier auch am Grill zu einer spannenden Zutat.“

Marinade mit Charakter

Die Grundidee ist dabei denkbar einfach: Bier trifft auf klassische Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker. Daraus entsteht eine Marinade, die dem Grillgut eine zusätzliche Geschmacksebene verleiht – von würzig-malzig bis angenehm herb.

Schon wenige Minuten Kontakt reichen aus, um dem Fleisch mehr Tiefe zu geben. Wer sich jedoch Zeit nimmt, wird belohnt: Nach etwa 24 Stunden in einer kräftigen Biermarinade wird das Fleisch deutlich zarter und entwickelt eine fast schmorartige Konsistenz – direkt vom Grill.

Nicht nur für Fleisch

Biermarinaden funktionieren längst nicht nur bei klassischen Steaks. Auch Geflügel und Bratwürste profitieren von der aromatischen Würze. Besonders spannend wird es jedoch im vegetarischen Bereich: Tofu und pflanzliche Alternativen gewinnen durch die Marinade deutlich an Charakter und Tiefe.

Ein besonderer Tipp aus der Praxis sind Bier-Schmorzwiebeln vom Grill – kombiniert mit frischem Brot ein einfaches, aber überraschend intensives Geschmackserlebnis.

Genuss mit oder ohne Alkohol

Auch beim Thema Alkohol gibt es eine einfache Lösung: Die Marinade funktioniert problemlos mit alkoholfreiem Bier. In Sachen Aroma stehen diese Varianten ihren klassischen Pendants längst in nichts mehr nach.

Rezept: Bierige Grillmarinade

Zutaten (für mehrere Portionen):
100 ml Bier (Pils oder Helles, auch alkoholfrei möglich)
½ Zwiebel, fein gewürfelt
2 Teelöffel Salz
½ Teelöffel frisch gemahlener Pfeffer
Nadeln eines Rosmarinzweigs
1–2 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
1 Teelöffel Zucker

Zubereitung:
Alle Zutaten gut vermischen und nach Geschmack abschmecken. Optional sorgen ein paar Spritzer Apfelessig für zusätzliche Frische. Die Marinade anschließend für zwei bis drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

Das Grillgut je nach gewünschter Intensität kurz oder mehrere Stunden marinieren oder kräftig einreiben. Vor dem Grillen überschüssige Marinade abstreifen, um ein Anbrennen zu vermeiden.

Vom Milliarden-Traum zum Absturz

Über die Insolvenz von BrewDog habe ich bereits berichtet. Jetzt habe ich mich gefragt, wie die Insolvenz im Heimatmarkt Großbritannien gesehen wird. Während der Recherche bin ich auf einen umfangreichen Artikel gestoßen, der die Betrachtungsweise dort sehr gut darstellt. Hier die wichtigsten Punkte:

BrewDog galt lange als Paradebeispiel für die Craft-Beer-Revolution: Vom Garagen-Start-up zum Milliardenunternehmen – eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Doch genau dieser rasante Aufstieg scheint am Ende auch zum Problem geworden zu sein.

Die Gründer James Watt und Martin Dickie wollten in den 2000er-Jahren nichts weniger als die Bierwelt auf den Kopf stellen. Mit improvisierter Ausrüstung in einer Garage in Schottland gestartet, arbeiteten sie sich mit viel Energie, wenig Schlaf und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach oben. Der Durchbruch gelang mit dem Punk IPA, die schnell Kultstatus erreichte.

BrewDog inszenierte sich dabei bewusst als Gegenentwurf zur „langweiligen“ Bierindustrie. Provokante Marketingaktionen, spektakuläre PR-Stunts und eine treue Fanbasis machten die Marke groß – und laut.

Wachstum um jeden Preis

Ein zentraler Erfolgsfaktor war das Finanzierungsmodell „Equity for Punks“. Fans konnten Anteile kaufen und wurden Teil der Bewegung. Über 200.000 Investoren steckten mehr als 100 Millionen Pfund in das Unternehmen. Doch spätestens mit dem Einstieg des US-Investors TSG im Jahr 2017 änderte sich die Dynamik. Die Gründer verkauften Anteile im Wert von rund 100 Millionen Pfund und machten BrewDog gleichzeitig fit für noch schnelleres Wachstum. Neue Bars, Hotels und sogar Spirituosenprojekte schossen aus dem Boden.

Das Problem: Dieses Wachstum war teuer – und offenbar nicht nachhaltig.

Analysten sehen in dem Deal mit TSG einen Wendepunkt. Die vereinbarten Renditeerwartungen setzten BrewDog massiv unter Druck. Um Investoren zufriedenzustellen, musste das Unternehmen Jahr für Jahr stark wachsen – ein Ziel, das sich langfristig als unrealistisch herausstellte.

Erste Risse im System

Ab etwa 2017 mehrten sich die Probleme. Intern wurde von einer schwierigen Unternehmenskultur berichtet, es gab Kritik an Führungsstil und Entscheidungen. Gleichzeitig begannen die wirtschaftlichen Kennzahlen zu schwächeln. Die Pandemie verschärfte die Lage zusätzlich. Trotz sinkender Gewinne expandierte BrewDog weiter – mit großen Standorten und neuen Projekten. Rückblickend ein riskanter Kurs. Der letzte Gewinn wurde 2019 erzielt. Danach ging es wirtschaftlich bergab.

Absturz mit Ansage

2024 zog sich James Watt als CEO zurück, kurz darauf auch Martin Dickie. Das einstige Gründerduo, das BrewDog groß gemacht hatte, war nicht mehr operativ an Bord.

Die Schuldenlast wuchs, Kredite mussten bedient werden, und immer mehr Bars wurden geschlossen. Schließlich kam es, wie es kommen musste: BrewDog rutschte in die Insolvenzverwaltung. Teile des Unternehmens – darunter die Brauerei in Ellon und einige Bars – wurden für rund 33 Millionen Pfund verkauft. Viele andere Standorte mussten schließen, hunderte Mitarbeiter verloren ihren Job.

Verlierer der Entwicklung

Besonders bitter ist die Situation für die sogenannten „Equity Punks“. Viele der Kleinanleger werden wohl keinen Cent ihrer Investitionen wiedersehen. Auch für die Belegschaft ist der Absturz hart: Entlassungen, Unsicherheit und das Ende eines Unternehmens, das lange als Vorzeigeprojekt galt.

James Watt selbst räumte inzwischen Fehler ein. Das Unternehmen sei „zu schnell gewachsen“ und habe sich „zu breit aufgestellt“. Gleichzeitig bleibt Kritik laut, dass die Gründer sich frühzeitig finanziell abgesichert haben.

Fazit: Lehrstück der Craft-Beer-Szene

In Großbritannien wird der Fall BrewDog vielfach als warnendes Beispiel gesehen: für übermäßigen Expansionsdrang, überhöhte Bewertungen und die Risiken von Investoren-getriebenem Wachstum. Was bleibt, ist eine Marke, die die Bierwelt nachhaltig geprägt hat – aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie schnell ein Höhenflug enden kann. Oder anders gesagt: Viel Punk, viel Pathos – und am Ende eine Bruchlandung.

Hallertau entdecken: Zwischen Hopfengärten, Bierkultur und bayerischer Idylle

Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern/Stolz

Schon die alten Ägypter wussten offenbar: Mit Hopfen schmeckt Bier einfach besser. Seitdem ist die Pflanze aus dem Brauprozess nicht mehr wegzudenken – und wenn es um besonders hochwertigen Hopfen geht, führt kein Weg an der Hallertau vorbei. Das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt liegt in Bayern und liefert das berühmte „grüne Gold“, das in über 100 Länder exportiert wird. Kurz gesagt: Ein großer Teil dessen, was weltweit gut schmeckt, hat hier seine Wurzeln.

Doch die Hallertau kann mehr, als nur Bier veredeln. Sie ist längst auch ein Paradies für alle, die Natur, Bewegung und Genuss miteinander verbinden möchten. Zwischen Regensburg, Ingolstadt und München erstrecken sich auf rund 17.000 Hektar beeindruckende Hopfengärten. Im Sommer wachsen hier bis zu sieben Meter hohe Pflanzen in den Himmel und verwandeln die Landschaft in ein grünes Meer, das man so schnell nicht vergisst.

Wenn die Ernte beginnt, wird es geschäftig: Rund 1.000 Hopfenbetriebe holen jährlich etwa 40.000 Tonnen Hopfen ein – eine Zahl, die nicht nur beeindruckt, sondern auch zeigt, welche Bedeutung diese Region für die weltweite Bierkultur hat.

Doch anstatt nur darüber zu lesen, können Sie die Hallertau auch ganz direkt erleben. Besonders beliebt ist die rund 170 Kilometer lange Hallertauer Hopfentour. Diese führt entlang der Flusstäler von Abens und Ilm, durch Hopfengärten, kleine Dörfer und vorbei an traditionellen Gasthäusern, die förmlich nach einer zünftigen Einkehr rufen. Dank mehrerer Querverbindungen lässt sich die Strecke flexibel anpassen – egal, ob Sie gemütlich unterwegs sind oder sportliche Ambitionen haben. Alle Details zur Route finden Sie hier:
https://www.tourismus-landkreis-kelheim.de/Media/Touren/Hallertauer-Hopfentour

Wer es etwas kompakter mag, sollte sich den Erlebnispfad Hopfen und Bier nicht entgehen lassen. Auf etwa 15 Kilometern wandern Sie von Mainburg aus durch das Herz der Hallertau. Entlang des Weges vermitteln 17 Informationstafeln spannendes Wissen rund um Hopfen und Bier. Die Route führt durch das idyllische Abenstal, vorbei an Hopfengärten und durch schattige Waldabschnitte bis nach Ratzenhofen. Dort wartet zur Belohnung ein Biergarten unter Kastanienbäumen – genau der richtige Ort, um das Erlebte direkt im Glas zu überprüfen. Mehr Informationen gibt es hier:
https://www.rauszeit.bayern/de/tour/themenweg/erlebnispfad-hopfen-bier/18988460

Und falls nach der Einkehr die Motivation für den Rückweg etwas nachlässt, wurde auch daran gedacht: Im Sommer bringt ein Freizeitbus müde Wanderer bequem zurück.

Die Hallertau ist also weit mehr als nur ein Lieferant für hervorragenden Hopfen. Sie ist eine Region, in der Bierkultur, Natur und bayerische Lebensart aufeinandertreffen. Oder anders gesagt: Hier schmeckt das Bier nicht nur gut – hier sieht es auch noch verdammt gut aus.

Italien entdeckt den Biertourismus – neue Gesetze sollen Craft-Brauereien stärken

In Italien wird Bier zunehmend als kulturelles und wirtschaftliches Gut entdeckt. Während der Weintourismus dort schon lange ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft ist, soll nun auch das Craft-Bier stärker in den Fokus rücken. Mehrere Änderungsanträge zum Gesetzesentwurf „Coltiva Italia“ sollen den italienischen Craft-Bier-Sektor gezielt fördern – und stoßen beim Branchenverband der unabhängigen Brauereien, Unionbirrai, auf große Zustimmung.

Die Vorschläge reichen von steuerlichen Erleichterungen bis hin zu einer ganz neuen Idee: dem Biertourismus. Dahinter steckt ein Konzept, das sich stark am erfolgreichen Weintourismus orientiert.

Biertourismus nach dem Vorbild des Weins

Ein zentraler Punkt der Gesetzesänderungen ist die Einführung eines eigenen Artikels zum Biertourismus. Die Idee dahinter ist relativ einfach: Bier soll ähnlich wie Wein stärker als touristisches Erlebnis vermarktet werden.

Geplant sind beispielsweise:

  • Besichtigungen von Brauereien und Produktionsstätten
  • Besuche von Gersten- und Hopfenfeldern
  • Bierverkostungen direkt beim Hersteller
  • Kombination von Bier und regionaler Gastronomie
  • Bildungsangebote und Freizeitveranstaltungen rund ums Brauen

Damit würde Bier offiziell Teil touristischer Erlebnisangebote werden. Besonders interessant ist außerdem ein weiterer Vorschlag: Die bestehenden Regelungen für sogenannte „Weinstraßen“ sollen auf Bier ausgeweitet werden. Das würde bedeuten, dass es künftig auch offiziell organisierte Bierstraßen geben könnte – also touristische Routen, die mehrere Brauereien, regionale Produkte und gastronomische Angebote miteinander verbinden. Bier würde damit im Hinblick auf regionale Vermarktung praktisch auf eine Stufe mit Wein gestellt.

Mehr Freiheiten für Mikrobrauereien

Neben dem Tourismus sollen auch kleine Brauereien stärker unterstützt werden. Ein weiterer Änderungsantrag sieht vor, Mikrobrauereien mehr Flexibilität zu geben. Konkret geht es darum, dass Brauereien Verkauf, Gastronomie und Besucherangebote leichter direkt mit ihrer Produktion verbinden dürfen, ohne komplizierte Änderungen bei der Nutzung ihrer Gebäude beantragen zu müssen. Das würde vielen kleinen Betrieben ermöglichen, ihre Brauerei gleichzeitig als Verkaufsort, Treffpunkt und touristisches Ziel zu nutzen.

Weniger Bürokratie für kleine Brauer

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Bürokratie. Die vorgeschlagenen Änderungen sehen Vereinfachungen bei der Verwaltung und bei der Verbrauchssteuer für Mikrobrauereien vor.

Der italienische Branchenverband Unionbirrai begrüßt diese Vorschläge ausdrücklich. Laut Generaldirektor Vittorio Ferraris sei es entscheidend, die bürokratische Belastung für kleine Produzenten zu reduzieren. Nur so könnten sich Brauereien stärker auf Qualität, Innovation und regionale Entwicklung konzentrieren.

Unterstützung für die gesamte Bier-Wertschöpfungskette

Ein weiterer Punkt betrifft die Finanzierung strategischer Lieferketten. Ein entsprechender Förderfonds soll erneut mit Mitteln ausgestattet werden – und ausdrücklich auch die Brauwirtschaft einschließen. Davon könnten nicht nur Brauereien profitieren, sondern auch Landwirte, die Gerste oder Hopfen anbauen, sowie andere Teile der Produktionskette.

Der moderne italienische Craft-Bier-Sektor ist vergleichsweise jung. Erst seit rund 30 Jahren entwickelt sich dort eine eigenständige Brauszene. Trotzdem hat sie bereits eine erstaunliche Dynamik entfaltet. Viele kleine Brauereien haben enge Verbindungen zu ihrer Region aufgebaut und tragen zunehmend zur lokalen Wirtschaft und zum Tourismus bei. Genau diese Entwicklung soll durch die geplanten Gesetzesänderungen weiter gestärkt werden.

Der Branchenverband Unionbirrai will den parlamentarischen Prozess daher aufmerksam begleiten und hofft, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen verabschiedet werden.

Und Deutschland?

Während Italien darüber nachdenkt, Bier stärker in touristische Konzepte einzubinden und Mikrobrauereien gezielt zu fördern, stellt sich eine spannende Frage: Sollte es so etwas auch in Deutschland geben?

Immerhin hat kaum ein anderes Land eine so hohe Brauereidichte und eine so vielfältige Bierkultur. Bierstraßen, offiziell anerkannter Biertourismus und weniger Bürokratie für kleine Brauereien könnten auch hier neue Möglichkeiten eröffnen.

Oder funktioniert das alles ohnehin schon – nur eben ohne eigenes Gesetz?

Wenn Heimbrauer Pfandautomaten hacken: Norwegens Barcode-Lösung für Bierdosen im kritischen Blick

In Norwegen füllen mehr und mehr Hobbybrauer ihre Biere in Dosen ab. Nun ist der norwegische Heimbrauerverband Norbrygg auf eine Idee gekommen. Sie klingt zunächst sympathisch: Der Verband stellt Barcodes bereit, mit denen von Hobbybrauern selbst befüllte Aluminiumdosen über die normalen Pfandautomaten zurückgegeben werden können. Ziel ist es, dass diese Dosen nicht im Restmüll landen, sondern in das bestehende Recycling-System gelangen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine pragmatische Lösung für ein wachsendes Problem. Bei näherer Betrachtung wirft die Initiative jedoch einige Fragen auf.

Zunächst zeigt die Maßnahme ein strukturelles Problem moderner Getränkekultur: Die Einwegdose setzt sich auch im Hobbybereich zunehmend durch. Während früher Heimbrauer überwiegend Mehrwegflaschen verwendeten, greifen heute viele zu Dosen – nicht zuletzt, weil sie leichter und lichtundurchlässig sind. Dass nun ein eigener Barcode nötig wird, um diese Verpackung überhaupt halbwegs sinnvoll entsorgen zu können, verdeutlicht, wie stark sich auch das Hobbybrauen in Richtung Einweglogik bewegt.

Das norwegische Pfandsystem gilt international als Vorbild, weil es eine sehr hohe Rücklaufquote erreicht. Genau deshalb wirkt es paradox, dass für Heimbrauer erst ein spezieller Workaround geschaffen werden muss. Offensichtlich war das System nie dafür gedacht, privat befüllte Verpackungen aufzunehmen. Die neuen Barcodes sind daher weniger eine elegante Erweiterung als vielmehr ein nachträglicher Versuch, eine Lücke zu schließen, die durch veränderte Konsum- und Verpackungsgewohnheiten entstanden ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach den Anreizen. Für die betreffenden Dosen wird ausdrücklich kein Pfand ausgezahlt. Der Barcode dient nur der Registrierung und dem Recycling. Das bedeutet, dass die Motivation zur Rückgabe ausschließlich aus Umweltbewusstsein bestehen muss (wobei ich mich ehrlich gesagt frage, woher das Umweltbewusstsein auf einmal kommen soll, wenn vorher eine Einwegverpackung gewählt wurde). Während das bei engagierten Heimbrauern durchaus funktionieren kann, widerspricht es der Grundidee des Pfandsystems, das gerade über finanzielle Anreize hohe Rücklaufquoten erzielt. Ohne diesen Anreiz könnte die Rückgabequote deutlich niedriger ausfallen.

Auch organisatorisch ist das Modell nicht völlig unproblematisch. Wenn jeder Heimbrauer denselben Barcode verwenden kann, stellt sich die Frage, wie genau die Rückführung der Materialien tatsächlich erfasst wird. Das System registriert zwar eine Dose, aber nicht deren Herkunft. Für das Recycling selbst spielt das möglicherweise keine große Rolle – für eine saubere Systemintegration hingegen schon.

Hinzu kommt eine grundsätzliche ökologische Debatte: Aluminium ist zwar theoretisch nahezu unbegrenzt recycelbar, seine Herstellung ist jedoch äußerst energieintensiv. Selbst wenn Recycling die Umweltbilanz deutlich verbessert, bleibt die Dose eine Einwegverpackung mit relativ hohem Ressourcenaufwand. Kritiker könnten daher argumentieren, dass eine stärkere Förderung von Mehrwegflaschen im Heimbraubereich langfristig nachhaltiger wäre als die Integration zusätzlicher Einwegströme in bestehende Recyclingstrukturen.

Gleichzeitig sollte man die positiven Aspekte der Initiative nicht völlig übersehen. Wenn Aluminiumdosen ohnehin im Umlauf sind, ist es selbstverständlich sinnvoll, sie möglichst effizient in den Materialkreislauf zurückzuführen. Die Kooperation zwischen Norbrygg, dem Pfandsystembetreiber Infinitum und GS1 Norway zeigt außerdem, dass sich auch vergleichsweise kleine Interessengruppen konstruktiv in nationale Recyclingstrukturen einbringen können.

Die Maßnahme ist daher kein großer Durchbruch, eher ein grundsätzlicher Fehltritt. Wir können sie bestenfalls als einen pragmatischen Kompromiss betrachten: eine technische Lösung für ein Problem, das aus veränderten Verpackungsgewohnheiten entstanden ist. Ob sie langfristig erfolgreich ist, wird davon abhängen, ob Heimbrauer die Barcodes tatsächlich nutzen – und ob die Diskussion über Verpackungen im Hobbybraubereich dadurch nicht erst richtig beginnt.

Der Untergang der großen Biergötter?

Es gibt Momente, in denen man das Gefühl bekommt, die klassischen Industriebrauereien erleben gerade ihre eigene Götterdämmerung. Während früher riesige Braukonzerne den Markt nach Belieben formten, stolpern heute selbst die größten Namen über schrumpfende Absätze, missglückte Produkte und sehr teure Strategien.

In den USA trifft es gerade fast alle: Anheuser-Busch InBev verkauft mühsam aufgebaute Markenstrukturen, Molson Coors baut Stellen ab und schließt Traditionsbrauereien, Pabst kämpft mit einem misslungenen Light-Bier, und andere Konzerne versuchen verzweifelt, ihre Zielgruppen wiederzufinden. Kurz gesagt: Die Zeit, in der ein bekanntes Logo automatisch volle Einkaufswagen bedeutete, ist vorbei.

Und mittendrin steht Heineken.

Der niederländische Brauriese veröffentlichte seine Geschäftszahlen für 2025 – global sind sie gar nicht so katastrophal. Weltweit sank das Absatzvolumen nur leicht, während Umsatz und Erlös pro Hektoliter sogar etwas stiegen. Man könnte also sagen: international läuft es noch halbwegs rund.

In den USA gingen dagegen Umsatz und Absatz deutlich zurück, im Handel um rund acht bis neun Prozent. Besonders bitter: Selbst das klassische Heineken-Lager verlor spürbar an Bedeutung. Für eine Marke, die jahrzehntelang praktisch das Synonym für „importiertes Premiumbier“ war, ist das ein ernstes Warnsignal.

Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Heineken will weltweit etwa 5.000 bis 6.000 Stellen streichen. Offiziell heißt das Produktivitätsprogramm. Inoffiziell heißt das: Sparmodus.

Heineken hatte in den USA schon immer eine besondere Rolle. Als einziger großer europäischer Player in den Top Fünf lebte man lange davon, „das internationale Bier“ zu sein. Jahrzehntelang überließ man den Markenaufbau sogar einem Importeur in New York, bevor man in den 1990ern selbst aktiv wurde.

Die ersten eigenen Ideen waren allerdings recht mutig. Neue Varianten, ungewöhnliche Flaschenformate und Experimente, die niemand wirklich wollte. Später lief es besser. Vor allem der Kauf der mexikanischen Marken Dos Equis, Tecate und Sol brachte frischen Wind. Die legendäre Werbung rund um den „interessantesten Mann der Welt“ machte Dos Equis zeitweise zu einem echten Hit.

Nur leider hielt man zu lange daran fest. Als die Kampagne schließlich endete, verschwand auch ein großer Teil der kulturellen Strahlkraft. Heute kämpfen die Marken eher mit rückläufigen Verkäufen.

Das Kernproblem ist simpel: Heineken muss genug Menschen beim klassischen Heineken halten, während neue Produkte die Verluste ausgleichen sollen. Genau das klappt bislang nur teilweise.

Alkoholfrei funktioniert überraschend gut. Heineken 0.0 verkauft sich stabil und ist in seinem Segment sogar führend – allerdings ist der alkoholfreie Markt in den USA im Vergleich zum Gesamtbiermarkt noch recht klein.

Andere Versuche wirken weniger überzeugend. Heineken Silver sollte eine Art Antwort auf leichte Fitness-Biere sein, kam in den USA aber kaum in Fahrt. Viele Biertrinker haben die schlanke Dose vermutlich noch nie bewusst gesehen. Gleichzeitig verändert sich die Konsumlandschaft: weniger Bier insgesamt, mehr Vielfalt, stärkere Konkurrenz durch andere Getränke.

Für Heineken bedeutet das: Die Marke bleibt wichtig, aber ihre frühere Selbstverständlichkeit existiert nicht mehr. Früher bestellte man in den USA „ein Heineken“, wenn man etwas Internationales wollte. Heute stehen daneben zehn andere Optionen – und einige davon sind regional, alkoholfrei oder gar kein Bier.

Oder anders gesagt: Früher musste Heineken nur präsent sein, um verkauft zu werden. Heute muss es wieder interessant werden. Und das ist deutlich schwieriger, als einfach ein neues Etikett zu drucken.