
Die belgische Brouwerij Deca hat ihren Sitz in Woesten, einem Ortsteil der Gemeinde Vleteren in Westflandern. Die Brauereigeschichte am heutigen Standort reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Seit 1980 ist die Familie Christiaens mit dem Betrieb verbunden, heute führt Nicolas Christiaens die Brauerei in fünfter Generation der Brauerfamilie. Neben klassischen belgischen Bieren entstehen bei Deca auch kräftige Spezialitäten und fassgereifte Biere. Eine Besonderheit ist die über 100 Jahre alte Maischpfanne, die noch immer genutzt wird.
Heute habe ich mit dem Vleteren 8 Bruin eine besondere Spezialität im Glas. Das braune Bier reift ein ganzes Jahr in Eichenfässern. Während dieser Zeit wird eine kleine Menge Portwein hinzugefügt. Laut Brauerei soll dadurch das ursprünglich getreidige Aroma allmählich von fruchtigen Noten sowie den Düften des Weins und des Eichenholzes abgelöst werden. Das klingt spannend, denn bei einer solchen Reifung darf man durchaus mit einem vielschichtigen Geschmackserlebnis rechnen.
In sehr dunklem Rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas. Ich könnte auch sagen, es ist fast schwarz. Darüber prangt eine elfenbeinfarbene feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei also alles richtig gemacht.
Schon beim ersten Schnuppern zeigt das Bier, dass es einiges zu erzählen hat. Dunkle Schokolade steht im Vordergrund, dazu kommen deutliche Holznoten und der Eindruck von Kandis. Dahinter entdecke ich eine kräuterartige Note, die mich ein wenig an Pfefferminze erinnert. Eine leichte Säure sorgt für zusätzliche Spannung, während der Alkohol dezent aus dem Hintergrund grüßt. Das Aroma wirkt kräftig und komplex, ohne dass sich eine einzelne Komponente vollständig in den Vordergrund drängt.
Der Antrunk überrascht zunächst mit einer spritzigen Süße. Das Bier wirkt lebendig und keineswegs schwerfällig, obwohl die lange Fassreifung und der Portwein bereits eine gewisse Fülle erwarten lassen. Auf der Zunge übernehmen dann die Röstaromen das Kommando. Die Süße bleibt erhalten und trägt die dunkle Schokolade, während eine angenehme Bittere für einen willkommenen Gegenpol sorgt. Dazu gesellen sich die würzigen Noten der Eiche. Das Mundgefühl ist weich und rund, und auch der Alkohol fügt sich gut ein. Er unterstützt den kräftigen Charakter, ohne sich unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Im Abgang wird das Vleteren 8 Bruin noch einmal intensiver. Die Bittere nimmt zu, dunkle Schokolade und Holz werden kräftiger und bleiben lange präsent. Besonders die Eiche scheint sich mit jedem Moment mehr Raum zu verschaffen. Der Nachklang ist ausgesprochen lang und entwickelt sich beinahe zu einem eigenen Geschmackserlebnis. Selbst wenn der letzte Schluck längst getrunken ist, bleibt der Eindruck des Holzes noch eine ganze Weile bestehen.
Das Vleteren 8 Bruin ist ein Bier, für das man sich Zeit nehmen sollte. Die einjährige Reifung im Eichenfass und die Zugabe von Portwein sorgen für ein spannendes Zusammenspiel aus dunkler Schokolade, Süße, Röstaromen und würzigen Holznoten. Besonders gefällt mir, wie sich die Eiche im langen Nachklang immer weiter in den Vordergrund schiebt. Wer kräftige, fassgereifte Biere mag und Freude daran hat, unterschiedliche Aromen Schluck für Schluck zu entdecken, sollte diese belgische Spezialität unbedingt einmal probieren.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Kandiszucker, Hopfen, Kräuter, Portwein, Honig
Alkoholgehalt:
8 % Vol.
Bittereinheiten:
25 IBU
Empfohlene Genusstemperatur:
5° – 7° Celsius
Brauerei:
Deca-Brauerei
Elverdingestraat 4
8640 Vleteren (Woesten)
https://decabrouwerij.be/