
Die Geschichte der Brauerei Broeder Jacob beginnt mit einer Leidenschaft für belgisches Bier und einer Melodie, die wohl fast jeder kennt. „Bruder Jakob“ beziehungsweise „Frère Jacques“ ist ein weltweit verbreitetes Kinderlied. In Tongeren, der ältesten Stadt Belgiens, wurde daraus die Inspiration für eine Biermarke, die inzwischen weit mehr als nur zwei klassische belgische Bierspezialitäten zu bieten hat.
Gegründet wurde Broeder Jacob 2010 von Johan Claes. Zunächst ließ er seine Biere bei anderen Brauereien herstellen, unter anderem durch die Brasserie du Bocq und später durch die Brouwerij Anders!. Ende 2022 erfüllte sich schließlich der Traum von einer eigenen Braustätte: Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jacob Oostra übernahm Claes die ehemalige Brauerei Amburon in Tongeren. Die Anlagen wurden anschließend überarbeitet und erweitert.
Broeder Jacob verbindet auf diese Weise die belgische Biertradition mit der Freiheit, neue Ideen auszuprobieren. Ob das auch bei dem Bier überzeugt, das heute in meinem Glas landet? Ich habe mir das Vlierbeek Rubion 5.5° eingeschenkt und bin gespannt, was mich erwartet.
Schon beim Einschenken fällt die intensive, leuchtend rote Farbe ins Auge. Das Bier sieht fast so aus, als hätte jemand einen besonders reifen Kirschsaft ins Glas gefüllt. Dazu bildet sich ein hellrosa Schaum, der zunächst recht schnell zusammenfällt. Ein kleiner Rest bleibt jedoch erhalten und hält sich erfreulich lange. Optisch ist das Vlierbeek Rubion jedenfalls ein Hingucker.
Auch beim Duft gibt es zunächst kein Vertun: Kirsche, Kirsche und nochmals Kirsche. Das Aroma ist ausgesprochen intensiv und drängt sich geradezu in den Vordergrund. Allerdings verfliegt dieser erste Eindruck relativ schnell. Nach und nach nehme ich auch das Malz wahr, doch es bleibt dezent im Hintergrund. Bei der Intensität des Kirschdufts frage ich mich unwillkürlich, ob hier mit Aroma nachgeholfen wurde. Allein anhand der Nase lässt sich das natürlich nicht sicher beurteilen.
Dann folgt der erste Schluck. Die Kohlensäure sorgt für eine lebendige Frische auf der Zunge und bringt ordentlich Bewegung ins Spiel. Angesichts des intensiven Kirschdufts hatte ich mit einem ziemlich süßen Bier gerechnet. Doch da überrascht mich das Vlierbeek Rubion positiv: Es schmeckt weniger süß, als ich befürchtet hatte.
Die Kirsche bleibt geschmacklich zwar eindeutig im Mittelpunkt, wirkt dabei aber nicht unangenehm künstlich. Das Bier vermittelt insgesamt einen recht natürlichen Eindruck. Vom Malz ist nur wenig zu spüren, und auch die Bittere spielt praktisch keine Rolle. Wer bei einem Bier eine ausgeprägte Hopfenbittere sucht, wird hier also nicht fündig. Ebenso fehlt das Marzipanaroma, das ich bei einem Kirschbier durchaus hätte erwarten können. Stattdessen konzentriert sich das Vlierbeek Rubion auf seine fruchtige Kirschseite.
Der Körper bleibt dabei angenehm unkompliziert. Das Bier versucht nicht, durch zusätzliche Geschmackseindrücke besonders komplex zu wirken, sondern setzt ganz auf die Frucht. Auch im Abgang bleibt es mild. Die Kirsche klingt sanft aus, ohne dass eine ausgeprägte Bittere oder andere kräftige Aromen nachdrängen.
Was würde ich dazu essen? Ein Nusskuchen könnte mit seinen nussigen und leicht röstigen Noten einen schönen Gegenpol zur Kirsche bilden. Auch Marzipan kann ich mir als Begleiter gut vorstellen. Gerade die Kombination aus Mandelaroma und Kirsche könnte spannend sein, selbst wenn ich im Bier selbst keine Marzipannoten finde.
Das Vlierbeek Rubion 5.5° ist ein Bier für alle, die es fruchtig mögen und sich gern auf ein deutliches Kirscharoma einlassen. Die leuchtend rote Farbe macht schon optisch neugierig, und die lebendige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier trotz seiner Fruchtigkeit nicht zu schwer wirkt. Besonders angenehm finde ich, dass es weniger süß schmeckt, als ich zunächst erwartet hatte. Wer komplexe Malzaromen, eine ausgeprägte Bittere oder vielschichtige Geschmackseindrücke sucht, wird hier allerdings eher enttäuscht. Für mich ist das Vlierbeek Rubion eine unkomplizierte belgische Bierspezialität, die ihre Kirschfrucht selbstbewusst in den Mittelpunkt stellt.
Alkoholgehalt:
5,5 % Vol.
Bittereinheiten:
25 IBU
Farbe:
11 EBC
Brauerei:
Broeder Jacob
Hasseltsesteenweg 617
3700 Tongeren
Belgien
www.broederjacob.be