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Eichbaum bleibt als Marke erhalten – Mannheimer Brauerei schließt nach fast 350 Jahren – Bierzirkus

Eichbaum bleibt als Marke erhalten – Mannheimer Brauerei schließt nach fast 350 Jahren

Die Eichbaum-Brauerei aus Mannheim wird Ende September geschlossen. Park & Bellheimer übernimmt die Marke und führt Eichbaum-Biere künftig weiter.

Fast 350 Jahre nach ihrer Gründung endet die Geschichte der Eichbaum-Brauerei als eigenständige Braustätte. Die insolvente Mannheimer Traditionsbrauerei wird ihren Betrieb zum 30. September 2026 einstellen. Ganz verschwinden soll Eichbaum allerdings nicht: Zum 1. Oktober übernimmt die Park & Bellheimer AG aus Pirmasens das Markengeschäft. Die Eichbaum-Biere sollen damit auch künftig erhältlich sein – gebraut werden sie allerdings nicht mehr in Mannheim.

Für eine Brauerei, deren Geschichte bis ins Jahr 1679 zurückreicht, ist das ein tiefer Einschnitt. Eichbaum gehört zu den ältesten noch bekannten Biermarken Deutschlands und war über Jahrhunderte eng mit Mannheim verbunden.

Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1679 zurück

Die Geschichte von Eichbaum beginnt am 3. Oktober 1679. An diesem Tag erhielt der aus Richebourg in der Picardie stammende Jean de Chaine vom Mannheimer Rat die Genehmigung, in seinem Haus eine Brauwirtschaft zu betreiben. Er durfte dort ein Schild mit dem Namen „Zum Aichbaum“ anbringen.

De Chaine war einer von zahlreichen wallonischen beziehungsweise hugenottischen Einwanderern, die sich im 17. Jahrhundert in Mannheim niederließen. Der Name Eichbaum geht dabei auf den Familiennamen des Gründers zurück: Chêne beziehungsweise Chaine bedeutet im Französischen Eiche.

Das „Zum Aichbaum“ genannte Wirtshaus befand sich in der heutigen Mannheimer Innenstadt im Quadrat Q 5. Damals gehörten Brauen und Ausschank noch unmittelbar zusammen. Die Brauerei war also zunächst keine industrielle Produktionsstätte, sondern eine typische Hausbrauerei mit angeschlossener Gastwirtschaft.

Die junge Brauerei erlebte allerdings schon früh eine schwere Zäsur. 1689 wurde Mannheim im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Auch die Brauerei und die Schankwirtschaft wurden dabei vernichtet. Erst 1717 entstand unter Johannes Blanckart wieder eine Brauerei unter dem Namen „Zum grünen Eichbaum“. In dieser Tradition steht die heutige Eichbaum-Brauerei.

Vom Wirtshaus zur großen Brauerei

Über viele Generationen wuchs das Unternehmen. Einen entscheidenden Schritt machte Eichbaum im 19. Jahrhundert. Die zunehmende Produktion sprengte schließlich die Möglichkeiten des Standorts in der Mannheimer Innenstadt.

1873 wurde die Braustätte deshalb an die Käfertaler Straße im Stadtteil Wohlgelegen verlegt. Das Stammhaus in der Innenstadt blieb als Ausschank bestehen. Damit wurde die bis dahin übliche Verbindung von Brauerei und Gastwirtschaft endgültig aufgelöst.

Der neue Standort sollte für Eichbaum über 150 Jahre lang die Heimat bleiben.

Technischer Fortschritt spielte bei der Entwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle. Im 19. Jahrhundert ermöglichten Kältemaschinen eine unabhängigere und ganzjährige Bierproduktion. Eichbaum konnte damit den Schritt von der traditionellen Brauwirtschaft zum modernen Brauunternehmen vollziehen.

Aus der kleinen Brauwirtschaft „Zum Aichbaum“ war längst eine bedeutende Mannheimer Brauerei geworden.

Eichbaum wächst über Mannheim hinaus

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Eichbaum zu einem großen regionalen Getränkehersteller. Die Brauerei übernahm andere Unternehmen und Marken und weitete ihr Geschäft deutlich aus. 1973 beispielsweise übernahm Eichbaum sämtliche Anteile an der Mannheimer Brauerei Durlacher Hof. Aus deren ehemaligem Brauereiausschank entstand das heutige Eichbaum-Brauhaus.

Auch über die Region hinaus wurde Eichbaum aktiv. Zu den bekannteren Entwicklungen der jüngeren Unternehmensgeschichte gehörte die Übernahme der Marke Karamalz Anfang der 2000er-Jahre. Eichbaum wurde damit zunehmend zu einem breiter aufgestellten Getränkeunternehmen.

Doch Größe allein schützt eine Brauerei nicht vor den Veränderungen des Biermarktes.

2025 beginnt das Insolvenzverfahren

Ende Oktober 2025 stellte Eichbaum einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Als Gründe wurden unter anderem rückläufige Umsätze im Export und eine gesunkene Nachfrage im Inland genannt. Die daraus entstandene Liquiditätslücke konnte letztlich nicht geschlossen werden.

Zunächst bestand noch Hoffnung auf eine Rettung. Im März 2026 stimmten die Gläubiger sogar einem Fortführungskonzept zu, das den Einstieg eines Investors vorsah. Dieser sollte wesentliche Vermögenswerte übernehmen und die Brauerei stabilisieren.

Die Lösung erwies sich jedoch als nicht tragfähig.

Im Juli stand deshalb fest, dass die Produktion in Mannheim eingestellt werden muss. Rund 240 Beschäftigte waren zuletzt noch betroffen. Die verbliebenen Aufträge sollten bis Ende September abgearbeitet werden, anschließend sollte die Brauerei kontrolliert abgewickelt werden.

Damit schien zunächst auch das Ende der Marke Eichbaum absehbar.

Die Marke überlebt die Brauerei

Nun gibt es zumindest für den Namen eine andere Perspektive.

Der Gläubigerausschuss hat am 8. September dem Verkauf des Eichbaum-Markengeschäfts an die Park & Bellheimer AG zugestimmt. Das Unternehmen aus Pirmasens soll die Marke zum 1. Oktober 2026 übernehmen. Dafür wird eine neue Eichbaum-Vertriebs GmbH mit Sitz in Mannheim gegründet, die vollständig zu Park & Bellheimer gehören soll.

Für die Biertrinker bedeutet das: Eichbaum verschwindet nicht aus den Regalen und der Gastronomie. Die bekannten Produkte sollen weiterhin angeboten werden. Zu den Marken, die erhalten bleiben sollen, gehört beispielsweise das Eichbaum Ureich.

Gebraut wird künftig allerdings nicht mehr in Mannheim. Die Produktion der Eichbaum-Biere soll zunächst in der Pfalz erfolgen. Damit bleibt zwar die Marke erhalten, ihre jahrhundertealte Verbindung zum Mannheimer Braustandort endet jedoch.

Fast 350 Jahre Eichbaum – aber keine Brauerei mehr in Mannheim

Genau darin liegt die besondere Tragik der aktuellen Entwicklung. Eichbaum bleibt dem Namen nach bestehen, doch das Unternehmen, das seit dem 19. Jahrhundert am Standort Wohlgelegen gebraut hat, wird es dort nicht mehr geben.

Fast 350 Jahre nach Jean de Chaines erster Brauwirtschaft „Zum Aichbaum“ endet damit ein Kapitel Mannheimer Biergeschichte. Von der kleinen Schankwirtschaft im heutigen Quadrat Q 5 über die industrielle Brauerei an der Käfertaler Straße bis zur heutigen Insolvenz hat Eichbaum mehrere Jahrhunderte deutscher Geschichte überstanden.

Kriege, wirtschaftliche Krisen, technische Umbrüche und Veränderungen des Biermarktes konnten die Marke bislang nicht zu Fall bringen. Die aktuelle Krise schafft nun allerdings einen Einschnitt, den es in dieser Form noch nicht gegeben hat: Die Marke Eichbaum überlebt – die Brauerei Eichbaum nicht.

Für Mannheim ist das zumindest ein kleines Hoffnungszeichen. Oberbürgermeister Christian Specht bezeichnete den Erhalt der Traditionsmarke trotz der Betriebseinstellung als solches. Für die Beschäftigten und den Brauereistandort ist die Nachricht dagegen kein Grund zur Entwarnung. Die Arbeitsplätze und die Produktion in Mannheim gehen mit dem Ende des Betriebs verloren.

Eichbaum wird also auch nach dem 30. September noch auf Bierflaschen und in Getränkeregalen zu finden sein. Wer allerdings künftig ein Eichbaum-Bier trinkt, trinkt damit nicht mehr ein Bier, das in Mannheim gebraut wurde. Und genau das dürfte für viele langjährige Eichbaum-Fans die eigentliche Tragik sein.

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