Giesinger Bräu hat bei seinem Bürgerbegehren für eine Zulassung zum Münchner Oktoberfest offenbar einen wichtigen Zwischenstand erreicht. Nach einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal hat die Münchner Brauerei inzwischen rund 21.000 Unterschriften gesammelt. Ziel der Kampagne ist es, ab 2027 den Ausschank von Giesinger Bier auf der Wiesn zu ermöglichen.
Damit ist das Bürgerbegehren zwar noch nicht erfolgreich abgeschlossen, doch die Brauerei hat einen erheblichen Teil des notwendigen Weges zurückgelegt. Nach Angaben von Giesinger Bräu werden für ein erfolgreiches Bürgerbegehren in München rund 34.000 gültige Unterschriften benötigt. Die Brauerei selbst hatte für die Sammlung ursprünglich mit einem Ziel zwischen 30.000 und 40.000 Unterschriften gerechnet.
Giesinger will ab 2027 auf die Wiesn
Die Frage des von Giesinger Bräu angestrebten Bürgerentscheids ist klar formuliert: Die Münchnerinnen und Münchner sollen darüber entscheiden, ob die Landeshauptstadt ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesinger Bräu auf dem Oktoberfest erlauben soll.
Der Vorstoß richtet sich gegen die bisherige Praxis auf dem Oktoberfest. Nach den derzeitigen Betriebsvorschriften darf dort ausschließlich Bier der sechs etablierten Münchner Traditionsbrauereien ausgeschenkt werden: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten.
Giesinger Bräu will diese Regelung nicht durch eine Vergrößerung des Oktoberfestes oder durch ein zusätzliches Festzelt verändern. Nach Angaben der Brauerei geht es zunächst ausschließlich darum, den Ausschank von Giesinger Bier grundsätzlich zuzulassen. Wie dies konkret umgesetzt werden könnte, wäre anschließend zu entscheiden. Denkbar wäre beispielsweise eine Zusammenarbeit mit einem bereits auf dem Oktoberfest vertretenen Wirt.
Von mehr als 5.000 auf 21.000 Unterschriften
Gestartet war das Bürgerbegehren im Februar dieses Jahres. Bereits wenige Tage nach dem Beginn der Unterschriftensammlung hatte Giesinger Bräu nach Medienberichten mehr als 5.000 Unterstützer erreicht. Im März lag die Zahl nach einem Bericht der Abendzeitung bereits bei mehr als 10.000. Der nun bekannt gewordene Stand von rund 21.000 Unterschriften zeigt, dass die Kampagne in den vergangenen Monaten weiter an Unterstützung gewonnen hat.
Allerdings müssen die gesammelten Unterschriften am Ende auch gültig sein. Erst wenn die erforderliche Zahl wahlberechtigter Münchnerinnen und Münchner erreicht und die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt wurde, ist der nächste Schritt möglich.
Nach den Erläuterungen von Giesinger Bräu kann der Münchner Stadtrat das Anliegen dann selbst übernehmen. Geschieht dies nicht, muss innerhalb von drei Monaten ein Bürgerentscheid stattfinden.
Giesinger beruft sich auf „Münchner Bier“
Für Giesinger Bräu ist die Kampagne auch deshalb von Bedeutung, weil die Brauerei ihre Biere seit 2021 unter der geschützten geografischen Angabe „Münchner Bier“ führen darf. Die Brauerei sieht darin einen wichtigen Grund, die bisherige Regelung für das Oktoberfest infrage zu stellen.
Die aktuellen Oktoberfest-Regeln gehen jedoch über die geschützte geografische Angabe hinaus. Die Stadt München beschränkt den Ausschank bislang auf die sechs als leistungsfähig und bewährt geltenden Münchner Traditionsbrauereien. Genau diese Einschränkung möchte Giesinger Bräu mit dem Bürgerbegehren ändern.
Noch ist der Weg auf die Wiesn nicht frei
Die Marke von 21.000 Unterschriften ist deshalb ein bemerkenswerter Fortschritt, bedeutet aber noch nicht, dass Giesinger Bräu 2027 tatsächlich auf dem Oktoberfest vertreten sein wird.
Zunächst müssen ausreichend gültige Unterschriften zusammenkommen. Anschließend muss die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt werden. Sollte der Stadtrat die Forderung nicht direkt übernehmen, käme es zu einem Bürgerentscheid.
Erst dann wäre die politische Grundlage geschaffen, die Betriebsvorschriften für das Oktoberfest entsprechend zu ändern. Bis zum ersten möglichen Ausschank von Giesinger Bier auf der Wiesn sind also noch mehrere Schritte erforderlich.
Eine ungewöhnliche Chance für die Münchner Brauszene
Trotzdem ist die Entwicklung für Giesinger Bräu ein positives Signal. Die Brauerei hat sich innerhalb von knapp sieben Monaten von den ersten 5.000 Unterstützern auf inzwischen rund 21.000 gesammelte Unterschriften vorgearbeitet.
Ob daraus tatsächlich eine siebte Brauerei auf dem Oktoberfest wird, ist weiterhin offen. Doch das Bürgerbegehren hat die Diskussion über die bisherige Zulassungspraxis deutlich belebt.
Für die unabhängige Münchner Brauerei wäre ein Erfolg weit mehr als nur ein zusätzlicher Absatzkanal. Giesinger Bräu könnte damit erstmals in die traditionsreiche und wirtschaftlich bedeutende Bierwelt des Oktoberfestes einziehen.
Und nach dem jetzt bekannt gewordenen Zwischenstand ist dieses Ziel zumindest ein gutes Stück näher gerückt.