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Unionbirrai: Nachhaltigkeit muss für kleine Brauereien bezahlbar bleiben – Bierzirkus

Unionbirrai: Nachhaltigkeit muss für kleine Brauereien bezahlbar bleiben

Unionbirrai fordert bessere Finanzierungs- und Rahmenbedingungen für kleine Craft-Brauereien, damit Nachhaltigkeit, Innovation und Effizienz bezahlbar bleiben.

Kleine unabhängige Brauereien benötigen bei Investitionen in Nachhaltigkeit und Effizienz andere Rahmenbedingungen als größere Unternehmen. Diese Position vertrat der italienische Branchenverband Unionbirrai bei der Bierveranstaltung Bolle di Malto in Biella.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich ökologische Nachhaltigkeit für kleine und unabhängige Craft-Brauereien wirtschaftlich umsetzen lässt. Nach Ansicht von Unionbirrai müssen dabei insbesondere die Größe der Betriebe, ihre Investitionsmöglichkeiten und die besonderen Anforderungen ihrer Produktion berücksichtigt werden.

Vittorio Ferraris, Präsident von Unionbirrai, sprach bei einer Diskussionsrunde im Rahmen der Stati Generali della Birra über Lieferketten, Energie und Nachhaltigkeit. An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter von Institutionen, Wissenschaft und weiteren Branchenverbänden teil.

Kleine Brauereien brauchen passende Finanzierungsmodelle

Ferraris sieht in der Entwicklung des italienischen Craftbier-Sektors derzeit durchaus positive Signale. Die ersten Monate des Jahres deuteten auf eine zunehmende Stabilisierung der Branche hin. Gleichzeitig seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen erheblich.

„Die ersten Monate des Jahres zeigen uns eine Branche, die sich konsolidiert, mit Unternehmen, die reifer und bewusster in ihren Entscheidungen geworden sind“, erklärte Ferraris. „Gleichzeitig müssen wir die tiefgreifenden Unterschiede zwischen den Unternehmen sorgfältig berücksichtigen: Einige Brauereien sind bereit, neue Investitionen anzugehen, während kleinere Betriebe wirtschaftliche und regulatorische Instrumente benötigen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.“

Unionbirrai fordert deshalb einen besseren Zugang zu Krediten und spezielle Förderinstrumente für Kleinstunternehmen. Investitionen in Innovation und effizientere Produktionsprozesse dürften nicht ausschließlich größeren und wirtschaftlich stärkeren Brauereien offenstehen.

Nachhaltigkeit betrifft die gesamte Produktion

Für Unionbirrai endet Nachhaltigkeit nicht bei der Energieversorgung. Der Verband betrachtet den gesamten Produktionsprozess als entscheidend. Dazu gehört der Energieverbrauch ebenso wie die Verwertung von Nebenprodukten, die Verringerung von Abfällen, eine effizientere Nutzung der technischen Anlagen und die Distribution.

„Für handwerkliche Brauereien muss ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen“, sagte Ferraris. „Prozesse effizienter zu gestalten bedeutet, die Umweltbelastung zu verringern, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern.“

Damit verweist Unionbirrai auf ein Problem, das gerade kleinere Brauereien betrifft: Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz oder zur Verringerung von Abfällen können langfristig Kosten senken. Die notwendigen Investitionen stellen für kleine Unternehmen jedoch häufig eine erhebliche finanzielle Hürde dar.

Zusammenarbeit zwischen Brauereien als Chance

Eine wichtige Rolle könnte nach Ansicht des Verbandes auch die Zusammenarbeit zwischen Brauereien spielen. Gemeinsame Investitionen und eine bessere gemeinsame Nutzung von Anlagen könnten kleinen Unternehmen helfen, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu erweitern.

Ferraris plädierte deshalb für Rahmenbedingungen, die Kooperationen zwischen Brauereien erleichtern. Auch eine flexiblere Gestaltung bei der Verwaltung von Steuerlagern könne dazu beitragen, Investitionen gemeinsam zu tätigen und technische Anlagen effizienter zu nutzen.

„Wir müssen Bedingungen schaffen, die die Zusammenarbeit zwischen Brauereien fördern“, erklärte Ferraris. „Auch eine größere Flexibilität bei der Verwaltung von Steuerlagern kann Unternehmen dabei helfen, Investitionen gemeinsam zu nutzen, Anlagen zu optimieren und die kritische Größe zu erreichen, die für ein einzelnes Kleinstunternehmen oft nur schwer zu erreichen ist.“

Alkoholfreies Bier als Chance für Craft-Brauereien

Ferraris ging während der Diskussion auch auf alkoholfreies Bier ein. Unionbirrai sieht das wachsende Segment grundsätzlich als Chance für unabhängige Brauereien.

„Es ist ein interessanter Markt, der mit großer Verantwortung in Bezug auf die mikrobiologische Sicherheit und den Verbraucherschutz angegangen werden muss“, sagte der Verbandspräsident. „Die Herausforderung für handwerkliche Produzenten besteht darin, auch bei alkoholfreien Bieren Identität, Qualität und die Fähigkeit zur Differenzierung zu bewahren.“

Damit spricht Unionbirrai einen Punkt an, der für kleine Brauereien von besonderer Bedeutung ist. Alkoholfreie Biere gehören zu den wachstumsstarken Segmenten des Biermarktes, stellen die Hersteller jedoch auch vor zusätzliche technische Anforderungen. Gerade bei kleinen Betrieben müssen Investitionen und Produktionsmöglichkeiten deshalb mit der wirtschaftlichen Realität vereinbar bleiben.

Innovation muss auch für kleine Brauereien erreichbar sein

Für Unionbirrai hängt die weitere Entwicklung des italienischen Craftbier-Sektors deshalb davon ab, Innovation und Nachhaltigkeit auch für kleine unabhängige Brauereien zugänglich zu machen.

Dabei gehe es nicht allein um neue Technologien oder ökologische Maßnahmen. Entscheidend sei, dass kleine Produzenten ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit, ihre Identität und ihre Wettbewerbsfähigkeit bewahren können.

Die Forderung des Verbands lässt sich damit auf einen zentralen Punkt reduzieren: Nachhaltigkeit kann für kleine Craft-Brauereien nur dann dauerhaft funktionieren, wenn die dafür notwendigen Investitionen und gesetzlichen Rahmenbedingungen an die tatsächlichen Möglichkeiten der Betriebe angepasst werden.

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