Deutschland bleibt Europas größter Bierproduzent. Gleichzeitig zeigen die neuesten Zahlen von Eurostat, dass sich der europäische Biermarkt weiter verändert. Während die Produktion alkoholhaltiger Biere leicht zurückging, legte das Segment der alkoholfreien und alkoholarmen Biere weiter zu.
Nach den Ende August veröffentlichten Daten wurden in der Europäischen Union im Jahr 2025 insgesamt 34,4 Milliarden Liter Bier produziert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 0,7 Prozent. Verglichen mit dem Jahr 2020 lag die Produktion allerdings um 2,2 Prozent höher.
Von der gesamten Biermenge entfielen 32,3 Milliarden Liter auf Bier mit einem Alkoholgehalt von mehr als 0,5 Prozent. Weitere 2,1 Milliarden Liter waren alkoholfreie oder alkoholreduzierte Biere mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol. Damit machen diese Biere inzwischen mehr als sechs Prozent der gesamten in der Europäischen Union produzierten Biermenge aus.
Deutschland bleibt größter Bierproduzent der EU
Insgesamt konzentriert sich ein großer Teil der europäischen Bierproduktion auf wenige Länder. Die fünf größten Produzenten stehen zusammen für rund 60 Prozent der gesamten in der EU hergestellten Biermenge.
An der Spitze der europäischen Bierproduktion steht weiterhin Deutschland. Damit behaupten die deutschen Brauereien ihre führende Rolle innerhalb der Europäischen Union. Hinter Deutschland folgt Spanien. Der spanische Biermarkt entwickelte sich 2025 gegen den allgemeinen europäischen Trend vergleichsweise stabil. Nach Angaben der spanischen Branche stieg die dortige Bierproduktion gegenüber 2024 leicht an.
Allerdings ist bei internationalen Vergleichen Vorsicht geboten. Die Zahlen von Eurostat basieren auf der statistisch erfassten verkauften Produktion, während nationale Branchenverbände teilweise mit anderen Erhebungsmethoden arbeiten. Deshalb können die veröffentlichten Mengen voneinander abweichen, ohne dass sich dadurch die grundsätzliche Reihenfolge der größten europäischen Bierproduzenten verändert.
Alkoholfreies Bier wächst weiter
Besonders auffällig ist erneut die Entwicklung im alkoholfreien Segment. Während der Markt für klassisches Bier in vielen Ländern unter Druck steht, steigt die Bedeutung alkoholfreier und alkoholreduzierter Biere weiter.
Die 2,1 Milliarden Liter, die 2025 in der Europäischen Union in dieser Kategorie produziert wurden, zeigen inzwischen deutlich, dass alkoholfreies Bier längst kein Nischenprodukt mehr ist. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Bundesrepublik ist innerhalb der Europäischen Union auch der größte Produzent alkoholfreier Biere. Nach den vorliegenden Angaben hat sich die deutsche Produktion in diesem Bereich innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt.
Das passt zu einer Entwicklung, die inzwischen auch in den deutschen Absatzzahlen deutlich zu erkennen ist. Alkoholfreie Biere gehören zu den wenigen Bereichen der Brauwirtschaft, in denen seit Jahren ein nachhaltiges Wachstum zu beobachten ist.
Spanien trinkt besonders viel alkoholfreies Bier
Während Deutschland bei der Produktion alkoholfreier Biere führend ist, liegt Spanien beim Konsum weit vorne. Nach Angaben aus dem spanischen Biermarkt wurden dort 2025 rund 3,3 Millionen Hektoliter alkoholfreies Bier verkauft. Das entspricht 330 Millionen Litern und einem Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil alkoholfreier Biere am gesamten Bierkonsum Spaniens erreichte damit 14 Prozent.
Bemerkenswert ist dabei, dass alkoholfreies Bier in Spanien offenbar nicht ausschließlich als Ersatz für klassisches Bier konsumiert wird. Nach Branchenangaben greifen viele Verbraucher sowohl zu alkoholhaltigem als auch zu alkoholfreiem Bier. Die beiden Kategorien stehen damit zumindest teilweise nebeneinander, statt sich unmittelbar gegenseitig zu verdrängen.
Weniger Bier, aber kein einheitliches Bild in Europa
Die Eurostat-Zahlen zeigen insgesamt keinen vollständigen Einbruch der europäischen Brauwirtschaft. Der Rückgang gegenüber 2024 fällt mit 0,7 Prozent vergleichsweise moderat aus. Gegenüber dem Jahr 2020 liegt die Produktionsmenge sogar wieder über dem damaligen Niveau.
Dennoch wird die Veränderung innerhalb des Marktes immer deutlicher. Die Nachfrage nach klassischem Bier entwickelt sich in vielen Ländern rückläufig oder stagniert. Gleichzeitig wächst der Markt für alkoholfreie Alternativen.
Für die Brauereien bedeutet das, dass die reine Betrachtung der gesamten Biermenge zunehmend weniger aussagekräftig wird. Hinter der Gesamtzahl verändern sich die einzelnen Segmente mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während einige Brauereien weiterhin unter sinkenden Mengen im klassischen Biergeschäft leiden, können alkoholfreie Produkte zumindest einen Teil dieser Entwicklung auffangen.
Exporte außerhalb der EU gehen deutlich zurück
Auch der außergemeinschaftliche Handel entwickelte sich 2025 für die europäische Bierbranche schwächer. Nach Angaben von Eurostat exportierte die Europäische Union 3,2 Milliarden Liter alkoholhaltiges Bier in Länder außerhalb der EU. Das waren 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig importierte die EU rund 0,5 Milliarden Liter Bier aus Ländern außerhalb der Union. Das entsprach einem Anstieg von 6 Prozent gegenüber 2024.
Bei den Exporten der einzelnen EU-Mitgliedstaaten, wobei Eurostat hier den Handel innerhalb und außerhalb der Europäischen Union zusammenfasst, lag Belgien 2025 mit 1,5 Milliarden Litern an der Spitze. Es folgten die Niederlande mit 1,4 Milliarden Litern und Deutschland mit 1,3 Milliarden Litern.
Der deutliche Rückgang der Ausfuhren in Nicht-EU-Länder zeigt, dass sich der Druck auf die europäische Brauwirtschaft nicht allein auf die Entwicklung der heimischen Märkte beschränkt. Wie stark der Rückgang auf eine sinkende internationale Nachfrage, Veränderungen im Handel oder andere Faktoren zurückzuführen ist, lässt sich aus den veröffentlichten Eurostat-Zahlen allerdings nicht unmittelbar ableiten.
Die Bierbranche wird vielfältiger
Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem eines: Der europäische Biermarkt schrumpft nicht einfach nur. Er verändert sich.
Deutschland bleibt zwar der größte Bierproduzent der Europäischen Union, doch die Wachstumsimpulse kommen zunehmend aus anderen Bereichen als dem klassischen Biermarkt. Alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere gewinnen weiter an Bedeutung und haben sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der europäischen Bierproduktion entwickelt.
Die Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Für viele Brauereien könnte deshalb nicht mehr allein entscheidend sein, wie viel Bier sie insgesamt produzieren. Zunehmend wichtiger wird die Frage, welche Biere wachsen – und welche Märkte langfristig weiter unter Druck geraten.