In Wien ist eine weitere Craftbier-Brauerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten: Die ViennaKRAFT Brauerei GmbH hat am 7. September 2026 beim Handelsgericht Wien selbst einen Insolvenzantrag gestellt. Über das Vermögen des Unternehmens wurde daraufhin ein Konkursverfahren eröffnet. Die Verbindlichkeiten belaufen sich nach Angaben von Creditreform auf rund 1,5 Millionen Euro.
Besonders problematisch ist die Situation, weil ViennaKRAFT eng mit dem Standort verbunden ist, an dem die Brauerei ihre Biere produziert und ausschenkt. Sie befindet sich im Gleis//Garten im Wiener Bezirk Meidling. Gleichzeitig ist auch die Betreibergesellschaft dieser Gastronomie- und Veranstaltungslocation insolvent.
Was ist der Gleis//Garten?
Für Leser außerhalb Wiens muss man sich den Gleis//Garten vereinfacht als eine große Foodhall vorstellen. Das Konzept erinnert an eine moderne Markthalle, in der verschiedene gastronomische Anbieter unter einem Dach zusammenkommen. Statt eines einzelnen Restaurants gibt es mehrere Küchen und Essensstände mit unterschiedlichen Angeboten, dazu Bars, Veranstaltungen und gemeinschaftliche Sitzbereiche.
Der Gleis//Garten entstand in einer ehemaligen Remise der Badner Bahn in Wien-Meidling. Das rund 1.500 Quadratmeter große Areal wurde 2023 eröffnet und sollte Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen miteinander verbinden. Nach Angaben des Betreibers gehören neun gastronomische Angebote, zwei Bars und eine eigene Brauerei zum Konzept. Im Innen- und Außenbereich finden bis zu rund 900 Gäste Platz.
Eine Besonderheit des Konzepts war damit die eigene Brauerei. Die ViennaKRAFT Biere wurden direkt im Gleis//Garten gebraut und dort frisch aus den Tanks ausgeschenkt. Für die Brauerei war der Standort deshalb nicht lediglich eine Verkaufsstelle, sondern zugleich Produktionsstätte und gastronomisches Umfeld.
Rund 1,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten
Die ViennaKRAFT Brauerei GmbH kann ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Das am Handelsgericht Wien eröffnete Konkursverfahren trägt das Aktenzeichen 9 S 108/26k. Als Insolvenzverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Philipp Wolf bestellt. Forderungen können bis zum 5. November 2026 angemeldet werden; die erste Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für den 19. November angesetzt.
Von der Insolvenz sind laut Creditreform mehr als 30 Gläubiger und ein Dienstnehmer betroffen. Die Verbindlichkeiten werden mit rund 1,5 Millionen Euro angegeben. Eine Sanierung des Unternehmens ist derzeit nicht beabsichtigt.
Als Gründe für die wirtschaftliche Schieflage werden mehrere Faktoren genannt. Nach Angaben von Creditreform habe die ViennaKRAFT Brauerei die Insolvenz unter anderem mit der gesunkenen Kaufkraft der Gäste und dem extrem heißen Sommer begründet. Gleichzeitig hätten hohe Mieten und weitere Kosten das Unternehmen belastet.
Auch der Gleis//Garten ist insolvent
Die Probleme beschränken sich allerdings nicht auf die Brauerei. Ebenfalls am 7. September wurde über das Vermögen der Kraft-Moments Development GmbH, die den Gleis//Garten betreibt, ein Konkursverfahren eröffnet.
Hier geht es um eine deutlich größere Insolvenz: Die Verbindlichkeiten werden mit rund 4,5 Millionen Euro angegeben. Betroffen sind rund 80 Gläubiger und 30 Beschäftigte. Auch bei der Betreibergesellschaft ist nach Angaben der Kreditschutzverbände derzeit weder eine Fortführung noch eine Sanierung vorgesehen.
Damit steht nicht nur die Zukunft der ViennaKRAFT Brauerei infrage. Auch der gesamte Standort, an dem die Brauerei angesiedelt ist, ist von der Insolvenz betroffen.
Zukunft der Brauerei offen
Für ViennaKRAFT ist die Situation deshalb besonders schwierig. Die Brauerei war konzeptionell eng mit dem Gleis//Garten verbunden: Gebraut wurde vor Ort, ausgeschenkt wurden die Biere direkt in der Foodhall. Gleichzeitig diente der Standort als Bühne für Veranstaltungen rund um Craftbier.
Was mit der Brauerei und ihren Anlagen nun geschieht, ist noch offen. Fest steht bislang lediglich, dass das Konkursverfahren eröffnet wurde und eine Sanierung der ViennaKRAFT Brauerei nicht vorgesehen ist. Auch für den Gleis//Garten gibt es derzeit keine gesicherte Perspektive.
Die Insolvenz zeigt zugleich, unter welchem Druck gastronomisch geprägte Brauereikonzepte stehen können. Steigende Kosten, hohe Mieten und eine zurückhaltende Konsumlaune treffen dabei nicht nur klassische Gastronomiebetriebe. Auch Brauereien, die Produktion, Ausschank und Eventgeschäft miteinander verbinden, können dadurch erheblich unter Druck geraten.
Für die Wiener Craftbier-Szene ist die Insolvenz deshalb ein herber Rückschlag. ViennaKRAFT war nicht nur eine Brauerei mit eigener Gastronomie, sondern Teil eines Konzepts, das Craftbier, verschiedene gastronomische Angebote und Veranstaltungen an einem gemeinsamen Ort zusammenbringen wollte.