Vor 25 Jahren: Interbrew übernimmt die Beck’s-Brauerei für 1,79 Milliarden Euro
Vor 25 Jahren begann für eine der bekanntesten deutschen Biermarken ein neues Kapitel. Anfang August 2001 kündigte der belgische Brauereikonzern Interbrew die Übernahme der Bremer Brauerei Beck & Co. an. Der vereinbarte Kaufpreis betrug 3,5 Milliarden D-Mark, umgerechnet rund 1,79 Milliarden Euro. Die Nachricht wurde am 7. August 2001 veröffentlicht.
Häufig wird der Verkauf heute als Übernahme durch AB InBev bezeichnet. Historisch ist das allerdings nicht ganz korrekt: Der Name Anheuser-Busch InBev entstand erst 2008. Käufer von Beck’s war Interbrew, einer der Vorgängerkonzerne des heutigen Brauereiriesen.
Eine Bremer Exportmarke wird zum Übernahmeziel
Die Geschichte der Brauerei hatte lange vor dem Verkauf begonnen. Am 27. Juni 1873 gründeten der Baumeister Lüder Rutenberg, der Braumeister Heinrich Beck und der Kaufmann Thomas May in Bremen die Kaiser-Brauerei Beck & May. Heinrich Beck entwickelte ein Pils, das seinen Geschmack auch auf längeren Transportwegen bewahren sollte. Bereits 1875 wurde das Bier nach Niederländisch-Ostindien, dem heutigen Indonesien, geliefert.
Damit war Beck’s von Anfang an stärker auf den Export ausgerichtet als viele andere deutsche Brauereien. Ab 1886 belieferte das Unternehmen die Schiffe des Norddeutschen Lloyd. Die internationale Schifffahrt trug dazu bei, den Namen des Bremer Bieres in zahlreichen Hafenstädten bekannt zu machen. 1921 wurde die Kaiser-Brauerei in Exportbrauerei Beck & Co. umbenannt und produzierte zeitweise ausschließlich für ausländische Märkte. Erst 1949 wurde Beck’s regulär auch in Deutschland verkauft.
Diese internationale Ausrichtung machte die Brauerei für Interbrew besonders interessant. Der belgische Konzern befand sich damals auf einem starken Expansionskurs und hatte kurz zuvor bereits den deutschen Altbierhersteller Diebels übernommen. Mit Beck’s erhielt Interbrew nicht nur eine große deutsche Brauerei, sondern vor allem eine weltweit bekannte Exportmarke.
EU-Kommission genehmigt den Kauf
Am 14. September 2001 wurde das Vorhaben bei der Europäischen Kommission angemeldet. Den Unterlagen zufolge sollte Interbrew durch den Erwerb der Unternehmensanteile die vollständige Kontrolle über die Brauerei Beck’s übernehmen. Die Wettbewerbshüter genehmigten die Transaktion am 26. Oktober 2001, nachdem Fragen zu Vertriebsvereinbarungen und zu früheren Übernahmen des belgischen Konzerns geprüft worden waren. Der formelle Abschluss der Übernahme erfolgte 2002. In späteren Geschäftsberichten bezifferte der Konzern den Kaufpreis ebenfalls mit 3,5 Milliarden D-Mark.
Für Beck’s endete damit eine fast 130-jährige Geschichte als von Bremer Eigentümerfamilien kontrolliertes Unternehmen. Die Marke und der Produktionsstandort blieben jedoch erhalten.
Von Interbrew zu AB InBev
In den folgenden Jahren setzte sich die Konzentration auf dem internationalen Biermarkt fort. 2004 schlossen sich Interbrew und der brasilianische Brauereikonzern AmBev zu InBev zusammen. Vier Jahre später übernahm InBev den US-amerikanischen Brauer Anheuser-Busch. Aus dieser Verbindung entstand Anheuser-Busch InBev, kurz AB InBev. Die Übernahme von Beck’s war somit ein frühes Kapitel auf dem Weg zur Entstehung des heutigen Weltkonzerns.
Beck’s gehört seitdem zum internationalen Markenportfolio von AB InBev. Der deutsche Verwaltungssitz des Konzerns befindet sich weiterhin in Bremen. Dort wird Beck’s nach wie vor gebraut. Nach Angaben des Unternehmens ist die Marke inzwischen in mehr als 100 Märkten vertreten und wird weltweit an 15 Standorten nach derselben Rezeptur hergestellt.
Ein hoher Preis für eine starke Marke
Der Kaufpreis von rund 1,79 Milliarden Euro zeigt, welchen Wert Interbrew der Marke, ihrem internationalen Vertriebsnetz und ihrem Ruf als deutsches Exportbier beimaß. Die Übernahme stand zugleich beispielhaft für eine Entwicklung, die die Brauwirtschaft in den folgenden Jahrzehnten zunehmend prägen sollte: International tätige Konzerne bündelten bekannte regionale und nationale Marken unter einem gemeinsamen Dach.
Für Bremen blieb Beck’s trotz des Eigentümerwechsels ein bedeutender Teil der Stadtgeschichte. Die grünen Flaschen, der Bremer Schlüssel auf dem Etikett und der traditionsreiche Brauereistandort an der Weser verbinden die Marke bis heute mit ihrer Herkunft – auch wenn die unternehmerischen Entscheidungen längst in einem weltweit tätigen Konzern getroffen werden.