Eine traditionsreiche tschechische Brauerei steht vor dem Ende ihrer eigenen Bierproduktion. Ostravar wird im Laufe des Jahres 2027 das Brauen am Standort Ostrava schrittweise einstellen. Die Biermarken bleiben zwar erhalten, hergestellt werden sie künftig jedoch in Prag. Hinter der Entscheidung steht Pivovary Staropramen, ein Unternehmen der internationalen Molson-Coors-Gruppe, zu der auch die in Deutschland bekannte Marke Staropramen gehört. Rund 120 Beschäftigte, die unmittelbar mit der Bierproduktion verbunden sind, sind von der Veränderung betroffen.
Ostravar bleibt als Marke bestehen
Die Geschichte der Brauerei Ostravar reicht bis ins Jahr 1897 zurück. Über Generationen hinweg war sie eng mit der Stadt Ostrava und der Bierkultur in der mährisch-schlesischen Region verbunden. Mit dem Ende der Produktion vor Ort verliert die Stadt einen traditionsreichen Braustandort – auch wenn die dort entstandenen Biere weiterhin erhältlich sein sollen.
Wie Pivovary Staropramen am 8. Oktober mitteilte, wird die Herstellung im Laufe des kommenden Jahres in mehreren Schritten zurückgefahren. Die Produktion der wichtigsten Marken soll in die Brauerei im Prager Stadtteil Smíchov verlagert werden. Zum Portfolio gehören unter anderem Ostravar, Mustang und Černá Barbora.
Nach Angaben des Unternehmens soll der Geschmack der Biere dabei erhalten bleiben. Dafür soll der frühere Chefbrauer von Ostravar sorgen, der maßgeblich an der Entwicklung wichtiger Rezepturen beteiligt war. Ob die Verlagerung für die einzelnen Marken auch Änderungen bei den Rezepturen oder den Herstellungsverfahren mit sich bringen wird, ist bislang nicht näher ausgeführt worden.
Nicht alle Aktivitäten verschwinden aus Ostrava. Das Unternehmen will seine Vertriebs- und Marketingarbeit in der Region fortsetzen. Auch Lager- und Distributionskapazitäten sowie der lokale Kundenservice sollen erhalten bleiben. Für die Verbraucher bedeutet die angekündigte Veränderung damit zunächst vor allem einen Wechsel des Braustandorts.
Steigende Kosten und sinkender Bierkonsum
Pivovary Staropramen begründet die Entscheidung mit der langfristigen Entwicklung des Biermarktes. Der rückläufige Bierkonsum, steigende Produktions- und Betriebskosten sowie der Wunsch, die vorhandenen Braukapazitäten effizienter zu nutzen, hätten eine umfassende Überprüfung der Standorte erforderlich gemacht. Besonders die Kosten für Verpackungsmaterialien, Energie und Transport belasteten die Produktion.
Die Verlagerung nach Prag soll die betriebliche Effizienz und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig sichern. Für die rund 120 direkt betroffenen Beschäftigten ist das dennoch eine einschneidende Nachricht. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Unterstützungsangebote angekündigt. Dazu zählen individuelle Beratung, Hilfe bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen und psychologische Unterstützung. Auch die zuständige regionale Arbeitsverwaltung soll eingebunden werden.
Tschechien trinkt so wenig Bier wie nie zuvor
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die tschechische Brauwirtschaft mit einer deutlich nachlassenden Nachfrage zu kämpfen hat. Tschechien gilt traditionell als eines der Länder mit dem höchsten Bierkonsum pro Kopf. Doch auch dort verändert sich das Trinkverhalten – und die Entwicklung hinterlässt inzwischen deutliche Spuren in den Produktionszahlen.
Nach Angaben des Tschechischen Brauer- und Mälzerverbands sank der durchschnittliche Bierverbrauch 2025 um 3,2 Prozent auf nur noch 121 Liter pro Einwohner. Damit wurde ein historischer Tiefstand erreicht. Im Vorjahr hatte der Wert noch bei 126 Litern gelegen.
Auch die Gesamtproduktion der tschechischen Brauereien ging zurück. 2025 wurden rund 19,96 Millionen Hektoliter Bier hergestellt, 4,3 Prozent weniger als 2024. Der Export, der für die Branche eine wichtige Rolle spielt, sank ebenfalls: um 8,2 Prozent auf rund 5,48 Millionen Hektoliter.
Ein Lichtblick bleibt das alkoholfreie Bier. Seine Produktion legte 2025 um vier Prozent zu und erreichte rund 1,68 Millionen Hektoliter. Es ist damit eine der wenigen Kategorien, die sich gegen den allgemeinen Abwärtstrend behaupten können.
Der sinkende Konsum betrifft also nicht nur einzelne Brauereien, sondern die gesamte Branche. Wenn weniger Bier getrunken wird und zugleich die Kosten steigen, wächst der Druck, Produktionskapazitäten zusammenzulegen und Standorte wirtschaftlich neu zu bewerten.
Ein Verlust für Ostrava – trotz erhaltener Biermarken
Für Ostravar bedeutet die Entscheidung einen tiefgreifenden Einschnitt. Die Marke soll weiterleben, doch das Bier wird künftig nicht mehr dort gebraut, wo seine Geschichte vor fast 130 Jahren begann. Für die Beschäftigten ist die Verlagerung mit konkreten Unsicherheiten verbunden; für die Stadt endet ein Stück ihrer Brautradition.
Der Fall zeigt zugleich, wie stark sich der Biermarkt verändert. Selbst in Tschechien, einem Land mit ausgeprägter Bierkultur, sind traditionsreiche Produktionsstandorte nicht vor einer Neuordnung sicher. Der historische Tiefstand beim Bierkonsum und die steigenden Kosten bilden einen wirtschaftlichen Hintergrund, vor dem Unternehmen ihre Strukturen anpassen.
Ostravar verschwindet damit nicht aus den Regalen. Doch wenn die Produktion 2027 nach Prag verlagert wird, geht in Ostrava ein traditionsreicher Braustandort verloren.