Die Restrukturierung bei Warsteiner geht in die nächste Runde. Nachdem die Haus Cramer Gruppe bereits die Schließung der Herforder Brauerei beschlossen und den Verkauf des Standorts Paderborn eingeleitet hat, trifft es nun auch den Stammsitz in Warstein. Bis Ende 2026 sollen dort rund 125 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das teilte das Unternehmen am 23. September mit.
Am Standort Warstein arbeiten derzeit rund 725 Menschen. Damit entspricht der geplante Abbau etwa einem Sechstel der dortigen Belegschaft. Rund 50 Stellen sollen nach Angaben der Haus Cramer Gruppe durch altersbedingte Renteneintritte und das Auslaufen befristeter Arbeitsverhältnisse entfallen. Für die verbleibenden rund 80 Arbeitsplätze führt die Geschäftsführung Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Ziel seien sozialverträgliche Lösungen.
Konzentration auf Warstein reicht offenbar nicht aus
Eigentlich sollte die Konzentration der Bierproduktion auf den Stammsitz im Sauerland ein wesentlicher Bestandteil der Neuaufstellung sein. Die Produktion aus Herford wird nach Warstein verlagert, während für die Paderborner Brauerei weiterhin ein Käufer gesucht wird. Die Marken Herforder und Paderborner sollen dabei erhalten bleiben.
Trotz dieser bereits eingeleiteten Schritte sieht die Unternehmensführung weiteren Handlungsbedarf. Haus-Cramer-Chef und Restrukturierer Bodo-Joachim Wendenburg begründet den zusätzlichen Stellenabbau mit den rückläufigen Absatzmengen auf dem deutschen Biermarkt. Nach Unternehmensangaben ist der Bierabsatz in Deutschland innerhalb der vergangenen zehn Jahre um rund 19 Prozent zurückgegangen, der Pilsbierabsatz im Handel sogar um 21 Prozent.
Neben den Personalkosten sollen deshalb auch die Sachkosten deutlich sinken. Die Maßnahmen sollen bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.
Für die Beschäftigten kommt der erneute Abbau allerdings überraschend. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erklärte gegenüber dem WDR, die Nachricht habe die Arbeitnehmervertretung „eiskalt erwischt“. Nach Angaben der Gewerkschaft war im Zusammenhang mit der Schließung der Herforder Brauerei noch über den Aufbau von Arbeitsplätzen in Warstein gesprochen worden.
Gleichzeitig wird weiter investiert
Trotz des Sparkurses will die Haus Cramer Gruppe nicht sämtliche Investitionen zurückfahren. Besonders interessant ist die geplante neue Entalkoholisierungsanlage am Standort Warstein. Damit soll die Produktion alkoholfreier Biere weiter ausgebaut werden. Die Anlage soll noch 2026 errichtet werden.
Auch eine Windenergieanlage am Standort Warstein wird weiterverfolgt. Sie soll nach Unternehmensangaben im Frühjahr 2027 in Betrieb gehen und einen erheblichen Teil des Strombedarfs der Brauerei abdecken. Gleichzeitig hält die Gruppe am geplanten Relaunch der Marke Warsteiner fest. Dieser soll noch 2026 angestoßen und ab 2027 kommunikativ begleitet werden.
Damit verfolgt Warsteiner einen zweigleisigen Kurs: Auf der einen Seite werden Standorte und Personal reduziert, auf der anderen Seite soll in neue Technik, Energieversorgung und die Zukunft der Kernmarke investiert werden.
Warsteiner wird deutlich schlanker
Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt damit eine tiefgreifende Veränderung bei der Haus Cramer Gruppe. Mit Herford verschwindet ein Produktionsstandort, Paderborn steht zum Verkauf und auch in Warstein wird die Organisation nun deutlich verkleinert. Die Bierproduktion innerhalb Nordrhein-Westfalens soll gleichzeitig stärker am Stammsitz konzentriert werden.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Gruppe wieder auf einen wirtschaftlich stabileren Kurs zu bringen, wird sich allerdings erst zeigen. Der aktuelle Stellenabbau ist jedenfalls ein deutliches Zeichen dafür, dass die bisherige Restrukturierung aus Sicht des Unternehmens noch nicht abgeschlossen ist.