Sozialplan für Beschäftigte der Herforder und Paderborner Brauerei steht

Knapp drei Monate nach der angekündigten Stilllegung der Herforder Brauerei haben sich die Haus Cramer KG und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten auf einen Sozialplan verständigt. Damit erhalten die rund 220 Beschäftigten an den Standorten Hiddenhausen und Paderborn finanzielle Absicherung und neue berufliche Perspektiven.

Anfang Mai hatte die Haus Cramer KG, zu der auch die Warsteiner Brauerei gehört, das Ende des Brauereibetriebs in Hiddenhausen bekannt gegeben. Auch die Zukunft der Paderborner Brauerei ist weiterhin ungewiss. Sollte bis zum Jahresende kein Käufer gefunden werden, droht auch diesem Standort die Schließung.

Abfindungen von bis zu 150.000 Euro

Nach längeren Verhandlungen einigten sich das Unternehmen und die Gewerkschaft NGG nun auf einen Sozialtarifvertrag. Dieser sieht vor, dass die Beschäftigten für jedes Jahr ihrer Betriebszugehörigkeit eine Abfindung in Höhe von 50 bis 70 Prozent eines Bruttomonatslohns erhalten. Die maximale Abfindung ist auf 150.000 Euro begrenzt.

Mohamed Boudih, Landesvorsitzender der NGG, bewertet die Vereinbarung positiv: „Das ist ein Sozialplan mit maximal möglichem Ergebnis.“

Derzeit arbeiten in der Herforder Brauerei noch etwa 100 Menschen. Am Standort Paderborn sind rund 120 Beschäftigte tätig. Ob die Paderborner Brauerei tatsächlich geschlossen wird, hängt davon ab, ob rechtzeitig ein Käufer gefunden werden kann.

50 Arbeitsplätze in Warstein angeboten

Ein Teil der Beschäftigten erhält zudem die Möglichkeit, innerhalb der Unternehmensgruppe nach Warstein zu wechseln. Dort sollen insgesamt 50 Arbeitsplätze für wechselwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Hiddenhausen und Paderborn zur Verfügung stehen.

Wer für die neue Stelle ins Sauerland umzieht, erhält eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 3.500 Euro. Damit soll zumindest einem Teil der Belegschaft eine Weiterbeschäftigung ermöglicht werden.

NGG sieht Beschäftigte nicht in der Verantwortung

Die Gewerkschaft spricht von einem wichtigen Auffangnetz für die Betroffenen. „Damit gibt es für die Beschäftigten jetzt finanziellen und sozialen Halt: Es ist gelungen, ein Auffangnetz zu spannen. Und das hat enge Maschen“, erklärte Boudih.

Gleichzeitig erneuerte der Gewerkschafter seine Kritik am Management der Haus Cramer KG. Die Belegschaften hatten in den vergangenen Monaten mehrfach gegen die geplanten Standortschließungen protestiert.

„Die Beschäftigten haben keine Schuld an der wirtschaftlichen Situation. Es bleibt zu hoffen, dass Verantwortung, kluge Unternehmenspolitik und geschicktes Management möglichst bald wieder ‚Warsteiner Qualitätsmerkmale‘ werden“, sagte Boudih.

Unternehmen spricht von fairen Lösungen

Auch die Haus Cramer KG bestätigte die Einigung. In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnete das Unternehmen die Gespräche als intensiv und konstruktiv.

„Mit dem Sozialtarifvertrag konnten wir das gemeinsame Ziel erreichen, faire Lösungen für unsere Mitarbeitenden in dieser schwierigen Situation zu schaffen“, heißt es in der Mitteilung.

Während für die Beschäftigten damit zumindest die finanziellen Folgen der Einschnitte geregelt sind, bleibt die Zukunft des Standorts Paderborn weiterhin offen. Bis zum Jahresende entscheidet sich, ob ein Käufer gefunden wird und die dortige Brauerei erhalten werden kann.

Dieser Artikel entstand unter Verwendung von Informationen des WDR.

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