Earth Overshoot Day 2026: Mehrwegflaschen beim Bier weiter auf dem Vormarsch
Am 24. Juli ist der Earth Overshoot Day 2026 erreicht. An diesem Tag hat die Menschheit rechnerisch sämtliche natürlichen Ressourcen verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Möglichkeiten, den Ressourcenverbrauch zu verringern, gibt es unter anderem bei Verpackungen. Auf dem österreichischen Biermarkt spielen Mehrweggebinde bereits eine wichtige Rolle – und ihre Bedeutung nimmt weiter zu.
Nach den aktuellen Jahreszahlen des österreichischen Brauereiverbandes wurden 2025 rund 72 Prozent des heimischen Bierausstoßes in Mehrweggebinde abgefüllt. Dazu zählen Mehrweg-Glasflaschen ebenso wie Fässer und Tanks. Damit liegt der Mehrweganteil bei Bier deutlich höher als bei anderen Getränkekategorien.
Steigende Nachfrage im Lebensmittelhandel
Auch im österreichischen Lebensmittelhandel griffen die Verbraucherinnen und Verbraucher zuletzt häufiger zu Bier in Mehrwegflaschen. Nach Angaben der Brau Union Österreich stieg der Absatz ihrer Mehrweggebinde von 2024 auf 2025 um 6,8 Prozent. Der gesamte Biermarkt verzeichnete in diesem Bereich ein Wachstum von 5,5 Prozent.
Besonders deutlich entwickelte sich die 0,33-Liter-Mehrwegflasche, die 2024 gemeinsam mit dem Glasverpackungshersteller Vetropack eingeführt worden war. Ihr Absatz erhöhte sich im gesamten Lebensmittelhandel innerhalb eines Jahres um 16,2 Prozent. Bei den Marken der Brau Union Österreich fiel das Wachstum mit 54,3 Prozent noch wesentlich stärker aus.
Martina Prucha, Sustainability Managerin bei der Brau Union Österreich, führt diese Entwicklung auch auf die zunehmende Auswahl zurück: „Das liegt auch an einem großen Portfolio an Marken und Sorten, die inzwischen in diesem Gebinde erhältlich sind.“
Die kleinere Mehrwegflasche soll Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Alternative zur Einwegflasche oder Dose bieten, ohne dass sie auf das handlichere 0,33-Liter-Format verzichten müssen.
Bierflaschen können bis zu 50-mal befüllt werden
Der ökologische Vorteil einer Mehrwegflasche entsteht vor allem durch ihre wiederholte Nutzung. Eine Bierflasche aus Glas kann nach Angaben der Brau Union Österreich bis zu 50-mal gereinigt und erneut befüllt werden. Bei jedem Umlauf müssen lediglich das Etikett und der Verschluss ersetzt werden.
Für die Reinigung und Wiederbefüllung betreibt das Unternehmen eigene Anlagen an den Brauereistandorten Zipf, Wieselburg, Göss, Puntigam und Falkenstein sowie in der Vorarlberger Brauerei Fohrenburg.
Wie groß die dabei verarbeiteten Mengen sind, zeigt die Abfüllanlage der Brauerei Puntigam in Graz. Dort können pro Stunde bis zu 53.000 Mehrwegflaschen befüllt werden. Die tägliche Kapazität liegt bei bis zu 1,2 Millionen Flaschen.
Die zugehörige Flaschenwaschanlage wird durch eine Wärmepumpe versorgt, die nach Unternehmensangaben ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen aus Österreich betrieben wird. Dadurch sollen jährlich rund 640 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
Mehrheit bevorzugt Bier aus Mehrwegflaschen
Dass die steigenden Absatzzahlen nicht allein auf ein größeres Angebot zurückzuführen sind, zeigt der Bierkulturbericht 2025. Laut der repräsentativen Untersuchung kaufen 62 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher Bier lieber in Mehrwegflaschen. Unter den Menschen, die regelmäßig Bier trinken, liegt der Anteil sogar bei 73 Prozent.
Auch die Einführung der kleinen Mehrwegflasche scheint das Kaufverhalten zu beeinflussen. 16 Prozent der Befragten gaben an, seit der Einführung des 0,33-Liter-Formats häufiger zu Mehrweggebinden zu greifen.
Mehrweg ist auf dem österreichischen Biermarkt damit längst kein Nischenthema mehr. Die Kombination aus etablierten Flaschenkreisläufen, neuen Gebindegrößen und einer wachsenden Nachfrage könnte dazu beitragen, den Einsatz von Einwegverpackungen weiter zu reduzieren. Der Earth Overshoot Day macht zugleich deutlich, dass die Wiederverwendung von Verpackungen nur einer von vielen notwendigen Schritten zu einem geringeren Ressourcenverbrauch ist.
