Alvinne vor dem Aus: Glenn Castelein verabschiedet sich nach 23 Jahren
Glenn Castelein, Inhaber der belgischen Brauerei Alvinne, hat die folgende persönliche Stellungnahme zur angekündigten Schließung auf Brewver.com veröffentlicht. Für Bierzirkus.de wurde sein Text aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt:
Das Ende einer Ära
Als wir vor 23 Jahren beschlossen, eine Brauerei zu gründen, hätten wir uns niemals vorstellen können, wie tiefgreifend diese Entscheidung unser Leben – und das Leben so vieler anderer Menschen – prägen würde.
Wir waren bei der Entstehung der europäischen Craft-Beer-Szene dabei und haben sie auf vielfältige Weise mitgestaltet: Wir gehörten zu den Ersten, die ausländische Craft-Biere importierten, bildeten Brauer aus, organisierten ein Craft-Beer-Festival, das viele weitere Veranstaltungen inspirierte, machten unsere eigene Haushefe zum Herzstück unserer Identität, eröffneten Menschen neue Möglichkeiten und bauten mit der Fellowship eine Gemeinschaft auf, wie es keine zweite gibt.
Auf all das blicke ich mit ungeheurem Stolz zurück. Das Bier hat mir ermöglicht, die Welt zu entdecken. Es hat Menschen in mein Leben gebracht, mit denen mich lebenslange Freundschaften verbinden. Es ließ mich Teil unzähliger Geschichten werden, in deren Mittelpunkt stets Freundschaft, Leidenschaft, gemeinsames Lachen und das Teilen großartiger Momente standen. Dafür bin ich dankbar. Wahrhaftig und unvorstellbar dankbar.
Natürlich habe ich all das niemals allein geschafft. Mein herzlicher Dank gilt jedem, der auf die eine oder andere Weise ein Teil von Alvinne war. Jorre, Tiago, Loïc, Frederik, Diogo, Andrea und ganz besonders Riccardo, die zu unterschiedlichen Zeiten auf unserer Reise das Herz des Teams Alvinne mitgeprägt haben. Unseren Kunden, Lieferanten, Brauerkollegen und Fellowship-Mitgliedern, den Hunderten von Besuchern, die uns im Laufe der Jahre unterstützt haben, und den vielen Hunderttausenden Menschen, die jemals ein Glas Alvinne erhoben haben.
Mein tiefster Dank gilt meiner Familie. Sie musste häufiger auf mich verzichten, als ich mir eingestehen möchte. Trotzdem gab sie mir stets die Freiheit und die Unterstützung, meinen Träumen zu folgen. Ohne sie wäre nichts von all dem jemals möglich gewesen.
Ein ganz besonderer Dank gilt auch Marc, unserem Hefeflüsterer. Er stand mir in jedem Kapitel dieser Geschichte zur Seite – ganz besonders in den schwierigsten.
Und schwierige Zeiten gab es zweifellos. Wie jede Brauerei standen auch wir vor zahlreichen Herausforderungen: Energie- und Bankenkrisen, COVID … Vor allem aber lastete eine interne Krise schwer auf der Zukunft von Alvinne. Die vergangenen sechs Jahre waren unglaublich schwierig. Trotzdem wollte ich beweisen – mir selbst ebenso wie allen anderen –, dass ich diese Brauerei durch die stürmische See steuern konnte.
Heute habe ich die schwerste Entscheidung meiner beruflichen Laufbahn getroffen. Ich habe beschlossen, dass es an der Zeit ist, Alvinne auf ihre letzte Reise zu begleiten. Unser Gebäude steht nun zum Verkauf. Unser Sudhaus und unsere Abfüllanlage, unsere Foeder, unsere Marke … In den kommenden Monaten wird hoffentlich alles ein neues Zuhause finden.
Doch so weit sind wir noch nicht. Bitte unterstützt uns weiterhin. In unseren Fässern reifen noch immer wunderbare Biere in aller Ruhe heran, und es gibt noch vieles abzufüllen. Es wird eine letzte Fellowship geben – von den 250 Paketen sind weniger als 100 übrig, wartet also nicht zu lange. Außerdem könnt ihr uns noch auf mehreren Bierfestivals treffen, unter anderem in Ronse, beim Zwevegems Streekbierfestival, beim Borefts Bierfestival und bei Billie’s Beer Fest.
Kommt vorbei, trinkt ein Bier mit uns, erinnert euch an alte Erlebnisse, schafft ein paar neue Erinnerungen und feiert alles, wofür Alvinne immer gestanden hat. Solange der Vorrat reicht, bleiben unsere Biere außerdem über unseren Webshop und den Bierfachhandel eures Vertrauens erhältlich.
Wann genau der letzte Vorhang fallen wird, wissen wir noch nicht. Vieles wird vom Verkauf des Gebäudes abhängen.
Und was wird aus mir?
Nun … Ich werde weiterhin unterrichten, so wie ich es immer getan habe. Vermutlich an zwei Tagen in der Woche statt an einem. Schon jetzt arbeite ich freiberuflich für einige Brauerkollegen. Vor allem aber möchte ich mir wieder etwas Zeit für mich selbst nehmen. Um durchzuatmen. Um einen Gang zurückzuschalten. Um zu sehen, wohin mich das Leben als Nächstes führt.
Eines weiß ich ganz sicher: Ich werde die Bierwelt nicht verlassen. Meine Liebe zum Bier, zur Fermentation und zu allem, was damit verbunden ist, ist einfach zu groß.
Danke. Danke an jeden, der jemals ein Alvinne-Bier genossen hat. Danke an alle, die uns besucht, unterstützt, mit uns gelacht, diskutiert, verkostet, gearbeitet, gelernt und geträumt haben.
Ihr habt Alvinne zu so viel mehr als nur einer Brauerei gemacht. Ihr habt Alvinne zu einer Geschichte gemacht.
Lasst uns deshalb auch diesen Abschied zu etwas Schönem machen. Nicht zu einem traurigen Ende, sondern zu einem würdigen letzten Kapitel. Lasst uns noch ein letztes Mal gemeinsam das Glas erheben. Lasst uns noch ein letztes Mal zusammen feiern. So, wie wir es in den vergangenen 23 Jahren getan haben.
Prost,
Glenn