Die deutsche Brauwirtschaft steht nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, warnt vor einer zunehmenden Zahl von Brauerei-Insolvenzen und sieht trotz positiver Konjunkturprognosen keinen Grund zur Entwarnung. In einem Interview mit dem Branchenportal Getränke News vom 4. November 2026 beschreibt er die Situation vieler Unternehmen als ernst.
„Die Lage von immer mehr Betrieben ist inzwischen wirklich ernst!“, erklärt Eichele im Gespräch mit Getränke News. Gerade die Brauereien stünden seit Jahren unter enormem Druck. Die Meldungen über Insolvenzen nähmen zu. Besonders betroffen seien die überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen, von denen viele als Familienbetriebe über Generationen hinweg gewachsen sind.
Hohe Kosten treffen auf schwachen Konsum
Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt Eichele die hohen Energie- und Personalkosten, steigende Sozialabgaben sowie eine wachsende Zahl bürokratischer Anforderungen. Gleichzeitig bleibe der private Konsum schwach. Die Verbraucher hielten ihr Geld zusammen, sparten beim Einkauf und auch beim Besuch gastronomischer Betriebe. Das bekämen die Brauereien unmittelbar zu spüren.
Auch die positiven Konjunkturprognosen für Deutschland ändern nach Einschätzung des DBB wenig an der Situation. Das erwartete Wirtschaftswachstum werde vor allem durch staatliche Ausgaben gestützt. Bei der privaten Nachfrage und den Investitionen der Unternehmen sei dagegen bislang kein entsprechender Aufschwung angekommen. Für die mittelständisch geprägte Brauwirtschaft sei das keine Entwarnung, sondern vielmehr ein Alarmsignal.
Brauereien können Kostensteigerungen kaum weitergeben
Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass die Unternehmen ihre gestiegenen Produktionskosten nicht ohne Weiteres an Handel und Gastronomie weitergeben können. Höhere Preise könnten zwar einen Teil der Belastungen auffangen, doch der Spielraum dafür sei begrenzt. Gleichzeitig verschärfe der schwache Konsum die Situation.
Eichele sieht deshalb nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die Struktur der deutschen Brauwirtschaft unter Druck. Viele Brauereien seien Familienunternehmen, die über Generationen investiert und Arbeitsplätze geschaffen hätten. Sie benötigten verlässliche Rahmenbedingungen und Entlastungen, statt immer neuer Vorschriften und zusätzlicher Kosten.
Kritik an neuen gesetzlichen Belastungen
Besonders kritisch äußert sich der DBB-Hauptgeschäftsführer zu den politischen Vorhaben einer Plastik- und einer Zuckersteuer. Die geplante Plastiksteuer sei zwar zunächst gestoppt worden, müsse nach Ansicht des Verbandes aber endgültig vom Tisch. Sie würde aus Sicht Eicheles zusätzliche Bürokratie schaffen und ausgerechnet das Mehrwegsystem belasten.
Auch die geplante Zuckersteuer bereitet dem Verband Sorgen. Eichele kritisiert insbesondere die kurze Vorbereitungszeit und den hohen Verwaltungsaufwand, den die Einführung für Hersteller und Behörden mit sich bringen könnte. Die Getränkewirtschaft habe den Zuckergehalt ihrer Produkte bereits durch freiwillige Maßnahmen reduziert. Eine zusätzliche Steuer sei deshalb aus Sicht des DBB nicht der richtige Weg.
Warnsignal für die gesamte Braubranche
Die Aussagen des Deutschen Brauer-Bundes machen deutlich, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten längst nicht mehr nur einzelne Brauereien betreffen. Wenn hohe Kosten, begrenzte Möglichkeiten zur Preisanpassung und eine zurückhaltende Nachfrage zusammentreffen, geraten zunehmend auch Unternehmen unter Druck, die sich über Jahrzehnte am Markt behauptet haben.
Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Einschätzung des Branchenverbandes. Eine unabhängige Prognose darüber, wie viele weitere Brauereien tatsächlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder Insolvenz anmelden werden, liegt damit nicht vor. Die Warnung von Holger Eichele zeigt jedoch, wie ernst der DBB die Lage inzwischen einschätzt.
Quelle: Interview mit Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, veröffentlicht am 4. November 2026 bei Getränke News.