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Shepherd Neame investiert 15 Millionen Pfund in neue Brauerei und verabschiedet sich von Singha – Bierzirkus

Shepherd Neame investiert 15 Millionen Pfund in neue Brauerei und verabschiedet sich von Singha

Die britische Traditionsbrauerei Shepherd Neame baut ihre Produktion um. Für 15 Millionen Pfund entsteht eine kleinere Brauerei. 2027 endet der Singha-Vertrag.

Die britische Traditionsbrauerei Shepherd Neame richtet ihre Produktion grundlegend neu aus. Das Unternehmen aus Faversham in der südenglischen Grafschaft Kent will in den kommenden drei Jahren 15 Millionen Pfund (rund 17 Millionen Euro) in eine neue, deutlich kleinere Brauerei investieren. Gleichzeitig beendet Shepherd Neame einen bedeutenden Teil seines bisherigen Fremdbrau- und Lizenzgeschäfts. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit der thailändischen Biermarke Singha, deren Lizenzvertrag im April 2027 ausläuft.

Die Pläne stellte das Unternehmen am 29. Oktober 2026 vor. Shepherd Neame bezeichnet sich selbst als älteste Brauerei Großbritanniens und blickt auf eine Brautradition zurück, die bis ins Jahr 1698 reicht. Mit der Investition soll die Produktion am Stammsitz in Faversham langfristig gesichert und wirtschaftlicher gestaltet werden.

Neue Brauerei auf deutlich kleinerer Fläche

Die neue Produktionsanlage soll in der bisherigen Abfüllhalle entstehen. Diese wird voraussichtlich Mitte 2027 geschlossen und anschließend für ihre neue Aufgabe umgebaut. Die Bauarbeiten sollen etwa zwei Jahre dauern, die Fertigstellung ist bis Ende 2029 vorgesehen. Bis dahin wird die Bierproduktion am bisherigen Standort unverändert fortgesetzt.

Die neue Brauerei wird deutlich weniger Platz beanspruchen als die bisherigen Produktionsanlagen. Nach Angaben von Unternehmenschef Jonathan Neame soll sie nur noch etwa ein Drittel der bisherigen Fläche benötigen. Gleichzeitig verspricht sich das Unternehmen von der modernen Technik mehr Flexibilität, eine bessere Energie- und Ressourceneffizienz sowie die Möglichkeit, auch kleinere Sude wirtschaftlich herzustellen. Bei Bedarf soll die Anlage sogar rund um die Uhr betrieben werden können.

Einige Funktionen, darunter Teile der Verpackung kleinerer Chargen, sollen künftig an externe Dienstleister vergeben werden. Die Brauerei setzt dabei weiterhin auf Teile der vorhandenen Infrastruktur und wird auch künftig das Wasser aus ihrem historischen Brunnen auf dem Firmengelände nutzen.

Das Ende der Zusammenarbeit mit Singha

Ein wesentlicher Bestandteil der Neuausrichtung ist die Konzentration auf die eigenen Biermarken. Shepherd Neame will künftig keine großen Brauaufträge für andere Unternehmen mehr übernehmen. Besonders deutlich wird die Tragweite dieser Entscheidung beim Blick auf die thailändische Marke Singha.

Seit 2019 besitzt Shepherd Neame die exklusiven Vertriebsrechte für Singha im Vereinigten Königreich. Seit 2022 wird das Lagerbier auch direkt in Faversham gebraut. Der entsprechende Lizenzvertrag endet jedoch am 30. April 2027. Allein mit diesem Geschäft erzielt Shepherd Neame derzeit einen Umsatz von rund 10,3 Millionen Pfund. Auf dieses Volumen wird die Brauerei künftig verzichten.

Stattdessen soll die eigene Markenfamilie stärker in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören bekannte Biere wie Spitfire, Bishops Finger und Whitstable Bay. Das gesamte bisherige Sortiment soll auch nach dem Umbau erhalten bleiben. Die neue Anlage soll zudem die Entwicklung weiterer Produkte erleichtern und eine flexiblere Reaktion auf veränderte Marktbedingungen ermöglichen.

Sinkende Biermengen und steigende Kosten

Hinter der Entscheidung stehen auch wirtschaftliche Herausforderungen. Die Bierabsätze entwickeln sich rückläufig, während die Kosten für Produktion und Logistik steigen. In den 17 Wochen bis zum 24. Oktober 2026 sank das gesamte Biervolumen von Shepherd Neame gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent. Bei den eigenen Bieren fiel der Rückgang mit 2,2 Prozent noch etwas stärker aus.

Gleichzeitig entwickelt sich das Pubgeschäft des Unternehmens positiv. Die vergleichbaren Umsätze in den eigenen Pubs stiegen in den 17 Wochen bis zum 24. Oktober um 6,4 Prozent. Shepherd Neame betreibt rund 280 Pubs, Inns und Hotels. Das Unternehmen will deshalb auch weiterhin in diesen Geschäftsbereich investieren und sich dabei verstärkt auf besonders leistungsfähige Standorte konzentrieren.

Finanziert werden soll die neue Brauerei durch den Verkauf von Immobilien, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Das Unternehmen plant außerdem, seine Präsenz im Stadtzentrum von Faversham zu verkleinern und den historischen Kern des Brauereigeländes weiterzuentwickeln. Vorgesehen sind unter anderem Büros, Einzelhandel, ein Pub, Veranstaltungs- und Gastronomieflächen sowie ein neuer öffentlicher Platz namens Brewery Square. Ein auf zehn Jahre angelegtes Entwicklungskonzept soll das Gelände zu einem attraktiven Besucherziel machen.

Ein Traditionsbetrieb stellt sich neu auf

Für Shepherd Neame ist die Investition ein deutliches Bekenntnis zum Braustandort Faversham. Die Brauerei gibt zwar einen erheblichen Teil ihrer bisherigen Produktionsfläche auf und beendet einen umsatzstarken Fremdbrauauftrag. Gleichzeitig hält sie aber an der eigenen Bierproduktion und ihrem vollständigen Sortiment fest.

Geschäftsführer Jonathan Neame sieht in dem Vorhaben eine Möglichkeit, die Brauerei zu modernisieren und für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen. Die neue Anlage soll wirtschaftlicher arbeiten, kleinere Produktionsmengen ermöglichen und die Entwicklung neuer Biere erleichtern.

Der Schritt zeigt, wie eine traditionsreiche Regionalbrauerei auf sinkende Absatzmengen und veränderte Marktbedingungen reagiert: nicht mit dem Ende der eigenen Produktion, sondern mit einer grundlegenden Verkleinerung und Neuausrichtung. Ob das Modell langfristig aufgeht, wird sich erst nach der Inbetriebnahme Ende 2029 zeigen. Für den traditionsreichen Brauereistandort Faversham ist die Entscheidung zunächst einmal ein wichtiges Signal.

Redaktioneller Hinweis: Die wichtigsten Angaben stammen aus der offiziellen Unternehmensmitteilung vom 29. Oktober sowie ergänzenden Berichten von The Grocer und City AM. 

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Eine wichtige Nuance: Die neue Brauerei benötigt nur etwa ein Drittel der bisherigen Fläche. Das bedeutet nicht automatisch, dass auch die Produktionskapazität auf ein Drittel sinkt. Im Gegenteil: Die neue Anlage soll flexibler und bei Bedarf im Dauerbetrieb nutzbar sein.

Quellen:

1. Shepherd Neame –Unternehmensmitteilung vom 29. Oktober 2026

AGM Trading Statement and Brewery Strategy Update

2. The Grocer – 30. Oktober 2026

Shepherd Neame unveils plans for new £15m brewery

Ergänzende Einordnung der Investition und des Ausstiegs aus dem Fremdbrauerei-Geschäft.

3. The Morning Advertiser – 29. Oktober 2026

Shepherd Neame to invest £15m into new brewery

Weitere Details zum Umbau, zur Finanzierung und zur künftigen Ausrichtung.

4. City A.M. – 29. Oktober 2026

Britain’s oldest brewery unveils £15m plan to move to new site

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