Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die sich selbst ein Bierbrauer kaum ausdenken könnte. In den Zillertaler Alpen hat ein Gletscher ein ungewöhnliches Relikt aus der Vergangenheit freigegeben: ein Edelstahlfass mit Bier, das offenbar seit 1978 im Eis gelegen hatte. Eine kleine Gruppe Bierliebhaber konnte es nach einer aufwendigen Bergungsaktion schließlich sogar verkosten.
Entdeckt wurde das 30-Liter-Fass auf der Südtiroler Seite der Zillertaler Alpen, unweit der Schwarzensteinhütte. Die Berghütte liegt auf 3.026 Metern Höhe und wird regelmäßig per Hubschrauber mit Lebensmitteln und Getränken versorgt. Nach Angaben des Brunecker Getränkehandels Harpf dürfte das Fass bei einem solchen Transport verloren gegangen sein. Vermutlich rutschte es aus dem Transportnetz und verschwand anschließend in einer Gletscherspalte.
Dort blieb es offenbar über Jahrzehnte verborgen. Erst der starke Rückgang des Gletschereises brachte das Fass wieder ans Tageslicht. Die Spuren der Zeit waren ihm durchaus anzusehen: Das Edelstahlgebinde war verbeult, trug aber noch den Stempel aus dem Jahr 1978. Und auch der Inhalt war offenbar noch vorhanden.
Bergung mit Sackkarre und Seilbahn
Auf das ungewöhnliche Fundstück stießen Daniel O., Fahrer beim Getränkehandel Harpf, und sein Bergkamerad Michael N. Beide stammen aus St. Johann im Ahrntal und sind begeisterte Trailrunner. Daniel kennt die Gegend bestens und läuft regelmäßig von seinem Heimatort hinauf zur Schwarzensteinhütte.
Nachdem sie das Fass entdeckt hatten, beschlossen die beiden, es ins Tal zu bringen. Das war allerdings kein ganz gewöhnlicher Abstieg. Das Gebinde wog rund 40 Kilogramm und musste über Gletscherschotter und felsiges Gelände transportiert werden. Mit einer Getränkekistenkarre gelangten die beiden schließlich bis zur Kegelgasslalm auf 2.109 Metern Höhe. Von dort aus konnte eine Seilbahn das ungewöhnliche Gepäckstück ins Tal befördern.
Bier aus dem Jahr 1978: Verkostung mit überraschendem Ergebnis
Besonders spannend wurde es nach der Bergung. Denn schließlich stellte sich die Frage, in welchem Zustand sich das Bier nach fast fünf Jahrzehnten im Gletscher noch befand. Der Getränkehandel Harpf ließ eine kleine Runde von Bierinteressierten das Fass anzapfen.
Das Ergebnis überraschte offenbar selbst die Beteiligten. Nach Angaben des Unternehmens zeigte das Bier noch eine bernsteinfarbene Erscheinung, eine erkennbare Kohlensäure und einen geschmacklich einwandfreien Eindruck. Der Gletscher hatte den Inhalt demnach über die lange Zeit erstaunlich gut konserviert.
Ob das Bier tatsächlich über den gesamten Zeitraum seit 1978 ununterbrochen im Eis lag und unter welchen Bedingungen es dort aufbewahrt wurde, lässt sich anhand der bisherigen Informationen allerdings nicht abschließend beurteilen. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Inhalts ist ebenfalls nicht bekannt.
Das Ötzi unter den Bieren
In den sozialen Netzwerken hat der Fund inzwischen einen passenden Spitznamen erhalten: In Anlehnung an die berühmte Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen wird das Fass als „Ötzi unter den Bieren“ bezeichnet. Ganz so alt wie sein menschliches Pendant ist der Inhalt zwar nicht, aber 48 Jahre im Gletscher sind für ein Bierfass durchaus eine außergewöhnliche Geschichte.
Für den Getränkehandel Harpf ist der Fund zudem ein Stück eigener Unternehmensgeschichte. Und für die beiden Bergläufer dürfte die Tour noch lange in Erinnerung bleiben. Schließlich bringt man nicht jeden Tag ein fast fünf Jahrzehnte altes Bierfass vom Gletscher ins Tal.