Wer beim Riedenburger Brauhaus an Bio denkt, denkt zunächst an das Bier. Seit 1994 arbeitet die Familienbrauerei als erste Brauerei Bayerns zu 100 Prozent ökologisch. Doch beim aktuellen Neubau geht der ökologische Anspruch deutlich über die verwendeten Rohstoffe hinaus. Riedenburger will auch die neue Betriebsstätte möglichst ressourcenschonend bauen und betreiben.
Der Neubau am bisherigen Standort ist die größte Investition in der Geschichte des Riedenburger Brauhauses. Entstehen beziehungsweise erneuert werden unter anderem Sudhaus, Gär- und Lagerkeller sowie die Energieversorgung. Hinzu kommt ein neuer Gastronomie- und Besucherbereich. Die neue Brauerei soll damit nicht nur mehr moderne Produktion ermöglichen, sondern auch zeigen, wie eine Brauerei mit möglichst geringem Einsatz fossiler Energie betrieben werden kann.
Umweltbeton statt herkömmlicher Bauweise
Besonders konsequent zeigt sich der Nachhaltigkeitsgedanke bereits beim Bau. Die neue Brauerei und die Besuchergastronomie werden vollständig mit dem Umweltbeton der Firmengruppe Max Bögl errichtet. Bei diesem Beton wird der Zementanteil durch Ersatzstoffe um bis zu 70 Prozent reduziert. Das ist relevant, weil die Herstellung von Zement besonders emissionsintensiv ist.
Auch bei der Bodenplatte setzt Riedenburg auf diesen Baustoff. Nach Angaben der Brauerei ermöglicht der verwendete Umweltbeton eine CO₂-Einsparung von 54 Prozent gegenüber herkömmlichem Beton; dieser Wert ist laut Unternehmen durch eine Umwelt-Produktdeklaration (EPD) verifiziert. Für das gesamte Bauvorhaben geht Riedenburg von einer Emissionsersparnis von rund 45 Prozent aus.
Die Entscheidung für Beton statt Holz ist dabei nicht einfach eine Frage des Materials. Nach Angaben der Brauerei sprechen die hohe Feuchtigkeit und die eingesetzten Reinigungsmittel im Produktionsbereich gegen eine Holzkonstruktion. Stattdessen soll der ressourcenschonendere Beton mit einer auf mehr als 100 Jahre ausgelegten Lebensdauer verbunden werden.
Auch beim Bierbrauen soll weniger Energie verloren gehen
Noch weiter geht das Energiekonzept der neuen Brauerei. Riedenburg will die Bierproduktion vollständig ohne fossile Brennstoffe betreiben. Ein zentraler Bestandteil ist das Exergon Brew® Eco System. Dabei wird Abwärme aus der Produktion gespeichert und mithilfe einer Wärmepumpe, die mit eigenem Solarstrom betrieben wird, wieder als nutzbare Energie zur Verfügung gestellt. Nach Angaben der Brauerei lässt sich der Energieverbrauch der Produktion dadurch um bis zu zwei Drittel reduzieren.
Dass es dabei nicht nur bei Plänen bleibt, zeigt der Baufortschritt. Im April wurden drei große Energiespeicher installiert. Der größte davon ist rund zwölf Meter hoch, fasst etwa 55.000 Liter Wasser und kann rund 5.000 Kilowattstunden thermische Energie speichern. Auch die Energiezentrale mit den Wärmepumpen wurde bereits fertiggestellt.
Inzwischen nimmt die neue Brauerei immer mehr Gestalt an. Im Februar wurden 18 Biertanks und ein Trebersilo installiert. Die Tanks fassen jeweils bis zu rund 20.000 Liter. Damit wird zunehmend sichtbar, dass es sich nicht nur um ein Bauprojekt, sondern um eine grundlegende Erneuerung des Produktionsstandorts handelt.
Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept
Das Bemerkenswerte am Riedenburger Projekt ist deshalb weniger ein einzelner technischer Kniff. Vielmehr versucht die Brauerei, ihren ökologischen Anspruch auf möglichst viele Bereiche des Neubaus zu übertragen: von der Bio-Rohstoffbasis über die Auswahl der Baumaterialien bis hin zur Energieversorgung.
Gerade angesichts eines rückläufigen deutschen Biermarktes ist der Neubau zudem ein ungewöhnlicher Schritt. Während andere Brauereien über Kosten, Kapazitätsabbau oder Standortschließungen nachdenken, investiert Riedenburg in die langfristige Erneuerung des eigenen Betriebs. Das Unternehmen verbindet diese Investition mit dem Versuch, die Produktion zugleich energie- und ressourcenschonender aufzustellen.
Damit könnte die neue Brauerei am Ende mehr sein als lediglich ein moderner Produktionsstandort. Sie soll zeigen, dass sich ökologische Bierproduktion nicht auf die Zutaten beschränken muss. Bei Riedenburger beginnt Nachhaltigkeit bereits beim Bau – und setzt sich anschließend im Sudhaus fort.