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Beck’s unter Druck: Setzt AB InBev in Deutschland künftig auf Bud statt Bremen? – Bierzirkus

Beck’s unter Druck: Setzt AB InBev in Deutschland künftig auf Bud statt Bremen?

AB InBev setzt in Deutschland massiv auf Anheuser-Busch Bud. In Bremen wächst deshalb die Sorge um Beck’s und den traditionsreichen Brauereistandort.

Die Bremer Brauerei Beck & Co. steht offenbar vor einer schwierigen Situation. Während der Mutterkonzern AB InBev in Deutschland mit großem Aufwand die US-Marke Anheuser-Busch Bud aufbaut, verliert Beck’s nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zunehmend an Bedeutung. In Bremen wächst deshalb die Sorge, welche Rolle die traditionsreiche Marke und der dortige Brauereistandort künftig noch im Konzern spielen werden.

Über die Entwicklung berichtet aktuell der Bremer Sender Radio Bremen. Nach dessen Recherchen hat sich die Strategie von AB InBev in Deutschland deutlich verändert. Der Konzern konzentriert sich stärker auf internationale Premium-Marken. Besonders deutlich wird das am Comeback von Anheuser-Busch Bud, das Ende 2025 auf den deutschen Markt zurückkehrte und seitdem mit umfangreichen Marketingmaßnahmen beworben wird.

Bud verdrängt Beck’s

Die neue Strategie bleibt nicht ohne Folgen für Beck’s. Beim Deichbrand-Festival sowie im Berliner Olympiastadion hat Bud inzwischen Beck’s als Hauptmarke abgelöst. Auch in der Volkswagen-Arena in Wolfsburg wurde das bisher dort ausgeschenkte Beck’s durch die US-Marke ersetzt.

In Bremen selbst gibt es ebenfalls Beispiele für den zunehmenden Druck auf die einheimischen Marken. Nach Angaben von Radio Bremen wurde in der Aladin Music-Hall Haake-Beck vom Fass durch Bud ersetzt. Mehrere Bremer Gastronomen berichteten zudem, dass ihnen von Vertriebsmitarbeitern für Bud bessere Konditionen angeboten worden seien als für die Bremer Marken. AB InBev wollte sich zu diesen konkreten Vorwürfen gegenüber Radio Bremen nicht äußern.

Dabei ist der Strategiewechsel bei AB InBev keineswegs neu. Bereits im Mai hatte das Branchenmedium Getränke News ausführlich über die zunehmende Bedeutung von Anheuser-Busch Bud für das Deutschlandgeschäft des Konzerns berichtet. Beck’s habe in Deutschland deutlich an Strahlkraft verloren, während der Konzern verstärkt auf internationale Marken setze.

Sorgen um die Bremer Brauerei

Besonders interessant ist die Situation deshalb, weil Beck’s nicht nur eine Marke, sondern eng mit dem Bremer Produktionsstandort verbunden ist. Nach Angaben von Radio Bremen arbeiten dort rund 1.200 Menschen. Aus Mitarbeiterkreisen wird demnach von teilweise veralteten Anlagen und Maschinen sowie einem wachsenden Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse berichtet.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beobachtet nach eigenen Angaben außerdem, dass die Unterstützung für Beck’s und Haake-Beck im Marketing zurückgegangen sei. Iris Münkel von der NGG spricht gegenüber Radio Bremen von deutlich weniger Werbemitteln für die Bremer Hausmarken. Auch der 200. Geburtstag von Haake-Beck sei außerhalb einer limitierten Jubiläumsedition und eines Mitarbeiterfestes vergleichsweise wenig öffentlich wahrgenommen worden.

Die daraus entstehenden Sorgen reichen bis zur Zukunft des Standortes. Teile der Belegschaft befürchten laut Radio Bremen einen möglichen Verkauf von Marken oder Brauerei, falls diese für den Konzern nicht mehr genügend wirtschaftliche Bedeutung besitzen.

Das ist allerdings eine Befürchtung aus der Belegschaft und keine angekündigte Entscheidung von AB InBev. Für einen Verkauf oder eine Schließung des Bremer Standortes gibt es derzeit keine offizielle Ankündigung.

AB InBev bekennt sich zu Deutschland

AB InBev selbst weist die Darstellung eines Rückzugs aus Deutschland nicht zurück – im Gegenteil. Auf die Fragen von Radio Bremen erklärte ein Unternehmenssprecher, der Konzern bekräftige sein Bekenntnis zum deutschen Markt und investiere in Wachstum und Innovation. Zu den konkreten Fragen über Beck’s und den Bremer Standort nahm das Unternehmen allerdings nicht Stellung.

Auch auf seiner aktuellen Deutschland-Seite stellt AB InBev Bremen weiterhin als Zentrum seiner deutschen Brauaktivitäten heraus. Das Unternehmen bezeichnet den Standort als Heimat der Marke Beck’s und nennt Bremen als einen seiner vier deutschen Braustandorte.

Auch die Marke selbst ist keineswegs aus dem Konzernportfolio verschwunden. AB InBev führt Beck’s weiterhin als eine seiner deutschen Marken und beschreibt Bremen ausdrücklich als Heimat der weltweit vertriebenen Marke.

Bud soll in Bremen gebraut werden

Eine interessante Perspektive ergibt sich ausgerechnet aus dem neuen Konkurrenten im eigenen Konzern. Nach Informationen von Radio Bremen gibt es in der Bremer Belegschaft die Erwartung, dass Anheuser-Busch Bud künftig möglicherweise in Bremen gebraut werden könnte, sollte sich die Marke auf dem deutschen Markt erfolgreich entwickeln. Das könnte wiederum Investitionen in den Bremer Standort und zusätzliche Beschäftigung bedeuten.

Auch der Branchenexperte Niklas Other vom Fachmagazin „inside Getränke“ hält ein solches Szenario für denkbar. Produktionsstätten seien in Europa knapp, weshalb Bremen für AB InBev weiterhin eine wichtige Rolle spielen könne. Ein Verschwinden des Standortes hält Other deshalb nicht für das naheliegende Szenario.

Ob Bud tatsächlich künftig in Bremen gebraut wird, ist allerdings noch offen. AB InBev hat sich gegenüber Radio Bremen zu entsprechenden Plänen nicht geäußert.

40 Millionen Liter Bud als Ziel?

Wie ambitioniert AB InBev beim Aufbau von Bud in Deutschland vorgeht, zeigt eine weitere Zahl aus dem Radio-Bremen-Bericht. Brancheninsider berichten demnach von einem internen Ziel von rund 400.000 Hektolitern innerhalb eines Jahres – also etwa 40 Millionen Litern.

Zum Vergleich: Das wäre für eine Wiedereinführung einer Biermarke auf dem deutschen Markt ein ausgesprochen ambitioniertes Ziel. Der Branchenexperte Other bezweifelt allerdings, dass sich diese Vorgabe leicht erreichen lässt.

AB InBev hatte die Rückkehr von Anheuser-Busch Bud nach Deutschland bereits im Oktober 2025 offiziell angekündigt. Damals erklärte der Konzern, das Bier werde zunächst exklusiv über REWE angeboten und 2026 schrittweise in weiteren Einzelhandelsgeschäften und Bars verfügbar gemacht.

Inzwischen hat der Konzern die Marke auch bei großen Veranstaltungen und im Sport positioniert. So wurde Bud 2026 unter anderem offizieller Bierpartner des Wacken Open Air und neuer Partner des VfL Wolfsburg.

Was bedeutet das für Beck’s?

Noch ist die Situation nicht mit einem angekündigten Verkauf oder einer Schließung der Bremer Brauerei gleichzusetzen. Dafür gibt es keine belastbare Grundlage. Sicher ist allerdings, dass sich die Prioritäten von AB InBev im deutschen Markt verschieben.

Der Konzern baut Bud mit erheblichem Marketingaufwand auf und setzt gleichzeitig stärker auf internationale Marken wie Stella Artois, Corona und Michelob Ultra. Beck’s bleibt zwar Bestandteil des Portfolios, doch Branchenbeobachter sehen bei der Bremer Marke seit Jahren einen Bedeutungsverlust.

Für Bremen könnte deshalb eine bemerkenswerte Situation entstehen: Nicht unbedingt das Ende der Bremer Brauerei steht zur Debatte, sondern möglicherweise ein Wandel ihrer Funktion innerhalb des AB-InBev-Konzerns. Ausgerechnet Bud könnte dabei künftig eine größere Rolle spielen – möglicherweise sogar als Bier, das in der Heimat von Beck’s produziert wird. Noch ist das allerdings ein mögliches Szenario und keine beschlossene Entwicklung.

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