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Warsteiner: Bis Ende Oktober soll über Zukunft der Paderborner Brauerei entschieden werden – Bierzirkus

Warsteiner: Bis Ende Oktober soll über Zukunft der Paderborner Brauerei entschieden werden

Die Zukunft der Paderborner Brauerei soll bis Ende Oktober geklärt werden. Warsteiner verhandelt mit möglichen Käufern – sonst droht 2026 die Schließung.

Bei Warsteiner zeichnet sich zumindest für die Paderborner Brauerei ein konkreter Zeitplan ab. Bis Ende Oktober 2026 soll feststehen, ob für den Standort ein Käufer gefunden werden kann. Das hat die Haus-Cramer-Gruppe inzwischen bestätigt. Gleichzeitig macht das Unternehmen deutlich, dass der Standort durchaus Chancen auf eine Zukunft hat. Sollte sich allerdings kein Käufer finden, soll die Brauerei noch in diesem Jahr geschlossen werden.

Damit wird der Herbst für die Paderborner Brauerei zur entscheidenden Phase. Nach Monaten, in denen lediglich von einer Entscheidung „im Herbst“ die Rede war, gibt es nun erstmals einen konkreteren Termin. Die Haus-Cramer-Gruppe verhandelt nach eigenen Angaben mit potenziellen Käufern. Unternehmenssprecherin Laura Heinzelmann bezeichnete den Standort gegenüber dem Soester Anzeiger als „sehr vielversprechend“. Wer an der Brauerei interessiert sein könnte, nennt das Unternehmen allerdings nicht. In Paderborner Medien wird unter anderem Paulaner als möglicher Interessent gehandelt.

120 Arbeitsplätze hängen am Verkauf

Für die Beschäftigten in Paderborn ist die Situation entsprechend ernst. Sollte bis Ende Oktober kein Käufer gefunden werden, soll der Betrieb noch Ende 2026 eingestellt werden. Davon wären rund 120 Arbeitsplätze betroffen.

Gleichzeitig soll die Biermarke Paderborner unabhängig vom Schicksal des Produktionsstandorts erhalten bleiben. Das Paderborner Bier würde dann künftig in Warstein gebraut. Damit steht nicht die Marke selbst unmittelbar vor dem Aus. Zur Disposition steht vielmehr der Brauereistandort in Paderborn.

Herford ist bereits Geschichte

Der mögliche Verkauf der Brauerei in Paderborn steht im Zusammenhang mit der umfassenden Neuordnung der Haus-Cramer-Gruppe. Im Frühjahr hatte das Unternehmen angekündigt, die Produktion in Ostwestfalen-Lippe neu zu ordnen.

Die Herforder Brauerei wurde inzwischen geschlossen. Seit Ende August läuft nach Angaben der Haus-Cramer-Gruppe auch die komplette Produktion der bisherigen Herforder Biere in Warstein. In Herford finden derzeit nur noch Instandhaltungsarbeiten statt. Als nächster Schritt soll die dortige Abfüllanlage abgebaut und in Warstein wieder aufgebaut werden. Die Anlage war erst im Frühjahr 2025 angeschafft worden; laut Unternehmen hatte allein die Planung der 20-Millionen-Euro-Investition rund drei Jahre gedauert.

Für Warsteiner ist damit klar, wohin die Reise gehen soll: Die Bierproduktion innerhalb Nordrhein-Westfalens wird zunehmend am Stammsitz in Warstein konzentriert.

Warstein wird zum zentralen Produktionsstandort

Die Haus-Cramer-Gruppe begründet die Neuordnung mit der Entwicklung des deutschen Biermarktes. Bereits im Mai hatte das Unternehmen angekündigt, seine Produktionskapazitäten deutlich zu reduzieren. Mit der Schließung beziehungsweise möglichen Veräußerung der beiden Standorte sollen die Kapazitäten der Gruppe um rund 30 Prozent sinken. Die Marken Herforder und Paderborner sollen dennoch erhalten bleiben und künftig in Warstein produziert werden.

Warstein soll dabei nicht nur Produktionsstandort für die eigenen Marken werden. Auch die Lohnproduktion für externe Kunden soll dort konzentriert werden. Parallel sind Investitionen in Produktionstechnik und eine Optimierung der Produktionsprozesse vorgesehen.

Für die Beschäftigten der gefährdeten Standorte gibt es zudem ein mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgehandeltes Maßnahmenpaket. Unter anderem sind Abfindungen und Unterstützungen für einen Wechsel nach Warstein vorgesehen. Die Haus-Cramer-Gruppe bietet Beschäftigten aus Herford und – im Fall einer Schließung – auch aus Paderborn insgesamt 50 Arbeitsplätze am Stammsitz an. Nach Unternehmensangaben gibt es sowohl aus Herford als auch aus Paderborn Interesse an diesen Stellen.

Auch wirtschaftlich steht Warsteiner unter Druck

Die Probleme der Haus-Cramer-Gruppe beschränken sich allerdings nicht auf die beiden ostwestfälischen Produktionsstandorte. Die Marke Warsteiner selbst steht seit längerer Zeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

Nach Angaben von dpn unterstützte Eigentümerin Catharina Cramer die Haus-Cramer-Gruppe mit 20 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen. Außerdem liegt eine bis zum 30. September 2027 gültige Patronats- und Rangrücktrittserklärung vor. Sie soll sicherstellen, dass die Unternehmensgruppe über ausreichende Liquidität verfügt.

Hinzu kommt ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens. Bodo-Joachim Wendenburg übernahm mit Wirkung zum 23. Juli 2026 die Geschäftsführung und ist zugleich als Chief Restructuring Officer für die Restrukturierung verantwortlich.

Die aktuelle Entwicklung bei Paderborner ist somit Teil eines wesentlich größeren Umbauprozesses.

Auch Partnerschaften werden überprüft

Wie weit dieser Sparkurs inzwischen reicht, zeigen Berichte über Veränderungen bei Gastronomiepartnerschaften. Nach Informationen der WirtschaftsWoche wurde die 2024 geschlossene Bierpartnerschaft mit der Hotelkette Motel One inzwischen beendet. Die Haus-Cramer-Gruppe selbst wollte sich dazu nicht konkret äußern und erklärte, man kommentiere keine Gerüchte und Spekulationen.

Auch beim Sauerland-Stern in Willingen wird derzeit über einen möglichen Wechsel des Bierpartners berichtet. Dort ist der Bier-Etat nach Angaben des Soester Anzeiger ausgeschrieben. Eine Entscheidung gegen Warsteiner sei allerdings noch nicht gefallen.

Damit zeigt sich, dass die Haus-Cramer-Gruppe derzeit an vielen Stellen ihre Strukturen überprüft – von Produktionsstandorten über Personal bis hin zu Vertriebs- und Gastronomiepartnerschaften.

Paderborn hat noch eine Chance

Trotz aller Schwierigkeiten sollte die aktuelle Lage in Paderborn nicht mit einer bereits beschlossenen Schließung gleichgesetzt werden. Genau darin liegt die neue und eventuell gute Nachricht.

Die Haus-Cramer-Gruppe sucht weiterhin nach einem Käufer und erklärt, dass Gespräche mit Interessenten laufen. Gleichzeitig bezeichnet sie den Standort als vielversprechend. Erst wenn diese Gespräche ohne Ergebnis bleiben, soll die Produktion in Paderborn Ende 2026 eingestellt werden.

Für rund 120 Beschäftigte bedeutet das, dass zumindest noch mehrere Wochen Hoffnung auf den Erhalt ihres Arbeitsplatzes und des Brauereistandorts besteht. Ende Oktober soll Klarheit herrschen.

Bis dahin bleibt die Zukunft der Paderborner Brauerei offen – allerdings mit einem festen Zeitpunkt, an dem sich entscheiden dürfte, ob aus dem Verkaufsprozess tatsächlich eine neue Perspektive für den traditionsreichen Standort entsteht.

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