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„Eine absolute Schande“: Biertrinker reagieren auf Carlsbergs Pläne zur Schließung der Brauerei in Burton – Bierzirkus

„Eine absolute Schande“: Biertrinker reagieren auf Carlsbergs Pläne zur Schließung der Brauerei in Burton

CAMRA kritisiert Carlsbergs geplante Schließung der Marston’s Brewery in Burton scharf. Die Stellungnahme und die Antwort von Carlsberg-Britvic-Chef Paul Davies im Wortlaut der deutschen Übersetzung.

Die geplante Schließung der traditionsreichen Marston’s Brewery in Burton upon Trent sorgt in Großbritannien für heftige Reaktionen. Die Campaign for Real Ale (CAMRA), die sich für traditionelle britische Biere und die Pubkultur einsetzt, kritisiert die Pläne von Carlsberg Britvic scharf. Der Verband fordert unter anderem, die zunehmende Konzentration auf dem britischen Biermarkt genauer zu untersuchen, und hofft auf eine Rettung der Brauerei durch unabhängige Eigentümer.

CAMRA hat am 8. Oktober 2026 eine Stellungnahme veröffentlicht und darin auch einen Brief von Carlsberg-Britvic-Chef Paul Davies dokumentiert, in dem das Unternehmen seine Entscheidung begründet. Wir veröffentlichen beide Texte nachfolgend in deutscher Übersetzung. Dabei handelt es sich um die Positionen der jeweiligen Absender, nicht um eine unabhängige Bewertung der Vorwürfe oder der wirtschaftlichen Argumente.

CAMRA reagiert verärgert auf die jüngste Entscheidung von Carlsberg

Veröffentlichungsdatum der Originalmitteilung: 8. Oktober 2026

Die Campaign for Real Ale (CAMRA) hat mit großer Verärgerung auf die Nachricht reagiert, dass Carlsberg beabsichtigt, seinen Brauereistandort in Burton im Jahr 2027 zu schließen.

Der Verbraucherverband erneuert seine Forderung an die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde Competition and Markets Authority (CMA), zu untersuchen, wie internationale Konzerne den britischen Biermarkt durch Übernahmen und Zusammenschlüsse zunehmend unter sich aufgeteilt haben. Zugleich unterstützt CAMRA Carlsbergs Aussage, für einige Cask-Ale-Marken aus seinem Portfolio nach „geeigneten langfristigen Eigentümern“ zu suchen, die diese Biere in die Zukunft führen können.

Der internationale Getränkehersteller hatte das Brauereigeschäft von Marston’s erst vor zwei Jahren vollständig übernommen. Zuvor war er 2020 zunächst ein Gemeinschaftsunternehmen mit Marston’s eingegangen. 2025 folgte die Übernahme des Softdrinkherstellers Britvic.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Konzern einen historischen Brauereistandort schließt und damit das Brauerbe, die örtliche Wirtschaft und die Branche schwer beeinträchtigt. Die Brauereien in Ringwood und Wychwood wurden bereits geschlossen. Die Jennings Brewery in Cockermouth und die Tetley Brewery in Leeds hatten glücklicherweise mit unabhängigen neuen Eigentümern Erfolg.

Die Schließung des historischen Brauereistandorts in Burton gefährdet rund 300 Arbeitsplätze. Für die Stadt, die seit Jahrhunderten ein Zentrum des Brauwissens ist, hätte dies weitreichende Folgen.

Carlsberg hat CAMRA zeitgleich mit der Bekanntgabe der Pläne einen Brief geschickt, in dem das Unternehmen seine Gründe für die Entscheidung darlegt. Darin hebt es auch hervor, dass es langfristige Eigentümer für einige der Cask-Ale-Marken aus seinem Portfolio suchen will.

CAMRA hat kürzlich seinen Bericht „Beer in the UK“ veröffentlicht und eine umfassendere Kampagne gestartet. Damit fordert der Verband die Competition and Markets Authority auf, eine formelle Untersuchung des britischen Biermarktes einzuleiten.

Als Interessenvertretung gewöhnlicher Biertrinker und Pubbesucher vertritt CAMRA die Auffassung, dass unabhängige Brauereien von internationalen Konzernen vom Markt ausgeschlossen werden, obwohl sie echte Innovationen und eine größere Auswahl für Biertrinker bieten.

Ash Corbett-Collins, Vorsitzender von CAMRA, erklärte:

„Ich bin in Burton geboren und aufgewachsen und bin stolz darauf, dass unsere Stadt eine zentrale Rolle in der britischen Brauereigeschichte spielt. Leider kommen die Aussagen von Carlsberg, man verstehe die Bedeutung der Brauerei für die Stadt, für die meisten Menschen – mich und CAMRA eingeschlossen – viel zu spät und viel zu wenig.

Diese Ankündigung ist eine absolute Schande und reiht sich in eine Serie von Maßnahmen ein, die zeigen, wie wenig dem Unternehmen unser Brauerbe und die Biertrinker dieses Landes bedeuten.

In einem Punkt stimmen wir allerdings mit Carlsberg überein. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, über alternative, unabhängige Brauereien nachzudenken, die bereit sind, die Cask-Ale-Marken von Carlsberg zu übernehmen und künftig für sie Verantwortung zu tragen. Sie könnten diesen Bieren endlich die Aufmerksamkeit und Wertschätzung zukommen lassen, die sie verdienen.

So wie leidenschaftliche und erfahrene Brauer die Jennings Brewery in Cumbria gerettet haben, hoffe ich, dass auch die Brauerei in Burton gerettet werden kann. Ich erinnere mich gern an Besuche in der Brauerei zu besseren Zeiten. Vielleicht kann ich sie eines Tages wieder besuchen, wenn sie in die Hände unabhängiger Eigentümer übergeht.“

So weit die CAMRA-Stellungnahme. CAMRA hat auch einen Teil des Briefes an CAMRA veröffentlicht, in dem Paul Davies, der CEO von Carlsberg Britvic, die geplante Schließung mitteilt. Ich habe auch diesen Brief übersetzt und mich dabei so weit möglich an den ursprünglichen Text gehalten:

Ash Corbett-Collins und Tom Stainer
Campaign for Real Ale
9 Finway,
Dallow Road,
Luton,
LU1 1TR

Datum: 8. Oktober 2026

Sehr geehrter Ash, sehr geehrter Tom,

ich schreibe Ihnen persönlich, um Sie darüber zu informieren, dass Carlsberg Britvic heute einen Vorschlag zur Schließung der Marston’s Brewery und des zentralen Logistikbetriebs in Burton upon Trent im Sommer 2027 bekannt gegeben hat. Die Umsetzung steht unter dem Vorbehalt der Konsultationen.

Mir ist bewusst, welche Bedeutung dieser Vorschlag in erster Linie für unsere Beschäftigten hat, aber auch für all jene, denen Cask Ale und das britische Brauerbe besonders am Herzen liegen. Ich weiß, dass CAMRA erhebliche Bedenken haben und Fragen dazu stellen wird, was dies für die Brauerei, die mit Burton upon Trent verbundenen traditionellen Ale-Marken und die Zukunft dieser Kategorie bedeuten könnte.

Wir haben diesen Vorschlag nicht leichtfertig gefasst. Die Menschen standen schon immer im Mittelpunkt unseres Unternehmens. Unsere unmittelbare Priorität ist es daher, die rund 310 Beschäftigten, deren Stellen direkt betroffen sind, während des gesamten Konsultationsprozesses zu unterstützen. Wir werden jede Phase dieses Prozesses mit Sorgfalt, Offenheit und Respekt angehen. Unsere Kolleginnen und Kollegen in der Brauerei und im Logistikbetrieb haben außergewöhnliches Engagement, Können und Professionalität bewiesen und einen enormen Beitrag zur stolzen Brautradition von Burton upon Trent geleistet. Dieser Vorschlag ist keine Kritik an ihnen oder an der Qualität ihrer Arbeit.

Wir stehen außerdem in direktem Austausch mit dem örtlichen Parlamentsabgeordneten und weiteren relevanten Akteuren in Burton upon Trent. Wir möchten ihnen den Vorschlag erläutern, ihre Bedenken anhören und seine möglichen Auswirkungen auf die Region besprechen.

Der britische Ale-Markt hat sich über viele Jahre hinweg erheblich verändert. Die Absatzmengen von Cask Ale in Großbritannien haben sich innerhalb von weniger als zehn Jahren mehr als halbiert. Auch die gesamte Ale-Kategorie schrumpft weiter, obwohl die Branche insgesamt erhebliche Anstrengungen unternimmt, um sie wiederzubeleben – wir selbst eingeschlossen. Diese Entwicklungen haben sich besonders stark auf unsere Brauerei in Burton upon Trent ausgewirkt, in der unser gesamtes Cask Ale gebraut wird.

Der Vorschlag spiegelt die langfristigen strukturellen Herausforderungen wider, vor denen der Cask-Ale-Markt und der Ale-Markt insgesamt stehen, sowie die Auswirkungen dieser Trends auf die Wirtschaftlichkeit des Brauereibetriebs. Vor diesem Hintergrund schlagen wir vor, unsere Investitionen künftig auf jene Bereiche zu konzentrieren, in denen die Nachfrage der Verbraucher stärker ist und in denen wir die langfristige Stärke unseres Unternehmens am besten sichern können.

Im Rahmen des Vorschlags prüfen wir auch die langfristige Zukunft einer Reihe traditioneller Ale-Marken, die derzeit in unserer Brauerei in Burton upon Trent hergestellt werden. Wir wissen, welche Bedeutung diese traditionellen Marken für Burton upon Trent haben und wie stark sich Verbraucher, Gastwirte und Gemeinden mit ihnen verbunden fühlen.

Auch wenn noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen wurden, stehen wir bereits in aktivem Austausch mit potenziellen Partnern. Unser Ziel ist es, geeignete langfristige Eigentümer zu finden, die diesen Marken die fachliche Aufmerksamkeit und engagierte Betreuung zukommen lassen können, die sie verdienen. Dieser Vorschlag bedeutet nicht, dass sich Carlsberg Britvic aus dem Ale-Geschäft zurückzieht. Wir werden weiterhin Ale-Marken wie Hobgoblin, McEwan’s und Brooklyn verkaufen und unterstützen und bleiben dem britischen Bier- und Pubsektor verpflichtet.

Wir werden alle betroffenen Beschäftigten mit dem Respekt behandeln, den sie verdienen, und dabei das Können, den Stolz und die Hingabe anerkennen, die sie in die Brauerei, den Logistikbetrieb und das Unternehmen eingebracht haben. Während des Konsultationsprozesses werden Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen. Dazu gehören praktische, emotionale und berufliche Hilfen. Wo immer möglich, werden wir außerdem geeignete Möglichkeiten prüfen, betroffene Beschäftigte innerhalb des Unternehmens auf andere Stellen zu versetzen.

Ich unterschätze nicht, welche Bedeutung die Brauerei für die Stadt und für all jene hat, denen das Brauerbe von Burton upon Trent besonders am Herzen liegt. Auch wenn es noch zu früh ist, konkrete Pläne für die Zukunft des Standorts zu bestätigen, verstehen wir seine Bedeutung für Burton upon Trent und werden die historischen Anlagen sowie die Rolle des Geländes innerhalb der örtlichen Gemeinschaft sorgfältig berücksichtigen.

Mir ist bewusst, dass CAMRA zu einer eigenen Bewertung des Vorschlags kommen wird. Wir werden die wirtschaftliche Einschätzung möglicherweise nicht in allen Punkten teilen. Dennoch halte ich es für wichtig, die Grundlagen unserer Entscheidung offenzulegen und Ihnen die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern.

An dieser Stelle endet die Veröffentlichung des Briefes durch CAMRA. Das Original des Briefes finden Sie auf der Website von CAMRA.

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