In Dunstelkingen auf dem Härtsfeld im Landkreis Heidenheim wird seit 1664 Bier gebraut. Seit 1916 ist die Brauerei mit der Familie Hald verbunden, inzwischen steht mit Maximilian Hald bereits die fünfte Generation am Braukessel. Doch Tradition allein garantiert auch nach 360 Jahren keine sichere Zukunft. Die Menschen trinken weniger Bier, Alkohol verliert an Bedeutung und alkoholfreie Alternativen werden immer wichtiger.
Die Härtsfelder Familienbrauerei Hald hat darauf bereits vor längerer Zeit reagiert. Neben ihren Bierspezialitäten produziert das Unternehmen auch alkoholfreie Getränke und verfügt über ein Sortiment von mehr als 30 HALDINA-Produkten. Dazu gehören unter anderem Limonaden, Eistees und Saftschorlen.
Jetzt geht die Brauerei noch einen Schritt weiter und entwickelt auch ihr alkoholfreies Bierangebot kontinuierlich weiter.
Alkoholfreies Bier wird immer wichtiger
Dass alkoholfreies Bier in Dunstelkingen überhaupt eine größere Rolle spielt, war zunächst eher einem Zufall zu verdanken. Wie Maximilian Hald dem SWR erzählte, hatte die Brauerei einst den Auftrag, für einen großen Industriebetrieb ein alkoholfreies Radler zu entwickeln. Der Auftrag kam letztlich nicht zustande – das bereits entwickelte Produkt blieb jedoch und wurde für das eigene Sortiment genutzt.
Bei der Herstellung verfolgt Hald dabei einen anderen Ansatz als Brauereien, die dem fertigen Bier den Alkohol wieder entziehen. Die Gärung wird so früh gestoppt, dass Alkohol gar nicht erst in größerer Menge entsteht. Das hat allerdings auch Auswirkungen auf den Charakter des Bieres: Nach Angaben von Christoph Hald wird es dadurch etwas süßer und schwerer.
Dass alkoholfreie Biere inzwischen qualitativ deutlich näher an ihre alkoholhaltigen Vorbilder herangerückt sind, zeigte eine kleine Blindverkostung im SWR. Christoph und Maximilian Hald konnten dabei ein alkoholfreies Bier nicht sicher von einem Bier mit Alkohol unterscheiden. Für die Brauer ist das ein Zeichen dafür, wie sehr sich alkoholfreies Bier in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Ein neues alkoholfreies Bier entsteht
In Dunstelkingen wird deshalb bereits an der nächsten alkoholfreien Spezialität gearbeitet. Geplant ist ein unfiltriertes alkoholfreies Bier, für das ein neuer Hopfen eingesetzt wird. Nach dem ersten Sud soll nicht allein die Meinung von Vater und Sohn entscheiden. Auch Braumeister und Bierbrauer werden in die Bewertung einbezogen, bevor festgelegt wird, wie das Produkt weiterentwickelt wird.
Das zeigt einen interessanten Wandel: Alkoholfreies Bier ist bei Hald längst nicht mehr nur eine Alternative für diejenigen, die auf Alkohol verzichten müssen oder wollen. Es wird zunehmend als eigenständiges Produkt verstanden, bei dem ebenfalls an Geschmack, Hopfenauswahl und Charakter gearbeitet wird.
„Das Thema Bier muss wieder mehr zum Erlebnis werden“
Für die Familie Hald geht es allerdings um mehr als neue Getränke. Maximilian Hald sieht eine grundsätzliche Aufgabe darin, Bier und Brauerei wieder stärker als Erlebnis zu vermitteln. Bier soll nicht allein als Getränk wahrgenommen werden, das wegen seiner berauschenden Wirkung getrunken wird. Vielmehr sollen auch das Produkt selbst, seine Herstellung und die dahinterstehende Brautradition wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Das ist gerade für eine kleine Familienbrauerei ein interessanter Ansatz. Denn mit den großen Braukonzernen lässt sich kaum über Mengen und Marketingbudgets konkurrieren. Eine 360 Jahre alte Geschichte, regionale Verbundenheit und der direkte Kontakt zur Brauerei sind dagegen etwas, das sich nicht einfach kopieren lässt.
Auch die Brauerei selbst setzt auf diesen Gedanken. Auf ihrer Website bezeichnet sie ihre regionale Bierkultur als einen zentralen Bestandteil der Unternehmensphilosophie und bietet weiterhin Brauereibesichtigungen an.
Tradition und Veränderung müssen kein Widerspruch sein
Die Entwicklung in Dunstelkingen zeigt damit exemplarisch, vor welcher Aufgabe viele traditionelle Brauereien stehen. Der Bierkonsum verändert sich, und gerade kleinere Betriebe können diesen Wandel nicht ignorieren. Gleichzeitig bedeutet Anpassung nicht zwangsläufig, die eigene Identität aufzugeben.
Hald versucht vielmehr, beides miteinander zu verbinden: die lange Brautradition der Familie und neue alkoholfreie Produkte. Dazu kommen Limonaden, Säfte und weitere alkoholfreie Getränke, die schon seit Jahrzehnten zum Unternehmen gehören.
Ein weiterer Baustein im Sortiment sind die Biere aus ökologischer Landwirtschaft. Einige Hald-Biere tragen das Bioland-Siegel und können damit auch über den Naturkost- und Biofachhandel vermarktet werden. Für eine kleinere regionale Brauerei eröffnet sich dadurch ein zusätzlicher Vertriebskanal, der sich von den klassischen Absatzwegen des Biermarktes unterscheidet.
Ob das Konzept langfristig erfolgreich sein wird, lässt sich natürlich noch nicht sagen. Aber die Entwicklung zeigt, dass sich eine traditionsreiche Familienbrauerei durchaus bewegen kann, ohne ihre Wurzeln aufzugeben.
Und vielleicht liegt genau darin eine der interessantesten Antworten auf den Wandel des Biermarktes: Nicht weniger Tradition, sondern eine neue Interpretation dessen, was eine Brauerei ihren Kunden bieten kann.