Der deutsche Biermarkt hat im August 2026 auf den ersten Blick eine kleine positive Nachricht zu bieten: Der Bierabsatz lag mit 6,64 Millionen Hektolitern um 0,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass daraus noch keine Trendwende abgeleitet werden kann. Denn der deutsche Inlandsabsatz ist weiterhin rückläufig. Dass die Gesamtbilanz trotzdem leicht positiv ausfällt, ist vor allem den deutlich gestiegenen Exporten zu verdanken.
Export gleicht Rückgang im Inland aus
Im August setzten die deutschen Brauereien und Bierlager insgesamt rund 6,64 Millionen Hektoliter Bier ab. Das waren etwa 27.000 Hektoliter beziehungsweise 0,4 Prozent mehr als im August 2025. Der steuerpflichtige Inlandsabsatz entwickelte sich dagegen in die entgegengesetzte Richtung. Er ging um 1,2 Prozent auf 5,39 Millionen Hektoliter zurück. Das Biergeschäft in Deutschland bleibt damit unter Druck.
Für das kleine Plus in der Gesamtstatistik sorgte vor allem das Auslandsgeschäft. Die Bierausfuhr stieg im August um 8,3 Prozent auf 1,24 Millionen Hektoliter. Besonders stark entwickelten sich die Lieferungen in andere EU-Staaten. Sie legten um 9,3 Prozent auf rund 758.000 Hektoliter zu. Die Exporte in Länder außerhalb der Europäischen Union stiegen immerhin noch um 6,7 Prozent auf etwa 484.000 Hektoliter.
Der August zeigt damit ziemlich deutlich, wie wichtig der Export inzwischen für die deutsche Brauwirtschaft ist: Ohne das Auslandsgeschäft hätte der Gesamtabsatz einen Rückgang ausgewiesen.
Die Jahresbilanz bleibt negativ
Noch deutlicher wird die Situation beim Blick auf die ersten acht Monate des Jahres. Von Januar bis August wurden in Deutschland insgesamt 52,96 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Das sind 1,8 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum fehlen damit rund 953.000 Hektoliter.
Noch schlechter sieht es auf dem heimischen Markt aus. Der steuerpflichtige Inlandsabsatz sank in den ersten acht Monaten um 2,7 Prozent auf 42,94 Millionen Hektoliter. Die Exporte entwickelten sich dagegen positiv. Sie erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent auf 9,96 Millionen Hektoliter.
Damit bestätigt sich ein Muster, das für die deutsche Brauwirtschaft zunehmend wichtig wird: Während der Bierkonsum im eigenen Land weiter zurückgeht, kann das Auslandsgeschäft einen Teil dieser Verluste auffangen.
Das Wetter war diesmal keine Ausrede
Interessant ist auch der Blick auf die Rahmenbedingungen im August. Der Deutsche Brauer-Bund verweist darauf, dass die Voraussetzungen für den Bierabsatz beim Wetter mindestens ebenso gut gewesen seien wie im Vorjahr. Die durchschnittliche Temperatur lag sogar deutlich höher, während sich die Zahl der Sonnenstunden gegenüber August 2025 kaum verändert habe.
Das Wetter kann für einen einzelnen Monat einen erheblichen Einfluss auf den Bierabsatz haben. Gerade im Sommer sind warme und sonnige Tage für Biergärten, Gastronomie und Veranstaltungen wichtig. Für den August 2026 lässt sich der Rückgang des Inlandsabsatzes damit allerdings nicht einfach erklären.
Der Deutsche Brauer-Bund führt die weiterhin schwierige Situation vielmehr unter anderem auf das schlechte Konsumklima, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher angesichts innen- und außenpolitischer Krisen sowie die anhaltende Konjunkturflaute zurück.
Biermischgetränke entwickeln sich besser
Eine kleine positive Ausnahme bilden im August die Biermischgetränke. Ihr Absatz stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,2 Prozent auf rund 401.000 Hektoliter.
Auch hier reicht ein guter Monat allerdings nicht für eine Trendwende. Von Januar bis August wurden rund 3,02 Millionen Hektoliter Biermischgetränke abgesetzt. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Interessant sind außerdem die regionalen Unterschiede. Im August konnten vor allem Sachsens Brauereien zulegen. Ihr Absatz stieg um 12,5 Prozent. Auch die Brauereien in Berlin und Brandenburg kamen mit einem Plus von 9,7 Prozent auf einen deutlichen Zuwachs. Bayern verzeichnete ein Plus von 9,2 Prozent, Thüringen kam auf 5,2 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern lag mit einem Plus von 0,2 Prozent praktisch auf dem Vorjahresniveau.
Auf der anderen Seite stehen teilweise erhebliche Rückgänge. Besonders stark traf es Hessen mit einem Minus von 25,3 Prozent. Niedersachsen und Bremen verloren 14,0 Prozent, Sachsen-Anhalt 10,3 Prozent. Auch Baden-Württemberg (-6,9 Prozent), Rheinland-Pfalz und das Saarland, Schleswig-Holstein und Hamburg (jeweils -6,1 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (-3,8 Prozent) lagen unter dem Vorjahreswert.
Die Zahlen zeigen damit auch, dass sich die Entwicklung der deutschen Brauwirtschaft regional keineswegs einheitlich darstellt.
Noch keine Trendwende
Ein Plus von 0,4 Prozent im August klingt zunächst einmal besser als die vielen negativen Nachrichten, die den deutschen Biermarkt seit Jahren begleiten. Für eine Entwarnung reicht es allerdings nicht.
2025 war der Bierabsatz in Deutschland bereits um 6,0 Prozent auf rund 77,7 Millionen Hektoliter zurückgegangen. Gegenüber dem bisherigen Vergleichsjahr 2019 lag der Absatz damit bereits 15,7 Prozent niedriger. Gleichzeitig sank die Zahl der betriebenen Braustätten 2025 auf 1.415 und damit um 53 gegenüber dem Vorjahr.
Vor diesem Hintergrund ist das August-Ergebnis eher eine Momentaufnahme als eine Trendwende. Der Gesamtabsatz konnte sich zwar knapp über dem Vorjahresniveau halten, doch dafür musste das Auslandsgeschäft den weiter schrumpfenden deutschen Markt auffangen. Für die deutschen Brauereien bleibt damit die zentrale Herausforderung bestehen: Der Bierkonsum im eigenen Land geht zurück – und selbst ein guter Exportmonat kann diesen langfristigen Trend nicht einfach umkehren.