Als ich im Mai über die Insolvenz der Astra St. Pauli Brauerei berichtete, war zunächst vor allem eines klar: Die traditionsreiche Adresse am Nobistor hatte finanzielle Probleme, der Betrieb sollte aber zunächst weiterlaufen. Seitdem ist es erstaunlich ruhig um die Brauerei auf dem Kiez geworden.
Vier Monate später stellt sich deshalb die Frage: Was ist inzwischen aus der Insolvenz geworden – und wie steht es um die Zukunft der Astra St. Pauli Brauerei? Eine endgültige Antwort darauf gibt es derzeit noch nicht. Fest steht allerdings: Das Insolvenzverfahren wurde inzwischen eröffnet und der Betrieb ist weiterhin aktiv.
Das Insolvenzverfahren läuft seit Mai
Über das Vermögen der Astra Brauerei St. Pauli GmbH wurde Anfang Mai 2026 das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Amtsgericht Hamburg ordnete dabei eine Eigenverwaltung an. Zum Sachwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Matthias Wolgast bestellt.
Damit ist inzwischen mehr passiert als lediglich ein Insolvenzantrag. Die Astra St. Pauli Brauerei befindet sich tatsächlich in einem eröffneten Insolvenzverfahren. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung grundsätzlich handlungsfähig. Das Unternehmen versucht also selbst, eine Lösung für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu finden, während der Sachwalter die Interessen der Gläubiger überwacht.
Für die Gäste auf dem Kiez hat sich dadurch zunächst erstaunlich wenig verändert.
Die Brauerei macht weiter
Die Website der Astra St. Pauli Brauerei ist weiterhin aktiv. Dort werden nach wie vor Veranstaltungen und Angebote für 2026 angekündigt. Auch die für Ende September geplante Barkassenfahrt steht weiterhin im Veranstaltungskalender.
Auch in den sozialen Medien war die Brauerei nach Beginn des Insolvenzverfahrens weiterhin aktiv. Ein Beitrag vom Juni 2026 zeigt, dass der Betrieb zu diesem Zeitpunkt weitergeführt wurde. Eine Schließung des Standorts ist damit zumindest bislang nicht zu erkennen.
Das ist durchaus bemerkenswert. Denn bei einer Insolvenz denken viele Menschen automatisch an geschlossene Türen, leere Produktionshallen und das Ende eines Unternehmens. Eine Insolvenz bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Geschäftsbetrieb sofort eingestellt wird. Gerade bei einer Eigenverwaltung besteht zunächst die Möglichkeit, den Betrieb fortzuführen und nach einer wirtschaftlichen Lösung zu suchen.
Astra und Astra sind nicht dasselbe
Besonders wichtig ist bei diesem Fall eine Unterscheidung, die bereits bei der Insolvenzmeldung für Verwirrung sorgen konnte.
Die Astra St. Pauli Brauerei am Nobistor ist nicht einfach die Astra-Brauerei des Carlsberg-Konzerns. Die Marke Astra gehört zu Holsten und damit zum dänischen Carlsberg-Konzern. Die Brauerei am Nobistor ist dagegen gesellschaftsrechtlich ein eigenständiges Unternehmen. Zwischen beiden Seiten bestand beziehungsweise besteht eine enge Verbindung rund um die Marke Astra. Genau diese Verbindung hatte bereits bei der Eröffnung der Brauerei eine wichtige Rolle gespielt.
Das Hamburger Abendblatt hatte bereits im Mai ausdrücklich die Frage aufgeworfen, welche Rolle Carlsberg im weiteren Verlauf spielen könnte. Eine neue, belastbare Meldung über einen Einstieg von Carlsberg oder eine Übernahme der insolventen Brauerei ist bislang allerdings nicht bekannt geworden.
Vom Comeback zum Sanierungsfall
Dabei war die Geschichte der Astra St. Pauli Brauerei ursprünglich eine Erfolgsgeschichte.
2018 wurde am Nobistor eine neue Brauerei eröffnet. Die Idee dahinter war, Astra wieder direkt auf dem Kiez erlebbar zu machen. Nicht nur Bier sollte dort produziert werden. Die Kombination aus Brauerei, Restaurant, Veranstaltungen und der bekannten Marke sollte einen eigenen Erlebnisort schaffen. Das Konzept war damit deutlich mehr als eine klassische kleine Brauerei.
Gerade diese Kombination ist nun aber auch Teil des Problems. Die Astra St. Pauli Brauerei ist nicht allein von der Entwicklung des Biermarktes abhängig, sondern in erheblichem Umfang auch vom Geschäft mit Gastronomie und Veranstaltungen.
Bereits bei der Insolvenzmeldung wurden unter anderem steigende Kosten, Fachkräftemangel und die schwache Gastronomie als Belastungen genannt. Das macht den Fall für die gesamte Braubranche interessant. Denn die Probleme kleiner und mittelständischer Brauereien entstehen längst nicht mehr ausschließlich dadurch, dass weniger Bier verkauft wird. Energie, Personal, Lebensmittel, Mieten und andere Betriebskosten treffen besonders Unternehmen, die zusätzlich auf eine eigene Gastronomie angewiesen sind.
Noch keine Nachricht von einer Rettung
Und genau hier wird es momentan schwierig. Seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gibt es keine belastbare öffentliche Nachricht über einen erfolgreichen Verkauf, einen neuen Investor oder eine abgeschlossene Sanierung.
Das bedeutet allerdings auch nicht, dass es keine Gespräche gibt. Insolvenzverfahren dieser Art laufen nicht zwangsläufig öffentlich ab. Verhandlungen mit möglichen Investoren oder Gläubigern können stattfinden, ohne dass darüber sofort berichtet wird. Deshalb wäre es falsch, aus dem Schweigen eine bestimmte Entwicklung abzuleiten.
Festhalten lässt sich lediglich: Das Verfahren läuft, der Betrieb besteht weiter und eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Brauerei ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Ein anderer Hamburger Fall macht Hoffnung
Interessant ist dabei der Blick auf eine andere Hamburger Brauerei. Die Landgang Brauerei hatte ebenfalls mit einem Insolvenzverfahren zu kämpfen. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass für das Unternehmen eine Lösung gefunden worden war und die Brauerei gerettet werden konnte. Das zeigt, dass eine Insolvenz nicht zwangsläufig das Ende einer Brauerei bedeuten muss.
Für die Astra St. Pauli Brauerei lässt sich daraus allerdings noch keine Prognose ableiten. Die Unternehmen, ihre wirtschaftlichen Voraussetzungen und ihre Eigentümerstrukturen sind unterschiedlich.
Trotzdem ist der Fall Landgang ein Beispiel dafür, dass auch in Hamburg Sanierungen und neue Eigentümerlösungen möglich sind.
Was wird aus Astra auf dem Kiez?
Die entscheidende Frage lautet deshalb weiterhin: Kann die Astra St. Pauli Brauerei wirtschaftlich so aufgestellt werden, dass der Betrieb am Nobistor eine Zukunft hat?
Dass die Türen weiterhin geöffnet sind, ist zunächst ein gutes Zeichen. Eine erfolgreiche Sanierung ist damit aber noch lange nicht erreicht. Aber solange am Nobistor weiterhin Bier gebraut und ausgeschenkt wird, ist die Geschichte der Astra St. Pauli Brauerei jedenfalls noch nicht zu Ende.