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Brauereisterben in Franken gestoppt

Der mit dem unschönen Begriff Brauereisterben umschriebene langjährige Rückgang der Brauereien in Oberfranken und Franken ist gestoppt. Erstmals seit über 150 Jahren nehmen die Brauereizahlen in Oberfranken und Franken zu. Diese „Jahrhundertnachricht für Oberfranken und Franken“ konnte der Kulmbacher Landrat Klaus-Peter Söllner, 1. Vorsitzender des Verein Bierland Oberfranken, auf der Mitgliederversammlung des Vereins Bierland Oberfranken am 17. Januar vermelden.

Seit 1840 waren die Brauereizahlen in Oberfranken rückläufig. Jetzt, genau seit dem Jahr 2015, ist die Zahl der aktiven Brauereien in Oberfranken zum ersten Mal von 149 auf nun 172 Brauereien wieder angestiegen, das ist eine sensationelle Zunahme von 18,1 %, so Söllner. Und das Schöne daran: dieser Trend gilt auch für die Schwester von Bierland Oberfranken, die Fränkische Bierstraße. Auch in Franken hat die Zahl der Brauereien erstmals wieder zugenommen. Seit dem Jahr 2015 sind in Franken, bzw. der Fränkischen Bierstraße 47 neue Brauereien dazugekommen, aktuell gibt es damit 304 aktive Brauereien in Franken. Das freut uns, das freut aber den Verbraucher, so Söllner weiter. Die Biervielfalt Oberfrankens ist weltweit einmalig, aktuell werden alleine in Oberfranken mehr als 1500 verschiedene Biere gebraut.

Recherchiert haben die Zahlen Markus Raupach und Bastian Böttner von der Agentur guidemedia Bamberg, die nicht nur Mitglied im Vorstand des Vereins Bierland Oberfranken sind, sondern auch seit über 10 Jahren die Internetseiten von Bierland Oberfranken, seit einem Jahr auch der Fränkischen Bierstraße, aktuell halten und erst vor kurzem den Brauereiführer Franken neu aufgelegt haben, daher stammen auch die aktuellen Zahlen.

Sicherlich auch bedingt durch die Craft Beer-Welle, hat handwerkliches Bier wieder ein positives Image beim Verbraucher bekommen, auch was die Preise betrifft. Die oberfränkische Brauereikultur, auch die Biergartenkultur, trifft des Lebensgefühl der Menschen, der Einheimischen, aber auch der Urlauber und Ausflügler, begründet Christof Pilarzyk, geschäftsführend er Vorstand von Bierland Oberfranken, diesen Trend.

Oberfränkische Bier ist wieder in, auch bei jungen Menschen. Und das gilt für das Bier trinken genauso wie das Bier brauen, so Markus Raupach, der die Zahlen und Hintergründe dazu vorstellte. Junge Menschen finden es cool Bier zu brauen und sind auch wieder bereit, die Brauerei von ihren Eltern zu übernehmen oder eine eigene Brauerei, oft mit Wirtshaus, zu gründen. Eine ganze Generation neuer, junger Braumeister schickt sich an, die oberfränkische Bierkultur nicht nur zu bewahren, sondern sie weiterentwickeln und in die Zukunft zu bringen. Das ist wohl die beste Nachricht für das Bierland Oberfranken und die Fränkische Bierstraße.

Hintergrundinformation

Die Historie der Entwicklung der Brauereien in Oberfranken hat Prof. Dr. Erhard Treude, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie an der Universität Bamberg im Jahr 1985 in seinem Aufsatz „Entwicklung und Struktur des oberfränkischen Brauwesens“ veröffentlicht. Bis zum Jahr 1840 und zuletzt begünstigt durch die Aufhebung der Bierverlagsrechts im Jahr 1805 hatte die Zahl der Brauereien in Oberfranken kontinuierlich zugenommen. Die Wende kam mit dem Jahr 1840, seitdem hat die Zahl der Brauereien bis 2015 kontinuierlich abgenommen. Im Jahr 1840 gab es 1100 Brauereien, 1871 waren es 900, im Jahr 1970 noch 400 und im Jahr 2000 gab es in Oberfranken 200 Brauereien. Ursachen für diesen ständigen Rückgang gab es in den letzten knapp 180 Jahren viele. Die Industrialisierung. Die Aufhebung der innerdeutschen Zollschranken. Die Eisenbahn. Neue Kühltechnik. Neue Heiztechnik. Die zunehmende Mechanisierung und der damit verbundene wesentlich höhere Kapitaleinsatz. Die Einführung der Bierflasche in den 50er Jahren oder der Preiskampf in den Getränkemärkten, um nur einige zu nennen. Aber jetzt ist der Trend gestoppt.

Aktive Brauereien Oberfranken Aktive Brauereien Franken:
Jahr Zahl Brauereien Jahr Zahl Brauereien
1840 1100 1990 380
1871 900 1996 330
1967 430 2010 262
1970 403 2013 258
1973 355 2015 257
1976 318 2017 304
1979 290
1982 268
1990 213
2002 202
2010 159
2013 153
2015 149
2017 173

Quellen: Zahlen 1840 – 1982: Prof. Dr. Erhard Treude
Zahlen ab 1990: Markus Raupach, Bastian Böttner

Beispiele für junge Brauereien in Franken seit 2009

Oberfranken Mittelfranken Unterfranken
Brauhaus Budenschuster (Bad Steben) – 2016 Brauhaus Brandmeier (Cadolzburg) – 2013 Albertshöfer Sternbräu (Albertshofen) – 2010
Kronprinz (Bamberg) – 2016 Lahmabräu (Langenzenn) – 2012 Brauhaus Bergmann (Glattbach) – 2009
Glenk Bräu (Bayreuth) – wiederbelebt Eppelein & Friends (Nürnberg) – 2015 Goiklbräu (Lohr am Main) – 2013
Brauhaus Binkert (Breitengüßbach) – 2012 orca brau (Nürnberg) – 2017 Pfarrbräu (Stadelhofen) – 2010
Brauhaus zu Coburg (Coburg) – 2015 Honig Bräu (Nürnberg) – 2016 Waldschatz- Bräu (Hausen bei Würzburg) – 2016
Red Castle Brew (Gräfenberg) – 2012 bierwerk kreativbrauerei (Nürnberg) – 2016
(Brauerei Rittmayer (Hallerndorf) – 2013/14 neu gebaut) 1.Altenberger Brauhaus (Oberasbach) – 2015
Antlabräu (Kronach) – 2009 Hechtbräu (Zimmern) – 2011
Gasthausbrauerei zum Gründla (Kulmbach) – 2015
Braumanufaktur Lippert (Lichtenfels) – 2012
Rosenauer Hofbräu (Marktgraitz) – 2015
Brauerei Hopfenhäusla (Münchberg) – 2015
Drossenfelder Bräuwerck (Neudrossenfeld) – 2014
Kommunbräu Rehau e. V. (Rehau) – 2011
Gänstaller Bräu (Schnaid) – 2011
Frankonianer – Gasthausbrauerei – Café Hein (Schwarzenbach) – 2013
Braumanufaktur Hertl (Thüngfeld) – 2012

23. 1. 2018: Maisel & Friends lädt zum ersten Hobbybrauer-Stammtisch ein

Dass sich Maisel & Friends um die Verbreitung von Craft Beer verdient macht ist ja kein Geheimnis. Aber dass die Brauerei sich nicht nur um den Absatz der eigenen Biere und denen der anderen Brauer sorgt, sondern auch Hobbybrauer unterstützen will, ist meines Wissens nach in Deutschland einmalig. Im Januar starten die fränkischen Brauer in ihrer Brauereigaststätte einen Hobbybrauer-Stammtisch! Der erste Stammtisch findet am 23.01.18 ab 19 Uhr statt!

Egal ob die Teilnehmer erfahrene Hobbybrauer sind, ob sie mit dem Brauen gerade beginnen oder ob sie interessiert an Bier und außergewöhnlichen Bierkreationen sind – jeder ist bei diesem Stammtisch willkommen. Mit dieser außergewöhnlichen Veranstaltung will die Brauerei Hobbybrauer, Bierinteressierte und Gleichgesinnte zusammenbringen und gemeinsam mit den Teilnehmern einen tollen Abend in entspannter Atmosphäre zum Thema Bier verbringen.

Wollten Sie schon immer mal ein Bier in die Kneipe bringen? Hier darf jeder Hobbybrauer gerne sein eigenes Bier mitbringen. Gemeinsam werden dann die neuesten selbstgebrauten Kreationen verkostet – in einer lockeren Runde mit weiteren Bierinteressierten. Auch ein Braumeister von der Maisel and Friends Brauwerkstatt wird mit dabei sein. Neben den Verkostungen wird selbstverständlich auch ausreichend Zeit sein, sich auszutauschen, gegenseitig kennenzulernen und die aktuellsten Themen der Bierwelt zu besprechen. Auch wenn Sie noch kein Bierprofi oder Hobbybrauer sind – trotzdem sind Sie eingeladen und können gerne einfach mal „reinschnuppern“. Am Hobbybrauer-Stammtisch haben Sie die Möglichkeit, von Profis zu erfahren, wie das Hobbybrauen funktioniert.

Damit die Brauerei den Stammtisch rechtzeitig planen kann bittet das Unternehmen um eine Anmeldung Email oder Facebook-Nachricht. Die Anmeldung ist natürlich kostenlos.
Email: m.koenig@maisel.com oder Telefon unter: 0921/401-254

Maisel & Friends brauen den Hopfenreiter 2018

Diesen Sondersud gibt Bereits zum dritten Mal haben Maisel & Friends den limitierten Sondersud „Hopfenreiter“ in ihrer Brauwerkstatt eingebraut. Damit scheinen die Franken eine neue Tradition zu begründen. Nach eigenen Angaben will die Brauerei mit diesem ausgefallenen Double IPAs ein Zeichen für die Freundschaft in der Brauerszene setzen. Diese Aussage klingt auf den ersten Blick etwas hochtrabend, aber wenn wir uns das Entstehen dieses Sondersuds einmal ansehen, kommt doch Sinn in die Aussage, oder wie die Hanseaten es ausdrücken würden: es kommt Butter bei die Fische.

Collaboration-Brews kennen wir. Die Brauer mehrerer befreundeter Brauereien überlegen sich ein Rezept, das sie gemeinsam umsetzen wollen, sie stehen gemeinsam am Kessel, bringen den Sud auf den Weg und machen anschließend Party (na gut, den letzten Punkt habe ich mir ausgedacht, aber ohne ein abschließendes Fest wäre die ganze Geschichte doch irgendwie unrund). Hier wird die Entstehungsgeschichte dieses Suds umgedreht. Befreundete Brauer schicken einen Hopfen und kommen erst, wenn das Bier fertig ist und ausgeschenkt wird. Bei diesem Sud steuern verschiedene befreundete Brauer jeweils einen Hopfen zum Sud bei. Dadurch entsteht bei jedem Sud ein vollkommen anderes Bier. Die Hopfensorten, die in diesem Jahr geschickt wurden, lassen jedenfalls einen tollen Sud erwarten.

  • Die Superfreunde aus Berlin haben Calypso geschickt. Der Calypso ist ein amerikanischer Hopfen mit intensiven Aromen nach Birne, Apfel, tropischer Früchte und Minze. Zusätzlich enthält der Hopfen 14,6 % Alphasäure, was für ordentliche Bitterstoffe sorgt.
  • Von Mikkeller im dänischen Taastrup stammt der Citra. Ein Hopfenhändler beschreibt diesen Hopfen wie folgt: „Der Obstsalat unter den Hopfen! Neben Limette und Grapefruit ist noch ein ganzer Obstkorb tropischer Früchte im Aroma dabei.
  • Der Styrian Golding stammt aus der Brauerei Duvel in Belgien. Der gleiche Hopfenhändler preist ihn mit folgenden Worten an: „Der Styrian Golding (Celeia) ist ein slowenischer Aromahopfen. Er hat einen charakteristischen Duft nach Pinie und Zitrone und einen sehr hopfigen Charakter.“
  • Styrian Fox ist ein Eperimentalhopfen, der ebenfalls aus Slowenien stammt. Er bringt Aromen nach Schwarze Johannisbeere, Erdbeere, Himbeere, Pfirsich mit sich.
  • Von Frau Gruber aus Augsburg stammt der Hopfen Enigma. Dieser Hopfen stammt ursprünglich vom Tettnanger ab und bringt frische Aromen nach Melone und Himbeeren mit sich.
  • Selbstverständlich steuert auch Maisel & Friends einen Hopfen bei. Der Mandarina Bavaria trägt seinen Namen zu Recht, denn er duftet intensiv nach Mandarinen.

Bei dieser Hopfenauswahl dürfen wir uns wohl auf ein ganz besonderes Bier freuen. Vorgestellt wird es am 2. März um 20:00 im Liebesbier, der Gaststätte der Brauerei Maisel & Friends. Gefeiert wird am ersten Wochenende im März immer, dass das Liebesbier ein Jahr älter geworden ist, in diesem Jahr zum dritten Mal. Selbstverständlich sind alle Brauer, die einen Hopfen beigetragen haben, bei der Veranstaltung dabei und schenken dort auch ihre eigenen Biere aus. Ach ja, der Eintritt ist frei.

Bayern sucht die Bierkönigin

In ganz Bayern sucht der Bayerische Brauerbund e.V. Bewerberinnen für das Amt der Bayerischen Bierkönigin 2018/2019, die das Bayerische Bier und die bayerische Bierkultur im In- und Ausland vertreten soll.

Interessentinnen für die Nachfolge von Lena Hochstraßer, deren Amtszeit im Mai dieses Jahres endet, können sich ab dem 15. Januar 2018 beim Bayerischen Brauerbund e.V. in München bewerben, sofern sie in Bayern geboren und aufgewachsen und mindestens 21 Jahre alt sind. Weitere Voraussetzungen für die Bewerbung sind die Begeisterung für das hochwertige und vielseitige Lieblingsgetränk der Bayern sowie Kontakt- und Kommunikationsfreude. Sprachkenntnisse, aber auch der Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln, sind für die Aufgaben während der einjährigen Amtszeit von Vorteil.

Unter allen Bewerbungen, die bis zum 12. Februar 2018 beim Bayerischen Brauerbund eingehen, werden 24 Kandidatinnen von einer Jury ausgewählt und für ein Casting nach München ins GOP Varieté-Theater eingeladen. Am Ende des Castings werden 7 Finalistinnen stehen, die am Festabend zur Wahl der Bayerischen Bierkönigin am 3. Mai in München das Finale um die Krone bestreiten. Zuvor werden die Damen auf einer Studienfahrt ins Bayerische Brauereimuseum, Kulmbach, vom Bayerischen Brauerbund geschult und auf die Amtszeit als Bayerische Bierkönigin vorbereitet.

Auf die zukünftige Bayerische Bierkönigin warten wertvolle Preise wie ein 1er BMW als Dienstfahrzeug, ein Exklusivdirndl, ein i-Phone 8 mit Flatrate, schöne Delegationsreisen und eine unvergessliche Amtszeit als Repräsentantin unserer einzigartigen bayerischen Bierkultur in und außerhalb Bayerns.

Alle Preise und die Partner der Wahl zur Bayerischen Bierkönigin 2018/ 2019 sowie das Bewerbungsformular finden Sie unter www.bayerische-bierkönigin.de.

Infos über die Aufritte unserer Bayerischen Bierkönigin Lena Hochstraßer gibt´s unter https://www.facebook.com/Bierkoenigin/.

Prozess um bekömmliches Bier geht in die dritte Runde

Härle eine inhabergeführte Brauerei im Allgäu. Sie verwendet seit den 1930er Jahren für ihre Biere den Werbeslogan „Wohl bekomms!“. In ihrem Internetauftritt warb sie für bestimmte Biersorten mit dem Begriff „bekömmlich“.

Der Kläger, ein Abmahnverein, stellt sich auf den Standpunkt, dass „bekömmlich“ eine gesundheitsbezogene Angabe im Sinne von Art. 2 Abs. 2 Nr. 5 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel sei, die nach Art. 4 Abs. 3 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 bei alkoholischen Getränken mit mehr als 1,2% Volumenprozent unzulässig sei. Er hat die Beklagte auf Unterlassung und Erstattung von Abmahnkosten in Anspruch genommen.

Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Die Berufung der Beklagten hatte keinen Erfolg. Auch das Oberlandesgericht Stuttgart hat angenommen, die Angabe „bekömmlich“ weise einen Gesundheitsbezug auf. Sie werde von erheblichen Teilen der Verbraucher im Sinne von „gut verträglich“ verstanden. Weshalb „gut verträglich“ eine gesundheitsbezogene Aussage sein soll erschließt mich mir nicht. Ich vermute, dass ich nicht allein mit der Ansicht bin, dass es sich dabei um eine Selbstverständlichkeit handelt. Lebensmittel sollten bei bestimmungsgemäßem Gebrauch (in diesem Fall eine oder zwei Flaschen, nicht eine Kiste Bier) immer bekömmlich sein.

Der Bundesgerichtshof beschreibt den Sachbestand in seiner Presse-Terminmitteilung so: „Der Ausdruck ‚gesundheitsbezogene Angabe‘ bezeichnet jede Angabe, mit der erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Zusammenhang zwischen einer Lebensmittelkategorie, einem Lebensmittel oder einem seiner Bestandteile einerseits und der Gesundheit andererseits besteht.

Art. 4 Abs. 3 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006

Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent dürfen keine gesundheitsbezogenen Angaben tragen.“

Braukraft Wai-Zen

Die Brauerei aus Gilching schreibt zu jedem ihrer Biere eine kurze erfundene Geschichte, so auch zum Wai-Zen: „Im Jahre 1041 wurde diese Brauspezialität zum ersten Mal am japanischen Kaiserpalast erwähnt. Damals wurde von einem Bauern der allgegenwärtige Reis durch Weizen ersetzt und vergoren…. Nur durch einen Zufall in einem Kloster nahe dem Mt. Fuji kamen wir dem Rezept auf die Spur…. かんぱい ein zünftiges Kanpai!“ Na gut, andere Geschichten aus der Brauerei sind origineller, aber ich finde auch diese Zeilen für erwähnenswert.

Bernsteinfarben und hefetrüb steht das Bier im Glas. Für ein Weizenbier bildet sich recht wenig mittelporiger Schaum, der recht schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist recht schwach. Ich rieche etwas Karamell sowie eine leichte Fruchtigkeit, die aber so gering ist, dass ich sie nicht näher identifizieren kann.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle eine kräftige Kohlensäure fest. Der schlanke Körper weist eine leichte Säure und Fruchtigkeit auf, aber auch so gering, dass ich nicht näher benennen kann. Der Abgang ist praktisch ohne Bitterstoffe und auch mit minimalem Nachklang.

Ich hätte mir von diesem Bier wirklich mehr erwartet.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bitterstoffe:

16 IBU

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Weltenburger braut in Brasilien

Die Weltenburger Brauerei ist die älteste noch arbeitende Klosterbrauerei der Welt. Bei dieser Information tauchen vor meinem inneren Auge gleich einige Vorurteile auf. Ich erwarte gutes Bier (soweit ich die Weltenburger Biere verkosten konnte stimmt dieses Vorurteil), eine romantische Lage (ich war selbst nicht dort, aber etliche Berichte im Fernsehen bestätigen auch dieses Vorurteil) und ich stelle mir vor, dass die Brauerei vor sich hinbraut und die Biere nur an den regionalen Handel und den Großhandel liefert. Das letzte Vorurteil ist falsch. Ein bayerischer Braumeister „schmuggelte“ im Handgepäck den Hefestamm der ältesten Klosterbrauerei auf dem Globus per Flugzeug nach Brasilien, um tausende Kilometer vom Freistaat entfernt bayerisches Bier zu brauen. Mit diesem ungewöhnlichen Transport begann vor sieben Jahren eine der kuriosesten Erfolgsgeschichten in der deutschen Bierwelt: Seit 2010 wird in Petrópolis im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro bayerisches Bier gebraut – mit wachsendem Erfolg.

Mit Weltenburger Klosterhefe, bayerischem Braumalz und Hallertauer Hopfen verwenden die Lizenzpartner im Land des Zuckerhuts die gleichen Rohstoffe wie in Weltenburg mit seiner 1000-jährigen Braugeschichte. „Zudem bin ich als Experte stets vor Ort in Brasilien, wenn ein neuer Sud eingebraut wird“, sagt der Weltenburger Braumeister Leonhard Resch von der Brauerei Bischofshof, zu der die Klosterbrauerei gehört. Das einzige brasilianische an der südamerikanischen Weltenburger ist das Wasser: „Es hat mit seiner hohen Härte ähnlich günstige Eigenschaften wie das Brauwasser, das wir in Bayern nutzen“, so Resch.

Ein intensiver Austausch zwischen dem Lizenznehmer, der Grupo Petrópolis, und Weltenburger garantiere, dass die südamerikanische Version genauso schmeckt und genauso aussieht wie das Original aus Bayern. Der brasilianische Braumeister Diego Gomes da Silva ging bei der Regensburger Brauerei in die Lehre und ist bis heute regelmäßig bei der Brauerei an der Donau zu Gast.

Weltenburger gehört in Brasilien zum absoluten Premium-Segment: Die Flasche kostet dort zwischen drei und vier Euro – ein Preis, den immer mehr Brasilianer für die Gourmet-Erfahrung bezahlen. Für die Zukunft rechnet das bayerisch-brasilianische Tandem mit weiter steigenden Absatzzahlen – auch weil Weltenburger in diesem Jahr wieder zwei Preise beim härtesten Bierwettbewerb der Welt gewann, dem European Beer Star. Die beiden Weltenburger Medaillengewinner werden nicht nur in Bayern, sondern auch in Brasilien gebraut. Bei der Siegerehrung für den European Beer Star stand auch Diego Gomes da Silva mit auf der Bühne.

Geburtshelfer für die erfolgreiche Partnerschaft war im Jahr 2009 die Krones AG. Sowohl Weltenburger als auch die Gruppe Petrópolis nutzen Abfüllanlagen des Weltmarktführers aus der Nähe von Regensburg. Das brasilianische Unternehmen suchte seinerzeit einen „exklusiven und starken Partner“ in Deutschland, wie es Petropólis-CEO und -Eigentümer Walter Faria einmal formulierte. Heute verbinden ihn und den Weltenburger Brauereidirektor Hermann Goß eine enge Freundschaft.

Die Brasilianer brauen derzeit vier der Weltenburger Bierspezialiatäten in Lizenz: Barock dunkel, Anno 1050, Urtyp hell und ein dunkles Weizen, in Summe inzwischen nach Angaben der Brauerei mehrere hunderttausend Liter jährlich. Das südamerikanische Land ist heute für Weltenburger der wichtigste unter insgesamt rund 30 Auslandsmärkten.

Craft Beer – in Bayern heißt das Tradition

Craft Beer ist ein Begriff, der über den großen Teich auch nach Deutschland geschwappt ist. Damit meinen die Amerikaner Bier, das sich bewusst gegen den Einheits-Gerstensaft der großen Konzernriesen stellt, die in Amerikas Kneipen und Gastwirtschaften seit Jahren die Zapfhähne dominieren. Doch was die amerikanische Bierwelt als neuen Trend feiert, gibt es in der Oberpfalz und in Niederbayern bereits seit hunderten Jahren: handwerklich gebraute Bierspezialitäten von höchster Qualität. Das traditionelle Zoigl aus den Kommunbrauhäusern in der nördlichen Oberpfalz, aber auch das Bier aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt in Weltenburg vor den Toren Regensburgs sind die lebenden Zeugen einer Genusskultur, die bis heute als weltweit einzigartig gilt.

Kühl und naturtrüb schäumt der „Zoigl“ im Glaskrug: Für Bierliebhaber ist die mittelalterliche Spezialität aus der nördlichen Oberpfalz eine neue Offenbarung: Immer mehr Einheimische und Touristen entdecken die gemütliche Wirtsstube im Wohnzimmer – ein Brauch, der um die Jahrtausendwende beinah ausgestorben war, in den letzten Jahren aber zum Renner bei den Urlaubsgästen und zum Renommee der ganzen Region zwischen Cham und Bayreuth, Neumarkt und Mitterteich geworden ist. Kenner der „Zoiglszene“ schätzen, dass heute mindestens doppelt so viele Hektoliter des naturtrüben Gerstensafts gebraut werden wie noch vor fünf Jahren.

Und wer in der Klosterschenke des Weltenburger Klosters bei Regensburg eine Halbe malzig-vollmundiges Barock Dunkel genießt – es wird bis heute handwerklich eingebraut – kann es kaum glauben: Dieses Bier ist angeblich bereits vor fast 1.000 Jahren zum ersten Mal gebraut worden. Rund 600 kleine und mittelständische Brauereien gibt es heute zwischen Hof und Garmisch-Partenkirchen.

„Bayern ist damit die eigentliche Heimat des Craft Beers mit einem wesentlichen Unterschied zu den USA: Es verkörpert nicht nur Trend, sondern vor allem auch Tradition“, sagt Hermann Goß, Direktor der Brauerei Bischofshof, zu der die Klosterbrauerei Weltenburg heute gehört. Hinter den mittelständischen Brauereien stünden Brauer und Betriebe, die für Echtheit und Qualität, für Ehrlichkeit und Genusskultur stehen – und für eine gelebte Verantwortung gegenüber ihrer Heimatregion, ihren heimischen Lieferanten und Kunden. Goß erinnert auch daran, dass die Wurzeln des Reinheitsgebots in Ostbayern liegen und es Mitte des 19. Jahrhunderts ein Braumeister aus Niederbayern war, der das „Pils“ erfand.

Beim härtesten Bierwettbewerb der Welt, dem European Beer Star, haben Brauereien aus Ostbayern in diesem Jahr elf Medaillen gewonnen – mit handwerklich gebrauten Bierspezialitäten im besten Wortsinn. „Alle ostbayerischen Preisträger sind klassische Craft-Biere, auch wenn sie nicht so heißen“, sagt Goß, der sich mit seiner Mannschaft über drei Medaillen freuen konnte. Die Region gehöre damit zu den erfolgreichsten weltweit. Das ist umso erstaunlicher, weil die Konkurrenz für Biere aus unserer Heimat noch nie so groß war wie heuer: Braumeister, Biersommeliers und renommierte Bierkenner aus knapp 30 Nationen testeten in diesem Jahr mehr als 2.000 Biere aus fast 50 Ländern rund um den Globus.

„Die regionalen Brauereien haben bewiesen, dass sie für höchste Qualität und stetige Innovation stehen und es ist ein Grund zur Freude, dass immer mehr Kunden das schätzen“, sagt Goß. Jeder Konsument habe es in der Hand, bewusst ein Zeichen für regionale Wertschöpfung und regionale Vielfalt zu setzen – gerade auch beim Bier. „Denn jenseits aller Medaillen sind – nicht nur für einen Braumeister – begeisterte Kunden noch immer das schönste Geschenk“, sagt der Brauereidirektor.

Und längst sind es nicht mehr die Amerikaner allein, die mit ihrem Craft Beer weltweit von sich reden machen: Gerstensaft-Liebhaber rund um den Globus schätzen mittlerweile die ostbayerischen Bierspezialitäten: Den eigentlich nur für den heimischen Markt anlässlich des Reinheitsgebot-Jubiläums im vergangenen Jahr produzierten und beim European Beer Star prämierten „Altvater“-Weizenbock lieferten Versandhändler wegen der großen Nachfrage auch in die USA. Und eine japanische Delegation orderte nach einer Verkostung in Regensburg fast 200 Hektoliter des Spezialbiers.

Craft-Beer-Kompetenz aus Bayern ist auch in einem anderen Bereich ein Exportschlager mit wachsendem Erfolg: Die NürnbergMesse ist heute Motor, um der Kunst des handwerklich gebrauten Bieres national und international eine Bühne zu bieten. Die weltweit bedeutendste Messe für Getränke- und Getränketechnologien „Beviale“ in der Frankenmetropole hat bereits Ableger in Russland (Moskau) und China (Shanghai). In diesem November bekommt die „Beviale-Familie“ weiter Zuwachs – mit der ersten „Craft Beer Italy“ in Mailand. 2018 ist erstmals eine Veranstaltung in Brasilien geplant. „Wir wollen Weltmarktführer bei Craft-Beer-Veranstaltungen werden“, sagte der Nürnberger Messe-CEO Roland Fleck bei einer Pressekonferenz in diesem Jahr.

Das Pils wird 175 Jahre alt

Das Pils oder Pilsener hat die westböhmische Stadt Pilsen berühmt gemacht. Dieser heute meistgetrunkene Bierstil der Welt ist Ergebnis eines bayerisch-böhmischen Know-how-Transfers, der bereits mehr als 200 Jahre vor der Aufnahme Tschechiens in die Europäische Gemeinschaft bestens funktionierte. Denn erfunden wurde das Pilsner, weltweit der Star unter den Bieren, Mitte des vorletzten Jahrhunderts nicht von einem Böhmen, sondern einem waschechten Niederbayern: dem Braumeister Josef Groll, der am 11. November 1842 zum ersten Mal ein von ihm „erfundenes“ Bier ausschenkte, das die Welt des goldgelben Gerstensaftes revolutionierten sollte.

Das Wasser von Pilsen sei besser zu trinken, als das in der Stadt gebraute Bier, hieß es Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Qualität des Biers war so schlecht, dass im Jahr 1838 sogar der Magistrat von Pilsen die öffentliche Vernichtung von 36 Fässern anordnete – eine große Schande für die Bier liebenden Böhmen. Die suchten deshalb nach diesem Vorfall einen kompetenten Berater aus dem damals bereits für sein Bier berühmten Bayern. Angeheuert wurde der 29 Jahre junge Josef Groll. Der Bierbrauer war 1813 in Vilshofen als Sohn eines Brauerei-Besitzers geboren worden. Die familieneigene Brauerei allerdings durfte sein jüngerer Bruder übernehmen, der den elterlichen Betrieb später in die Insolvenz führte.

Und so trug es sich zu, dass Josef Groll 1842 mit einem alten Braurezept seines Vaters in der Tasche und zwei Helfern ins 180 Kilometer entfernte Pilsen reiste. Am 11. November 1842 wurde zum ersten Mal ein Pils ausgeschenkt. Innerhalb weniger Monate schaffte Groll, woran sich zuvor die böhmischen Braumeister erfolglos versucht hatten und erfand den heute meistgetrunkenen Bierstil der Welt. Grolls Leistung war es, bei seiner Brauweise den Hopfen als Aromastoff in den Vordergrund zu rücken, sagen heute Experten.

Zunächst verwendete er statt der bis dahin üblichen obergärigen Bierhefe eine untergärige Hefe. Der Export der Hefe war damals aber verboten. Der Legende nach versteckte Josef Groll die Hefe daher in seinem Spazierstock, um sie über die Grenze zu bringen. Dies ist zwar nicht historisch belegt, aber zumindest als Geschichte ganz nett. Sein entscheidender Einfall aber war der Austausch des damals dunklen gegen helles Malz und er setzte überdurchschnittlich viel Hopfen zu. Das weltberühmte Pilsner mit seiner lichtgelben Farbe und dem edel-bitteren Geschmack war geboren. Wenn Sie heute nach Pilsen reisen, können Sie noch die unterirdischen Eiskeller besichtigen, in denen damals die Biere gelagert wurden. Die Keller, hoch wie ein Kirchenschiff, sollen wirklich beeindruckend sein.

Bis heute entfallen rund zwei Drittel des gesamten deutschen Bierausstoßes von zuletzt rund 95 Millionen Hektolitern pro Jahr auf diese herb-hopfige Gerstensaft-Sorte. Andere Bierstile können von solchen Zahlen nur träumen. Jeder zweite Mann trinkt einmal pro Woche ein Pils, ein Drittel sogar mehrmals wöchentlich. Der seit Jahren sinkende Bier-Pro-Kopf-Konsum von in 2016 rund 104 Litern pro Jahr sichert den Deutschen nach den letzten vorliegenden Vergleichszahlen aus 2015 Platz drei. Ganz vorne: die Tschechen mit 135 Litern pro Kopf, gefolgt mit weitem Abstand von Österreich mit 105 Litern.

Der Erfinder des Pilsners ist bis heute nicht vergessen, weder in seiner Geburtsstadt Vilshofen noch in Pilsen. In Vilshofen erinnert heute eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus an den Braumeister. Die einzige verbliebene Brauerei in Vilshofen hat zu Ehren des Erfinders des Pilsners ein „Josef Groll Pils“ im Sortiment. In Pilsen, der Stadt, die dem Bier den Namen gab, steht der Sudkessel, in dem Groll sein erstes Bier ansetzte. Der kupferne Bottich wird verehrt wie eine Reliquie. Hier hängt auch ein Portrait des legendären Braumeisters. Die Bierstube „Na parkanu“ beim Brauereimuseum in der Pilsner Innenstadt schenkt bis heute Urquell nach der Originalrezeptur aus. Heute werden in der westböhmischen Stadt jährlich rund zehn Millionen Hektoliter „Urquell“ produziert und in 60 Länder der Welt exportiert. Von der Werbeabteilung der Brauerei wird dabei der Vater des Pilsners 175 Jahre nach dem ersten Ausschank noch immer gerne genutzt.

13. – 14.10. 2017: Rieder Biermesse

Ried liegt etwa 60 km nordöstlich von Salzburg. Dort findet am 13. und 14. Oktober 2017 die vierte Rieder Biermesse über die Bühne. An beiden Tagen können jeweils ab 16 Uhr mehr als 200 verschiedene Biere verkostet werden. Die Biermesse findet in der Jahnturnhalle statt. Dort haben die Besucher die Möglichkeit, mit den Brauern der 20 Brauereien ins Gespräch zu kommen, die dort ihre Biere präsentieren., so ist für genügend Platz gesorgt.  „Das besondere am Rieder Bierfestival ist, dass die Bierbrauer selbt vor Ort sind und die Besuchern so direkt mit ihnen ins Gespräch kommen können“, betont Obmann des Tourismusverbandes Ried, Karl Zuser. 20 verschiedene Brauereien werden ihre Biere präsentieren. Grundsätzlich ist der Eintritt frei. Dies ist besonders für Autofahrer praktisch. Bei Verkostung kann ein Starterpaket um 10 Euro erworben werden. Zudem wird ein interessantes Rahmenprogramm geboten.

Bierbummel

Beim Bierbummel lernen die Teilnehmer gleichzeitig die Stadt Ried kennen und verkosten sowohl edle als auch kulinarische Highlights. Er Bierbummel findet am 14. Oktober ab 10 Uhr statt. Treffpunkt ist die Brauerei Ried.

Wahl der besten Brauer

Am Freitag um 19:30 Uhr werden die besten gewerblichen Brauer ermittelt und am Samstag wird um 16:00 Uhr der beste Hobbybrauer gekürt.

Die Veranstaltung beginnt an beiden Tagen um 16:00 Uhr. Der Eintritt ist gratis, allerdings erwirbt jeder Besucher für zehn Euro fünf Gutscheine für eine Bierprobe, die bei den Brauern eingelöst werden können. Zutritt haben nur Besucher ab 16 Jahren.